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Bistum Magdeburg

Ein Ort der Ehrfurcht und des Glaubens

Altar der Kathedralkirche St. Sebastian in Magdeburg nach der Sanierung wieder eingeweiht

Magdeburg (as / pbm) -Ein bisschen wehmütig war ihm doch zumute. Aber nicht jammern, sondern zuversichtlich in die Zukunft blicken, ist ja die Devise des scheidenden Bischofs Leo Nowak. Als letzte große Amtshandlung hat er am vergangenen Sonntag die Kathedralkirche St. Sebastian in Magdeburg wieder eingeweiht -viele Gläubige aus den verschiedensten Gemeinden und Gäste waren gekommen, um den neuen Glanz der Bischofskirche in Augenschein zu nehmen.

Ein Jahr lang wurde sie umfassend saniert und umgestaltet -der Umbau war vor allem wegen starker Schäden am Turm, im Mauerwerk und der Heizung notwendig geworden.

Und die hohe Teilnahme der Gläubigen zeigte, wie stark das Interesse war. Eine neue "Kultur der Ehrfurcht" forderte Bischof Nowak in seiner Festpredigt. Die Ehrfurcht nicht nur in den Gotteshäusern gehöre wesentlich zum Menschsein, betonte der Bischof. Ehrfurcht zu haben bedeute, zu staunen und sich darüber zu freuen, was dem Menschen geschenkt ist. "Denn wofür kann man sich schon selbst rühmen?"

Ohne Ehrfurcht sei keine Gottesbegegnung möglich -in der Kirche könne man sich neu auf die wesentlichen Dinge ausrichten, die den modernen Menschen abhanden zu kommen scheinen. Kirchen seien deshalb für die heutige Zeit unverzichtbar. Außer den Beichtstühlen gebe es in St. Sebastian jetzt auch einen eigenen Raum für das Beichtgespräch, "damit der Prozess der Besinnung und Umkehr immer wieder beginnen kann und nicht aufhört", sagte Bischof Nowak.

Für viele Gottesdienstbesucher ein ganz neues Erlebnis war die anschließende Konsekration des Altares, dessen Platte von Bischof Nowak und Weihbischof Feige mit Chrisam-Öl gesalbt wurde, ehe darauf Weihrauch verbrannt und das Weihegebet gesprochen wurde. Nach dem Gottesdienst nutzten viele Besucher die Gelegenheit zur Besichtigung, zur Begegnung und zum Gespräch.

Die Planungen für den Umbau des Gotteshauses reichen bis in die Mitte der 90er Jahre zurück. Obwohl sich auch die finanzielle Situation des Bistums in den folgenden Jahren verschlechtert hat und das Geld knapp wurde, konnten die notwendigen Reparaturen nicht länger hinausgezögert werden. Insgesamt hat die Sanierung rund zwei Millionen Euro gekostet.

Wer die Kathedrale vor dem Umbau kennt, dem fallen vor allem die Veränderungen im Altarbereich und an der neuen Empore auf: Der Altarraum wurde vom Hohen Chor in die Vierung der Kirche verlegt, um so dem aktuellen liturgischen Verständnis zu entsprechen, wonach sich die Gemeinde bei der Eucharistiefeier um den Tisch des Herrn versammelt. Die große, tief gehängte Empore aus den 50er Jahren wurde komplett entfernt und durch eine kleinere, freitragende ersetzt.

Eine weitere Veränderung betrifft die Heizungsinstallation. Weil die alte Fußbodenheizung auf Grund von Kalkablagerungen nicht mehr repariert werden konnte, wurde sie durch eine geregelte Warmluftheizung ersetzt, die die Luft zugleich filtert und so eine schnelle Verschmutzung der Kirche verhindert.

Die Chororgel schließlich befindet sich jetzt im ersten nördlichen Joch des Chores, der Tabernakel in der früheren Marienkapelle. Der Marienaltar wurde ins südliche Querschiff umgesetzt. Das große Kreuz, das vorher dort aufgehängt war, hat einen neuen Platz an der Südwand der Sebastianskirche gefunden.

Für die Gemeinde ist damit die Zeit des Wartens vorüber. Pfarrer Josef Kuschel bedankte sich beim Dessauer Architekturbüro Lückmann und bei den vielen Helfern, die sich oft im Hintergrund an den Umbau der Kirche beteiligt hätten. Dankbar seien die katholischen Christen besonders auch der benachbarten Domgemeinde, die ihnen während der Umbauphase "Obdach" gewährt hätte. Dadurch sei man sich nicht nur näher gekommen, sondern es hätten sich auch viele Gespräche über die gemeinsame Zukunft der Kirchen ergeben. Und einen dringenden Wunsch hat Bischof Leo Nowak für die neue Kathedralkirche auch: "Möge sie ein Ort der Ehrfurcht, der Barmherzigkeit und des Glaubens werden und das Gotteslob nie verstummen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.03.2004

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