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Bistum Erfurt

Taufe -"Wasserzeichen" des Glaubens

Fünfter ökumenischer Pilgertag auf den Hülfensberg bei Geismar

Taufe von Katharina Girschner Hülfensberg (ep) - Bereits zum fünften Mal fand am vergangenen Samstag auf dem Hülfensberg im Eichsfeld ein ökumenischer Taufgedächtnisgottesdienst statt. Mehr als 500 katholische und evangelische Christen fanden sich dazu am Vorabend der Großen Dreifaltigkeitswallfahrt der Eichsfelder an der Franziskusgrotte auf dem Berg ein. Ökumenische Pilgergruppen kamen zum Beispiel aus Heiligenstadt, Duderstadt, Witzenhausen und Obersdorf bei Sangerhausen. Aber auch Einzelwallfahrer und Familien, denen dieser jährliche ökumenische Gottesdienst wichtig geworden ist, waren am Abend zu dem 800 Jahre alten Wallfahrtsort gekommen.
"Kirche ist etwas sehr Buntes" deutete Pater Eusebius Thüne die versammelte Gemeinde von Menschen aus Ost und West, von Jungen und Alten, von Fußwallfahrern und mit dem Auto zum Berg des Gehülfen Christus Gekommenen und hieß die evangelischen und katholischen Chris-ten im Namen der auf dem Berg ansässigen Franziskaner willkommen. Der Platz um den Altar reichte kaum für die Seelsorger aus, die unter den Pilgern waren: Mehr als zehn evangelische Pfarrer aus der thüringischen und der hannoverschen Landeskirche, aus der Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und aus Kurhessen-Waldeck, einige katholische Priester aus den Diözesen Hildesheim, Fulda und Erfurt, aus Duderstadt, Eschwege und vom Hülfensberg. Der traditionsreiche Wallfahrtsort lag zu DDR-Zeiten direkt an der innerdeutschen Grenze und befindet sich im Schnittpunkt von Bundesländer-, Bistums- und Landeskirchengrenzen.
Es gibt heute viele Bemühungen um die Einheit unter den Christen, doch noch immer sind die Wunden nicht verheilt, formulierte der katholische Duderstädter Propst Wolfgang Damm beim Kyrie und sprach damit aus, was viele Christen bewegt. Das Sakrament der Taufe aber verbinde alle miteinander. Ihm sei dieser Gottesdienst, der evangelische und katholische Chris-ten über die ehemalige Grenze hinweg zusammenführt, zu einem wichtigen Anliegen im Jahr geworden, betonte Damm gegenüber dem Tag des Herrn.

"Die Taufe ist wie ein Wasserzeichen, dass man immer wieder ins Licht des Evangelium halten muss, um es zu sehen und sich seiner bewusst zu sein", sagte der evangelische Dekan Martin Arnold aus Eschwege in seiner Predigt. "Wer getauft ist, dem ist zugesagt: Du bist mein geliebter Sohn. Wie immer es um dich steht, ich stehe zu dir." Hatten sich die Gottesdienstteilnehmer in den letzten Jahren zur Erinnerung an ihre Taufe mit Wasser benetzt, so prägte diesmal eine Erwachsenentaufe die Feier: Der Heiligenstädter evanglische Dekan Martin Herche taufte Katharina Girschner aus Heiligenstadt. Zur Erneuerung des Taufversprechens wurde "Fest soll mein Taufbund immer stehen" und das evangelische Lied "Ich bin getauft auf deinen Namen" im Wechsel der Strophen gesungen.

Pater Eusebius, wie Dekan Herche Initiator des Taufgedächtnisgottesdienstes, freut sich, dass die Zahl der Teilnehmer in den zurückliegenden Jahren gewachsen ist. In einem Buch des Jesuiten Johannes Müller von 1671 (Reprint 1996) hatte er die Anregung gefunden, der Hülfensberg sei wegen der Verehrung des Kreuzes Jesu auch für evangelische Christen als Pilgerstätte geeignet. "Als der Papst vor dem Heiligen Jahr 2000 zu verstärkten ökumenischen Bemühungen aufrief, haben wir 1997 die Initiative ergriffen und gemeinsam mit Vertretern der evangelischen Landeskirchen die Idee zu dem Taufgedächtnisgottesdienst entwi-ckelt", so der Franziskaner.

Bereits zum dritten Mal war eine Gruppe von diesmal 28 Pilgern aus dem 26 Kilometer entfernten Heiligenstadt zu dem Gottesdienst gekommen. Per pedes kamen auch Teilnehmer aus Arenshausen, Eschwege sowie Westhausen und Bodenrode. Auf dem Weg hinauf zum Hülfensberg beten die Pilger die Stationen des Kreuzweges. Ein Teil übernachtete in einfachen Quartieren im nahe gelegenen Bebendorf, in Geismar oder auf dem Hülfensberg, um am anderen Morgen an der Wallfahrt zum Dreifaltigkeitssonntag (Bericht nächste Ausgabe) teilzunehmen.

Nach dem Taufgedächtnisgottesdienst waren alle eingeladen, sich in ihren persönlichen Anliegen vor dem Gnadenbild des Kreuzes in der Wallfahrtskirche von einem evangelischen oder katholischen Seelsorger segnen zu lassen. Mit einem Nachtgebet am Konrad-Martin-Kreuz endete der ökumenische Pilgertag.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 14.06.2001

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