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Bistum Görlitz

War der Optimismus berechtigt?

Kleinere Katholikenzahl war Thema beim Neujahrempfang

Görlitz (mh) -Am 4. Juli wird das Bistum Görlitz sein zehnjähriges Bestehen feiern. Das ist für Bischof Rudolf Müller Anlass, Bilanz zu ziehen. "War der Optimismus, mit dem wir damals gestartet sind, berechtigt? Und ist das Schiff noch auf dem richtigen Kurs?", fragte er beim traditionellen Neujahrsempfang in Görlitz. Besondere Brisanz erhalten diese Fragen durch den kürzlich veröffentlichten deutlichen Rückgang der Katholikenzahlen, der "schon beängstigend" sei. "Wir können es manchmal spüren, dass unser kleines Schiff belächelt wird." Das sei keine neue Erfahrung. Schon vor zehn Jahren hätten Skeptiker die Lebensfähigkeit eines so kleinen Bistums angezweifelt.

Bischof Müller erinnerte in diesem Zusammenhang an die "Mutmacher" von damals, allen voran Papst Johannes Paul II. Im Namen der Bischofskonferenz habe deren Vorsitzender, Kardinal Karl Lehmann, bei der Bistumsgründung öffentlich versprochen, "dass wir Ihr Bistum als Kleinod betrachten und Sie nach Kräften unterstützen wollen".

Auch angesichts der veränderten Situation sei es Aufgabe der Kirche, sich selbst geistlich zu erneuern und einen Neuaufbruch in der Evangelisation zu wagen, unterstrich Müller. "Wollen wir uns weiter zerstreuen lassen oder wollen wir die Botschaft des Glaubens allen Menschen als Alternative anbieten?"

In den verschiedenen Grußworten gab es unter anderem einen Ausblick auf wichtige Ereignisse des gerade begonnenen Jahres. Dompropst Peter C. Birkner nannte beispielsweise die 500-Jahr-Feier der Görlitzer Passionsdarstellung, des so genannten Heiligen Grabes. Sie solle in ökumenischer Ausgewogenheit zu einem gemeinsamen christlichen Ereignis werden. Mit Blick auf die Osterweiterung der Europäischen Union am 1. Mai betonte Birkner die Notwendigkeit des Brückenbauens, der sich besonders Bischof Müller und sein Vorgänger, Altbischof Bernhard Huhn, immer wieder gestellt hätten. Angesichts zu erwartender "heftiger Geburtswehen" müssten Christen und Kirchen sich im Sinne des Brückenbauens um ein gegenseitiges Kennenlernen bemühen, "damit Vertrauen zwischen Polen und Deutschen wachsen kann". Birkner erinnerte in diesem Zusammenhang an einen Vorschlag des gemeinsamen deutsch-polnischen Pfarrerkonventes von Görlitz und Zgorzelec, wonach an allen Kirchen der Stadt zweisprachige Tafeln mit dem Namen der Kirche, ihrer Bedeutung und Geschichte angebracht werden sollten.

Eine andere Gelegenheit zum Brückenbauen erwähnte Prälat Jan Myzek aus Zgorzelec. Zu den Feiern im Rahmen des diesjährigen Bonifatiusjahres in der polnischen Zwillingsstadt lud er die Katholiken aus Görlitz ein.

Dass die Kirchen besonders im sozialen Bereich ein verlässlicher Partner seien, dafür dankte Oberbürgermeister Rolf Karbaum. "Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren des städtischen Lebens." Auch der Oberbürgermeister lobte die von den Kirchen schon praktizierte Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen. "Sie helfen damit Vorurteile abzubauen und Gemeinsamkeiten zu entwickeln." Mit Blick auf die gemeinsame Bewerbung von Görlitz und Zgorzelec als "Kulturhauptstadt Europas" 2010 sei das Zusammenwirken aller notwendig.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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