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Bistum Magdeburg

Neue Aufgabe bei der Bischofskonferenz

Frauenreferentin Hildegund Keul wechselt nach Bonn

Hildegund Keul: Übernimmt die Arbeitsstelle Frauenseelsorge der Bischofskonferenz.

Magdeburg / Bonn -Die bisherige Leiterin des Referates für Frauenseelsorge im Bistum Magdeburg, Dr. Hildegund Keul, übernimmt zum 1. April die Leitung der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge bei der Deutschen Bischofskonferenz. Frau Keul wird für diese Aufgabe für fünf Jahre von der Diözese freigestellt. Der TAG DES HERRN sprach mit ihr.

Frage: Frau Dr. Keul, welche Aufgaben erwarten Sie in Bonn?

Keul: Die Arbeitsstelle Frauenseelsorge ist Bindeglied zwischen der Frauenseelsorge in den Diözesen, den katholischen Frauenverbänden und der Deutschen Bischofskonferenz. Gemeinsam geht es um die Gestaltung des missionarischen Aufbruchs in einer sich schnell wandelnden Gesellschaft. Weitere Arbeitsstellen gibt es zum Beispiel auch für die Jugend, die Männer und für Berufungspastoral. Als Leiterin der Arbeitsstelle möchte ich den Austausch mit den Frauenklöstern als Zentren von Frauenseelsorge suchen. Angesichts der kleiner werdenden Gemeinden werden Seelsorgezentren wie die Klöster an Bedeutung gewinnen. Zudem möchte ich den Blick auf die europäische Ebene lenken: Was bedeutet etwa die EU-Osterweiterung für die Frauenseelsorge ...

Frage: Bislang hat immer ein Mann die Arbeitsstelle geleitet ...

Keul: Die Bischöfe haben sich vorgenommen, verstärkt Frauen in Leitungspositionen einzusetzen. Ich bin die erste Frau in dieser Aufgabe. Bei der Entscheidung für mich dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass ich aus den neuen Bundesländern Erfahrungen von Kirche in postsäkularer Gesellschaft mitbringe. Denn es geht den Bischöfen um eine missionarische Orientierung der Seelsorge. Und da können die Erfahrungen etwa aus dem Bistum Magdeburg im Blick auf die nicht christliche Umwelt eine Bereicherung sein.

Frage: Sie sind 1993 aus Würzburg nach Magdeburg gekommen und haben seitdem mit einer halben Planstelle das Frauenreferat inne gehabt. In welche Situation kamen Sie? Wie hat sich die Situation in der Frauenseelsorge entwickelt?

Keul: Engagierte Frauen aus den Gemeinden wollten damals, dass nach einigen Jahren des Fehlens einer eigenständigen Frauenarbeit wieder eine Referentin diese Aufgabe übernimmt. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Region Ost, war bereits gegründet. Auch Frauen aus der Magdeburger Kirche waren dabei engagiert. Zudem traf ich hier auf evangelischer Seite auf große Bereitschaft zusammenzuarbeiten. Die gemeinsame Vorbereitung und Durchführung des Weltgebetstages der Frauen ist inzwi-schen zur guten Tradition geworden. Gute Akzeptanz fand von Anfang an auch die 1994 erstmals durchgeführte Frauenwallfahrt nach Helfta, das damals noch alles andere als ein Kloster war. 1995 gründeten wir dann den kfd-Diözesanverband Magdeburg, eines heute sehr engagierten Verbandes im Bistum. Vier Jahre war ich Geistlich-Theologische Leiterin der kfd. Nennen möchte ich auch die Durchführung des bundesweiten Rollstein- Projektes "Frauenseelsorge an der Schwelle des dritten Jahrtausends" und den gerade begonnenen Bau unseres Labyrinths in Helfta (siehe Seite 3). Das waren und sind äußere Aktionen, um innerlich zu fragen, was wirkliches Leben be- und verhindert und welche Kräfte es gibt, im Weg liegende Steine beiseite zu räumen. Ein Labyrinth führt zur Konzentration auf die Mitte und konfrontiert mit der Frage: Was braucht es, um wirklich leben zu können?

Frage: Mit 50 Prozent ihrer Arbeitszeit waren Sie Dozentin im Seminar für Gemeindepastoral, das mangels Bewerbern 2003 geschlossen wurde. Halten Sie die Schließung für richtig?

Keul: Das Seminar war das einzige Institut seiner Art in den neuen Ländern. Ich frage mich, wo wir junge Menschen für die Seelsorge herbekommen werden. In den zurückliegenden Jahren haben wir manche ausgebildet, die inzwischen einen guten Gemeindedienst leisten.

Frage: Sie haben sich in den letzten Jahren auch habilitiert und sind Privatdozentin für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Würzburg

Keul: Als ich 1993 nach Magdeburg kam, habe ich mich bald mit der Begine Mechthild von Magdeburg befasst. Daraus ist meine Habilitationsschrift über die verschwiegene Gottesrede Mechthilds entstanden. Es geht darin um das Zerbrechen von Sprache genau dann, wenn es Wesentliches zu sagen gilt. Auch wir kennen diese Sprachlosigkeit: Wie heute von Gott sprechen? Mechthilds "Fließendes Licht der Gottheit" ist insofern ein Buch über die Gottesfrage. Mich interessieren die Gravuren, die die Mystik in heutige Fragen der Theologie einschreibt.

Frage: So manches in der Frauenarbeit des Bistums läuft recht gut. Welche Wünsche hatten oder haben Sie?

Keul: Ich würde mir wünschen, dass die Stelle im Frauenreferat auf 75 Prozent erweitert und möglichst bald neu besetzt wird. Dies ist wichtig auch wegen der anstehenden Aufgaben vor dem Hintergrund des Pastoralen Zukunftsgespräches. In nächster Zeit wird die Leiterin des Referates Familie, Ehe, Alleinerziehende, Maria Faber, meine Aufgabe kommissarisch übernehmen. Annette Thaut wird sie als Honorarkraft unterstützen. Für ihre Arbeit wünsche ich alles Gute. Und allen Frauen und Männern im Bistum, die meine Arbeit begleitet und unterstützt haben, sage ich herzlichen Dank.

Fragen: Eckhard Pohl

Info: Am 26. Juni findet die zehnte Frauenwallfahrt in Helfta statt. Motto: "Ich tanze, Gott, wenn Du mich führst."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.03.2004

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