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Bistum Görlitz

Entlastung für pflegende Angehörige

Hoyerswerda: Betreuungsgruppe für Demenzkranke

Spielerisch Vertrauen fassen: Helga Bährend (rechts) besucht mit ihrer Mutter Johanna Scharnow (Mitte) zum ersten Mal die Betreuungsgruppe von Sozialarbeiterin Anja Kober (links).

Hoyerswerda (mim) ˆ "Zum ersten Mal seit vielen Jahren bin ich mit meiner Mutter wieder so unter Menschen", sagt Helga Bährend (64) ein wenig gerührt. "In Zukunft möchte ich dieses Angebot immer in Anspruch nehmen. Und vielleicht habe ich dann auch wirklich bald einfach mal wieder ein paar Stunden für mich ganz allein."

Seit über sechs Jahren pflegt Helga Bährend ihre demente Mutter nun schon in ihrer Wohnung ˆ und die Krankheit schreitet bei der 90-Jährigen unaufhörlich weiter voran. Als Erste hat Helga Bährend daher das neue Zusatzangebot der Caritas Sozialstation in Hoyerswerda in Anspruch genommen.

Seit Anfang Dezember trifft sich dort 14-tägig (immer donnerstags) die Betreuungsgruppe für Demenzerkrankte. Diplom- Sozialarbeiterin Anja Kober leitet diese Gruppe. Die Betreuungsgruppe für Demenzerkrankte hat gleich zwei Absichten: Zum einen können pflegende Angehörige Demenzerkrankte für drei Stunden in die betreute Gruppe geben, um selbst einmal wieder etwas Luft und Freizeit zu haben. Die Demenzerkrankten wiederum kommen aus ihrem alltäglichen Umfeld heraus und können vielleicht sogar neue soziale Kontakte knüpfen ˆ das fördert ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität.

Vorhergehende Beratungsgespräche

"Die Gruppe ist ein öffentliches Angebot für jeden, der an einer Form der Demenzerkrankung leidet", erklärt Anja Kober. "Denn Demenzkranke untereinander verstehen sich in einer Gruppe immer besser." Jeder Donnerstag beginnt mit gemeinsamem Kaffeetrinken, denn: "Gewisse Rituale sind für die Erkrankten von enormer Bedeutung", weiß die Sozialarbeiterin. Im Anschluss bleibt viel Zeit für Gespräche und leichte Beschäftigungsangebote.

"Da es den Angehörigen am Anfang oft schwer fällt, ihre Eltern, Ehepartner oder Freunde allein in die Gruppe zu geben, bieten wir Gespräche an oder die Angehörigen bleiben beim ersten Mal einige Stunden hier", sagt Anja Kober. Besonders die Vergangenheit des Erkrankten spielt in diesen Gesprächen eine Rolle, damit die Gruppenbetreuer ganz individuell auf jeden Demenzerkrankten eingehen können.

Zwei Haupt- sowie zwei Ehrenamtliche gehören zum Team. "Wir wollen abwarten, wie die Resonanz ist", sagt Anja Kober. "Vielleicht werden wir die Betreuung demnächst auch wöchentlich anbieten und benötigen dann auch dementsprechend mehr Ehrenamtliche."

Dass der Bedarf an einer solchen Betreuungsgruppe für Demenzerkrankte da ist, ist jedoch jetzt schon gewiss. "Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Dabei wird der Großteil Zuhause von Angehörigen gepflegt. Eine zeitweise Entlastung der Angehörigen durch derartige Betreuungsgruppen ist also enorm wichtig", sagt Kober.

Die Gruppe für Demenzkranke trifft sich das nächste Mal am:
Donnerstag, 22. Januar von 14 bis 17 Uhr, Caritas-Kreisstelle Hoyerswerda, Ludwig-van-Beethovenstraße 26, Tel. (0 35 71) 97 92 56. Für die Betreuung wird eine Stundenpauschale von 6,50 Euro erhoben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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