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Aufbruch zum Traumziel

Jugenwallfahrt des Bistums Görlitz nach Guben/Neuzelle

Bischof Müller mischte sich unter die jungen Pilger Guben / Neuzelle - "Tod", "Scheidung", "Krankheit", "Unfall": Bei jedem dieser Worte fällt ein Karton auf Christophorus Laube, trifft ihn am Rücken, an den Schulter oder am Kopf. Bei jedem Schlag duckt sich der Jugendliche ein wenig mehr, bis er schließlich zusammengekauert unter einem Berg brauner Kisten hockt.
Über Situationen und Träume, die ihr Leben prägen, nachzudenken, dazu wurden die mehr als 200 jungen Christen aus dem Bistum Görlitz bei der Jugendwallfahrt am vergangenen Sonntag immer wieder aufgefordert, nicht nur bei dieser Statio kurz vor Wellmitz. Während der Eröffnung in Guben hörten sie von einem Mädchen, dessen großer Wunsch es war, einmal das Meer zu sehen. Zur Erinnerung an ihr eigenes "Meer von Wünschen, Träumen und Sehnsüchten", so erklärt Franziska Haschke vom Vorbereitungsteam, bekamen die Mädchen und Jungen gläserne Wassertropfen zum Umhängen mit auf den rund 22 Kilometer langen Weg. Dieses Symbol wurde übrigens auch beim Wallfahrtsgottesdienst in Neuzelle wieder aufgegriffen: Statt sich beim Friedensgruß die Hand zu reichen, ließen die Jugendlichen ihrem Nachbarn nämlich einen Tropfen Wasser auf die Finger gleiten.
An verschiedene Situationen im Leben erinnern sollten die Fotos, die bei der ersten Statio in Coschen an einem Labyrinth aus Tüchern hingen. Darauf waren außergewöhnliche Szenen, etwa ein Schäfer mit seiner Schafherde oder ein Mann mit einem Kamel abgebildet, aber genauso alltägliche Begebenheiten wie zum Beispiel ein Mädchen mit einer Kerze oder eine alte Frau, die aus dem Fenster schaut. An einem Baum ganz am Ende des Labyrinths bekamen die Jugendlichen die Aufforderung zu lesen: "Drückt eurem Leben euren Stempel auf!", geschrieben auf ein Stück Papier, das um einen Baustamm gewickelt war. Davor stand ein Stempelkissen. So konnten die Jungen und Mädchen dort ihren Fingerabdruck hinterlassen.

Dass es wichtig ist, selbst aktiv zu werden, damit sich ein Lebenstraum von bloßer Träumerei unterscheide, darauf wies auch der aus dem Bistum Görlitz stammende Pastoraltheologe Franz Georg Friemel in seiner Predigt beim Abschlussgottesdienst hin: "Wer im Lotto gewinnen will, muss wenigstens den Tippzettel ausfüllen." Dasselbe gelte für die Ehe, die laut Friemel ebenfalls ein Lebentraum sein könne. Um die Frau oder den Mann fürs Leben zu finden, sollten sich die Jugendlichen umsehen - zum Beispiel auch auf der Jugendwallfahrt. Und wer zum Meer wolle, müsse ebenfalls aufbrechen, sagte Friemel mit Blick auf die Geschichte vom Mädchen aus den Bergen.

Um das Thema " Aufbruch" ging es gleich mehrmals bei dieser Wallfahrt. Das verdeutlichte bereits das Motto "Ready - Steady - Go(d)" , eine abgewandelte Version des englischen "Auf die Plätze, fertig, los!" Aufgestanden und bis zur Neuzeller Stiftskirche weitergegangen ist auch Christophorus, nachdem ihn Hoffnung, Glaube und Lebensmut in Gestalt von Susanne Geisler gleichsam an der Hand genommen hatten.

Mit ihrem Wallfahrtsopfer wollten die Jugendlichen anderen Menschen helfen, ein Ziel ihres Lebensweges zu erreichen. Nach Auskunft der Jugendseelsorge sind rund 1200 Mark zusammengekommen. Sie gehen an die neue Ausbildungsstätte für sozialpflegerische und pädagogische Berufe in St. Petersburg. Auch das Bistum Görlitz und das Osteuropahilfswerk Renovabis unterstützen die Arbeit der Caritas dort mit je einer Million Mark.

Karin Hammermaier

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 14.06.2001

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