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Bistum Görlitz

Pfarrhaus lädt zum Schmökern ein

In Jauernick gibt es seit 1998 eine Pfarrbücherei / Gabriele Walter behält dort seither den Überblic

Jauernick (mim) -Dieser Geruch von alten Büchern, unzähliche Literatur Buchrücken an Buchrücken aneinander gereiht und das alles ordnungsgemäß gestapelt in Regale, die bis zur Decke reichen -Hier fühlt sich Gabriele Walter (53) aus Jauernick ganz in ihrem Element. "Ich habe schon immer gern gelesen. Und ich kann mich noch erinnern, wie ich früher gern zu den Kaplänen gegangen bin, denn die hatten zu DDR-Zeiten immer die besten Bücher", sagt sie schmunzelnd.

Bücher stammen aus dem Fundus des Pfarrers

Seit 1998 widmet sich die leidenschaftliche Leserin nun auf ganz besondere Weise ihrem Hobby: Sie ist Mitinitiatorin einer katholischen Bücherei im kleinen Dorf Jauernick nahe Görlitz und arbeitet dort seither zusammen mit Claudia Wuttke ehrenamlich im Buchverleih. "Die Bücher stammen größtenteils von unserem früheren Pfarrer Karl Hauser", erklärt Walter. "Sein ganzer Reichtum waren die Bücher." Literatur, die in der Gemeindearbeit gebraucht wurde, aber auch viele schöne Bildbände aus fremden Ländern etwa zählen dazu. "Als Pfarrer Hauser starb standen wir vor der großen Frage: ,Wohin mit den Büchern?'" Bis die Idee aufkam, eine kleine Bücherei ins Leben zu rufen. "Ich war mir sofort sicher: Das würde mir großen Spaß machen", sagt Walter.

Was folgte, war wochenlanges Aussortieren, Katalogiesieren und Beschriften des Fundus sowie das Einteilen in die einzelnen Genre. Von Romanen und Nachschlagewerken, über religiöse und schlesische Literatur bis hin zu Kinderbüchern und besinnlichen Anregungen -In der Jauernicker Pfarrbücherei findet so mancher Lesefreund, was sein Herz begehrt. Insgesamt stehen hier rund 2 000 Bücher und Hefte zum Verleih.

Doch nicht nur die persönliche Freude am Lesen reizt Gabriele Walter an ihrer Arbeit in der Pfarrbücherei. Sie verbindet damit auch einen Auftrag an die Jugend auf dem Dorf: "Man sollte Kinder und Jugendliche schon früh ans Lesen heran führen, denn wer als Kind nicht die Freude am Buch entdeckt hat, der wird auch als Erwachsener nicht lesen", sagt sie. "Meine Generation hat unendlich viel gelesen. Aber Computer und Internet bieten heutzutage andere Möglichkeiten, so dass das gute alte Buch mit spannenden Geschichten, die die Fantasie anregen, in den Hintergrund getreten ist", so die Mutter dreier Kinder.

Um die Jugend wieder mehr an Bücher heranzuführen hat sie einige Ideen, die bisher jedoch immer an mangelnder Zeit scheiterten: "Ich könnte mir vorstellen, an Wochenenden ausgiebige Leseabende zu veranstalten. Mit Matratzen und Kissen könnten es sich die jungen Besucher dann auf dem Boden bequem machen, und ich könnte ihnen spannende Geschichten aus einem unserer Bücher vorlesen", beschreibt sie ihre Zukunftsvisionen. "Vielleicht finde ich ja eines Tages einmal die Zeit, um das in die Tat umzusetzen."

An spannender Literatur -nicht nur für kleine Leseratten -mangelt es der Bücherei jedenfalls nicht. Immer wieder verweist Gabriele Walter gern auf das kleine Regale direkt zwischen religiöser Literatur und Besinnlichem. "Agatha Christie" und "Miss Marple" steht dort auf den kleinen Heftchen geschrieben -die Krimi-Ecke der katholischen Bücherei, zu der Frau Walter auch gleich eine kleine Anekdote auf den Lippen hat.

Tante aus dem Westen schleuste Krimis ein

"Als ich die Krimis vom Pfarrer damals hier einsortierte, habe ich mich immer gewundert, wie zerlesen und abgenutzt die Heftchen aussahen", sagt sie. Als sie dann durch Zufall ihrer Mutter davon erzählte, stellte sich heraus: Ihre Tante aus dem Westen versorgte den damaligen Pfarrer von Jauernick immer mit dem spannenden Lesestoff. Und um die Heftchen sicher über die Grenze zwischen West und Ost zu bekommen, wandte sie einen kleinen Trick an: "Meine Tante ließ die eigentlich neuen Krimis so abgenutzt erscheinen, dass jeder davon ausgehen musste, es seien ihre eigenen", sagt Frau Walter schmunzelnd. So bescherte die Tante Pfarrer Hauser immer neuen Lesespaß und legte ganz nebenbei den Grundstein für eine der vielen Themen-Ecken.

Wer nun neugierig geworden ist auf den Jauernicker Buch-Fundus:
Die Bücherei im Pfarrhaus ist donnerstags von 17 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 10:30 Uhr geöffnet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.03.2004

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