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Aus der Region

Ein Abiturient will sich taufen lassen

Erwachsene Taufbewerber - ein Beispiel aus Dessau

Taufgespräch

Dessau -"Vor drei Jahren habe ich mal eine zweistündige Radtour mit meinem früheren Sportlehrer gemacht. Mit ihm konnte man sich richtig gut unterhalten. Wir sind unterwegs auf alles Mögliche gekommen, auch auf Fragen nach dem Sinn des Lebens. Und in dem er von seinem Glauben an Gott erzählte, wurde mir auf einmal klar: Es gibt etwas, das jenseits dieser Welt ist. Es gibt Gott. Und es lohnt deshalb, Christ zu werden."

Lars Schulenburg ist 19 Jahre alt. Wenn alles gut geht, wird er im Sommer am Dessauer Liborius-Gymnasium das Abitur machen. Später will der junge Dessauer als Journalist arbeiten. Und: Lars will sich zu Ostern taufen lassen, denn er will Christ werden. In der Adventszeit ist er bei einem Abendgottesdienst mit drei weiteren Nichtchristen von Propst Gerhard Nachtwei in den Kreis der Taufbewerber aufgenommen und als Zeichen dafür mit einer Bibel und einer Kerze beschenkt worden. Bereits seit September nimmt er an einem vom Propst angebotenen Kreis für am Glauben Interessierte teil -ein Angebot, das der junge Mann durchaus schätzt: "Es ist schön zu hören, wie es anderen auf dem Weg zum Glauben ergeht. Und es ist gut, selbst vor anderen aussprechen, dass man an Gott glaubt", sagt der Abiturient.

Lars Schulfreund Konrad Meyer ist von Kindheit an katholisch und hat ihn schon vor drei Jahren mit zur katholischen Jugend genommen. Hier lernte Lars seitdem die Gemeinschaft in der katholischen Jugendgruppe schätzen, nimmt an den wöchentlichen Jugendstunden teil, war schon bei Jugendurlauben mit dabei. Mit anderen Christen in Kontakt kommt Lars auch am katholischen Liborius-Gymnasium. Einmal im Monat sind die Schüler zu einem Pausengebet eingeladen, es gibt den Schuljahresabschlussgottesdienst ...

"Damit Menschen zum Glauben finden, ist es wichtig, dass wir als Christen unseren ungetauften Mitmenschen ganz offen und partnerschaftlich gegenübertreten", sagt der Dessauer Propst Gerhard Nachtwei, der zugleich Beauftragter für das Erwachsenenkatechumenat im Bistum ist. "Wenn wir dann in entsprechenden Situationen unaufdringlich, aber klar, offen und ehrlich von unserem Glauben sprechen, kann es sein, dass dem anderen etwas aufgeht, was für ihn und sein Leben bedeutsam ist", so der Propst. "Schließlich lebt jeder von uns von einer Wirklichkeit, die ihm gegeben wurde. Das gilt gerade und nicht zuletzt für den Glauben."

Eine Frau, so Nachtwei weiter, habe ihm mal enttäuscht von der Kirche gesagt: "Die Gemeinden sind oft wie Selbsthilfegruppen." "Ich denke", so Nachtwei, "Gemeinden dürfen das durchaus sein. Denn wenn einem die Gemeinde nicht hilft zu leben, wird es kaum den Wunsch geben, andere einzuladen. Kritisch wird es allerdings, wenn die Gemeindemitglieder nur um sich selbst kreisen." Propst Nachtwei: "Bevor eine Gemeinde ungetauften Menschen Angebote machen kann, muss sich jeder fragen: Beschäftige ich mich als einzelner Christ mit mir selbst oder bin ich offen für die Anliegen und die Situation der Mitmenschen?"

Im Blick auf das Anliegen des Pastoralen Zukunftsgespräches, zu einer missionarischen Kirche zu werden, warnt der Propst vor der Auffassung, eine ausgefeilte Managementstrategie könnte helfen, viele Menschen für den Glauben zu gewinnen. "Aber", so der Propst, "wir haben die Aufgabe, Menschen von unserer Hoffnung zu erzählen, ihnen den Glauben anzubieten. Vielleicht", gibt Nachtwei zu bedenken, "müsste sich jeder Christ vornehmen, vielleicht jeweils ein Jahr einen ungetauften Mitmenschen bewusst im Gebet und Gespräch zu begleiten ..."

Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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