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Aus der Region

Valentinstag und Totengedenken

Junge Theologen diskutierten über die missionarische Dimension von Liturgie

Erfurt (bh / tdh) -"Im Vorhof der Heiden" war ein Kolloquium überschrieben, zu dem sich kürzlich an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt 24 junge katholische und evangelische Liturgiewissenschaftler trafen. Sie kamen aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz und gehören zur "Arbeitsgemeinschaft Katholischer Liturgiedozentinnen und -dozenten im deutschsprachigen Raum" (AKL). Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, sich über neuere liturgische Feierformen zu informieren und auszutauschen, so die Organisatorin Birgit Hosselmann. Die Diplomtheologin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Erfurter Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft. Jedes Jahr treffe sich die "AKL-Junior", um gemeinsam aktuellen liturgiewissenschaftlichen Fragen nachzugehen.

Mit grundlegendem Einblick in die "religiös unmusikalischen" Verhältnisse und Erfahrungen Ostdeutschlands eröffnete der Erfurter Theologe und Philosoph Eberhard Tiefensee die Tagung. Chancen für eine "absichtslose Mission" sieht er darin, dass es in der Gesellschaft eine positive Neugier nach Religion und Glauben gibt.

Pastoral aus den Augenwinkeln

Am Beispiel der Annäherung des kleinen Prinzen an den Fuchs in der Geschichte de Saint-Exuperys "Der kleine Prinz" beschrieb er das Modell einer "Pastoral aus den Augenwinkeln". Das meine eine in Ruhe und in Gelassenheit stattfindende Annäherung von Nicht-Christen und Christen. Notwendig sei hierbei die Suche nach einer Sprache, die die Rede von Glaubenserfahrungen erst ermöglicht.

Im Gespräch der Nachwuchswissenschaftler mit Bischof Joachim Wanke kam es zum Austausch über dessen missionarischen Überlegungen, über missionarische Ansätze in Frankreich und der Weltkirche. Dabei wurden Parallelen zwischen der ostdeutschen und der französischen Diasporasituation deutlich. In der Ur-Erfahrung, Glaube entzünde sich am Glauben, und im Verlangen jedes Menschen nach Spiritualität verankert Bischof Wanke die Möglichkeit, dass Menschen miteinander in Beziehung kommen. Maßgeblich sei aber nicht nur die Authentizität des christlichen Gesprächspartners, sondern auch seine Auskunftswilligkeit und Auskunftsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund stießen die verschiedenen, vom Erfurter Dompfarrer Reinhard Hauke angebotenen Feierformen auf besonderes liturgiewissenschaftliches Interesse. Kurz vorgestellt wurden das Weihnachtslob, die Feier der Lebenswende, der "ökumenische Segensgottesdienst für alle, die partnerschaftlich unterwegs sind" und das Totengedenken, an dem die Gruppe an diesem ersten Freitag im Monat auch teilnahm. Auf diese Weise konnten die theoretischen Kenntnisse selbst einmal in der Praxis erlebt und anschließend gemeinsam reflektiert werden.

Nächstes Treffen in Bamberg

Thema waren auch strukturelle Fragen, die das Leben einer Katholisch- Theologischen Fakultät in der Diaspora betreffen und die Weiterentwicklung der Liturgiewissenschaft. Im nächsten Jahr treffen sich die Wissenschaftler in Bamberg; dann zum Thema Ekklesiologie der Liturgie.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.04.2004

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