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Bistum Magdeburg

Jesus: Obdachlos auf der Straße geboren

Klostermansfeld: Firmanden bauten eine Krippe

Machten sich über die Geburt Jesu heute Gedanken: Firmbewerber und Mütter aus Klostermannsfeld.

Klostermansfeld (tdh) ˆ Wo würde Jesus heute geboren und was fände er vor? Dieser Frage stellten sich im Herbst vergangenen Jahres die Firmbewerber der Gemeinde "St. Joseph" in Klostermansfeld. Ihre Antwort: Jesus würde heute vermutlich obdachlos auf der Straße zur Welt kommen. Wie schon vor 2000 Jahren würden seine Eltern und er auch heute vor den Türen abgewiesen.

Diese Erkenntniss wollten die jungen Leute der gesamten Gemeinde nahe bringen. Und beschlossen, eine besondere Krippe zu bauen: Als Kulisse haben wir eine Hausfassade gestaltet, die auf eher wohlhabende Bewohner schließen lässt, so die Jugendlichen. In dem Haus sind die Vorbereitungen auf Weihnachten auf Hochtouren. Fraglich sei allerdings, ob die Bewohner überhaupt noch wissen, was sie feiern. Denn der schon seit den ersten Adventstagen erleuchtete Weihnachtbaum im Wohnzimmer des Hauses sei ein Indiz, dass die Bewohner vermutlich keinerlei Verständnis für den Advent als Zeit der Vorbereitung und des Wartens haben.

"Vor dem Haus", so die Jungendlichen, "tummeln sich Menschen, die heute nicht selten am Rand der Gesellschaft zu finden sind: Ein Mann im Rollstuhl mit seinem Enkelkind, ein betrunkener Jugendlicher, der seinen Weihnachtsfrust im Alkohol ertränkt hat, und ein Bettler. Auf dem Balkon stehen zwei Bewohner des Hauses, die das Geschehen ziemlich unbeteiligt, aber doch neugierig beobachten.

Maria und Josef sitzen vor dem Haus im Schnee und betrachten ihr neugeborenes Kind. "Ließe man nun noch Könige auftreten, so kämen heute vielleicht eine alte Frau, die angesichts ihrer Erinnerungen an die Vertreibung aus der Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg dem Kind etwas zum Anziehen bringen würde; zudem eine junge Frau mit etwas zum Essen und ein kleines Mädchen mit Spielsachen für das Neugeborene", so die Jugendlichen.

Den Anstoß zu dieser Art der Krippendarstellung gaben zwei Frauen aus Klostermansfeld, die auch die Bastelarbeiten begleiteten. Aus Drahtgestell, Watte, Mullbinden und Holz für die Hände, Füße und Köpfe nahmen die Figuren Gestalt an. Selbst die Kleidung wurde von den Jugendlichen an der Nähmaschine maßgeschneidert. Zwei Jungen bauten mit zwei Großvätern das Haus, das bereits am ersten Adventssonntag in der Kirche stand und sofort für Gesprächsstoff in der Gemeinde sorgte. Jeden Adventssonntag wurde die Darstellung durch Figuren ergänzt. So konnte die Gemeinde den Krippenaufbau verfolgen.

Pfarrer Karl-Christoph Werner holte in seinen Predigten das Geschehen von vor 2000 Jahren ins Heute . Das war nicht zuletzt auch deshalb notwendig, weil die Krippendarstellung sowohl Kritik als auch Zustimmung hervorrief.

Zunächst kann die Krippe noch bis Ende Januar in der Pfarrkirche St. Joseph in Klostermansfeld, Chausseestraße 16, bestaunt werden. Danach wird sie abgebaut. Doch es ist geplant, die Figuren für die Gestaltung der Ereignisse von Karfreitag bis Ostern zu verwenden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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