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Auf zwei Minuten

Freude am Leben haben

Wo aber ist unsere Lebensfreude letztlich verankert?

Pater Damian

"Ich freue mich des Lebens, suche keine Dornen, hasche die kleinen Freuden. Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich. Kann ich den Stein aus dem Weg räumen, so tue ich es; ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum - und so finde ich alle Tage etwas, das mich freut. Und der Schlussstein, der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh, mein Angesicht fröhlich." Dieser schöne Text stammt von Catharina Elisabeth Goethe, der Mutter unseres großen Dichters. Über Lebensfreude und Lebenskunst gibt es eine Fülle von Texten und Liedern. Auch die kommerzielle Werbung macht uns aufmerksam auf Produkte, die die Freude am Leben erhöhen.

Was aber ist Freude? Dass man die Freude - wie das Glück - nicht direkt anstreben kann, haben wir wohl alle erfahren. Man kann zwar dem Vergnügen nachjagen, aber ob es uns echte Freude bereitet, ist nicht sicher. Der große Lehrer des Abendlandes, Thomas von Aquin, fragt in seiner theologischen Summe: Ist die Freude eine Tugend? Er antwortet: Nein, die Freude ist keine Tugend, die erworben und durch Übung entwickelt wird. Ich kann nicht kurzweg sagen: ,,Jetzt will ich fröhlich sein und glauben, es sei gelungen, weil ich mich zwinge, bei guter Laune zu sein. Die Freude ist die Blüte und Frucht einer Tugend, nämlich der Liebe. Freude setzt eine gewisse Liebe voraus und entspricht auch der Liebe. Die kleinen Freuden des Alltags entsprechen den Arten der Liebe und Zuneigung. Wir können Freude an Gesundheit, an Sport und Spiel, an gutem Essen und Trinken, an einem Geschenk, an Blumen und Landschaften usw. haben. Eine noch ergiebigere Quelle der Freude ist das Zusammensein - real oder auch nur in Gedanken - mit Menschen, die wir lieben und die uns lieben. Die heilige Elisabeth von Thüringen hat selbst erfahren, was sie sagt: ,,Wo man Liebe sät, wächst Freude empor."

Wo aber ist unsere Lebensfreude letztlich verankert? Frau Goethe weiß es, wenn sie sagt: ,,Der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh, mein Angesicht fröhlich." Die Freude am Leben ist sicherlich auch nach Veranlagung und Lebensumständen verschieden. Nicht jeder ist eine sonnige Frohnatur. Und das Leben ist nicht reine ,,Freude, Friede, Eierkuchen". Aber die Grundstimmung des Christen kann nicht düstere Traurigkeit sein. ,,Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger." Gott selbst ist Liebe und Freude und teilt uns seine Liebe in Christus mit. Wie können von Gott Geliebte traurig sein?

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.03.2004

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