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Bistum Magdeburg

Erzählen Sie, was Sie erlebt haben

Gottesdienst mit den erwachsenen Tauf- und Firmbewerbern des Bistums

Beeindruckende Zeugnisse: Bischof Nowak im Kreis der Taufbewerber, ihrer Paten und Pfarrer.

Magdeburg (mh) -Sie sind Hausfrauen und Studenten, sie arbeiten als Verkäufer oder Opernsänger, sie stehen mit beiden Beinen fest im Leben oder gehen gerade die ersten Schritte in die Selbstständigkeit -etwas aber ist ihnen allen gemeinsam: Sie sind -manchmal seit Jahren -auf der Suche nach etwas, was ihrem Leben einen tieferen Sinn gibt. Und jetzt haben sie ihn gefunden: 50 Frauen, Männer und Jugendliche aus dem Bistum Magdeburg wollen sich in der Osterzeit in die katholische Kirche aufnehmen lassen. 35 Taufbewerber und 15 Firmbewerber (ein Teil von ihnen ist als Kind in der evangelischen Kirche getauft worden) waren am Samstag vor dem ersten Fastensonntag nach Magdeburg gekommen, um dort in einem Gottesdienst von Bischof Leo Nowak zu den Sakramante zugelassen zu werden.

Diese Gottesdienste -sie sind Teil des so genannten Katechumenates zur Vorbereitung auf die Taufe -sind in vielen Bistümern üblich. In Magdeburg gibt es sie seit 1999. "Damals haben wir mit sieben Taufbewerbern begonnen", erinnert sich der Dessauer Propst Gerhard Nachwei, zuständig für das Erwachsenen- Katechumenat im Bistum. Eine Magdeburger Besonderheit ist es, dass der Gottesdienst nicht in der Kathedrale stattfindet, sondern im Saal des Roncalli-Hauses. Die damit verbundene persönlichere Athmosphäre kommt einem der wichtigen Teile der Feier zugute: Jeder Taufbewerber erzählt seine Glaubensgeschichte.

Oft sind es gläubige Lebenspartner und Freunde, die den Anstoß geben, selbst die Frage nach Gott zu stellen. Bei Sebastian Heinke (Delitzsch) war es die getaufte Verlobte. "Ich wolle sie voll und ganz kennen lernen, damit wir uns besser verstehen." Und damit begann sein Glaubensweg. Für den 13-jährigen Tobias Schüßler (Hamersleben) spielte die Oma eine wichtige Rolle: "Die Gespräche mit ihr haben in mir den Entschluss reifen lassen, mein weiteres Leben mit Jesus zu verbringen."

Bei anderen Taufbewerbern waren es Begegnungen mit der katholischen Kirche in Form ihrer vielfältigen Angebote und Einrichtungen: Kathrin Wagner (Magdeburg) stammt aus einem atheistischen Elternhaus. Der Besuch des katholischen Norbertusgymnasiums brachte sie in Kontakt mit dem Glauben. Bei den Eheleuten Ute und Bernd Krumm (Magdeburg) war es der katholische Kindergarten, den ihr Sohn besucht, bei Stefan Worlitsch (Merseburg) waren es die Pfadfinder und bei Michaela Lubig (Magdeburg) die Malteser. Lars-Joachim Kirchner (Halle) begegnete während seiner Bundeswehrzeit einem katholischen Militärseelsorger. Und bei vielen, die schon mit einem getauften Partner zusammenleben, sind es die katholischen Pfarrgemeinden, in denen sie sich beheimatet fühlen und engagieren und zu denen sie nun endgültig dazugehören wollen.

Manchmal sind die Entscheidungen auch mit ganz persönlichen Schlüsselerlebnissen verbunden, wie bei Hagen Grell (Delitzsch), der sich bei einem Schulprojekt vor acht Jahren mit der Frage der Angst vor dem Tod konfrontiert sah und in der Begegnung mit einem gläubigen Freund eine Antwort gefunden hat. Susanne Liebhold (Halle) hatte ihr Schlüsselerlebnis beim Tauchen: "Unter Wasser erlebte ich, wie groß und gewaltig, wie klein und zerbrechlich die Schöpfung ist. Ich war dankbar für diese Schönheit, aber bisher wusste ich nicht, wem ich Danke sagen sollte", erzählte sie.

Besonders beeindruckend war die Geschichte des Ehepaars Unger (Westerhausen), die beide als Kinder evangelisch getauft wurden. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihren Glauben bewusst zu leben, kamen sie in Kontakt mit den Zeugen Jehowas, bei denen sie 15 Jahre aktiv waren. Jetzt erzählten sie von ihrem schweren Weg aus der Sekte heraus und von der Suche nach neuen Weggefährten, die sie in der katholischen Kirche fanden.

"Wir ahnen, was sich hinter manchen Worten und Gesten verbirgt", dankte Propst Nachtwei für die Glaubenszeugnisse. Und Bischof Nowak gab den Taufbewerbern einen Auftrag mit: "Wir, die wir hauptamtlich in der Kirche tätig sind, erreichen die Menschen außerhalb der Kirche nur sehr schwer. Sie haben es da vielleicht einfacher, deshalb: Behalten Sie das, was Sie erlebt haben, nicht für sich. Erzählen Sie es weiter." Dazu gab der Bischof jedem Taufbewerber, ihren Paten und Pfarrern Gottes Segen mit auf den Weg.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 11 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 12.03.2004

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