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Kollaps für das Weihnachtsfest

Nachweihnachtliche Gedanken

Spätestens am 27. Dezember ist für viele Zeitgenossen Weihnachten vorbei. Diese Erfahrung hat Pfarrer Peter Krahl (Lübben) zu folgenden nachweihnachtlichen Gedanken veranlasst:

Seit der Liturgiereform des letzten Konzils endet der Weihnachtsfestkreis nicht mehr mit dem Fest Darstellung des Herrn (2. Februar), sondern mit dem Fest Taufe des Herrn. Für den Großteil der Bevölkerung Deutschlands ist Weihnachten aber auch zu diesem Zeitpunkt schon lange "Schnee von gestern". In Hoyerswerda bespielsweise wurde schon am 27. Dezember die Beleuchtung des Christbaums abgenommen, schließlich hat das Licht der Weihnacht im öffentlichen Bewusstsein der konsumorientierten Bürger schon wieder ausgeleuchtet. Bereits vor einigen Jahren sah ich, wie am 27. Dezember ein entkleidetes Weihnachtsbäumchen in dieser sozialistischen Stadt vom Balkon eines Elfgeschossers flog und Weihnachten so entsorgt wurde. Auch die Weihnachtsdekoration in den Geschäften, die vielerorts mindestens sechs Wochen lang die Schaufenster belagert hat, wurde am ersten Werktag nach Weihnachten um des lieben Umsatzes willen schnell durch Papierschlangen, Sektflaschen und Feuerwerkskörper ersetzt.

Mir stellt sich in diesen marktwirtschaftlichen Zeiten die Frage: Beherrschen wir Menschen den Markt oder beherrscht der Markt uns? Wenn mir ein katholischer Bäcker sagt, was soll ich machen, ich muss schon Mitte Oktober den Weihnachtsstollen anbieten, sonst kaufen die Leute ihn bei der Konkurrenz, dann kann man bezüglich der Bewahrung abendländischen Brauchtums nur sagen: Armes Deutschland! So wird nicht nur der Stollen, sondern die Weihnachtszeit selbst schon vorzeitig "abgegessen", um es in der Sprache der Jugend zu sagen.

Papst Johannes Paul II. hat im Advent 2002 vor allzuviel Weihnachtskonsum gewarnt. Zu starkes Konsumdenken verdränge die eigentlich christliche Weihnachtsbotschaft. "Die schlichte Botschaft der Krippe widerspricht dem Bild von Weihnachten, wie es in der Werbung verbreitet wird."

Viele Kinder im einst christlich geprägten Deutschland können heute nicht mehr zwischen einem Advents- und einem Weihnachtslied unterscheiden, weil ihnen die religiösen Grundlagen des abendländischen Kulturerbes fehlen. Noch erschreckender ist es, dass nach einer Umfrage eines Fernsehsenders 43 Prozent der ostdeutschen und 35 Prozent der westdeutschen Kinder gar nicht mehr wissen, warum wir Weihnacnten feiern. Ob das etwas mit dem Geburtstag des Weihnachtsmanns zu tun hat ...?

Wenn Weihnachten ein pures Geschenke-Austausch-Fest ist, hat es spätestens nach den beiden arbeitsfreien Feiertagen seinen Sinn verloren. Und mancher ist froh, wenn es sich möglichst schnell ausgeweihnachtet hat, schließlich hatte es schon seit Wochen aus den Lautsprechern der Weihnachtsmärkte (eigentlich Adventsmärkte) "Stille Nacht, heilige Nacht ... Christ der Retter ist da!" gedudelt.

Das Christkind hat heute -wie damals in Bethlehem -keinen Platz mehr in zahlreichen Häusern und Herzen der Menschen. Vielerorts muss es dem Weihnachtsmann weichen. Nicht genug, dass wir den oft durch Kinderarbeit in Asien billig gefertigten amerikanischen Lichterkitsch als abendländischen Schmuck unserer Häuser übernehmen, bei nicht wenigen gilt sogar das selbstdarstellerische Motto "Lichterketten machen Leute". Inzwischen versucht auch bei uns der Weihnachtsmann in manche Häuser per Strickleiter wie ein Dieb in der Nacht über Außenwände und Fenster "einzubrechen".

Der Brauch, dass die drei Weisen aus dem Morgenland bei Jesus in der Krippe am 6. Januar ankommen, wird vielerorts dadurch sinnlos, weil die Krippe inzwischen weggeräumt ist. Die Sternsinger sind nun auch schon im Advent beim Bundeskanzler, was den Advent zusätzlich mit Weihnachten vermischt. Und das Dreikönigsfest wird zweckentfremdet für Dreikönigstreffen und so zunehmend dem Parteiengezänk der Politik geopfert. Kinder, die an diesem Tag noch als Sternsinger unterwegs sind, müssen sich allmählich wie von einem anderen Stern eingeflogen vorkommen. Wer singt am 6. Januar öffentlich noch Weihnachtslieder?

Peter Krahl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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