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Bistum Dresden-Meißen

Glaube muss erfahrbar sein

Georg Grieger leitete fast 50 Jahre die Kirchenmusik in Königsbrück

Verabschiedet: Georg Grieger

Königsbrück ˆ Selbst heute ist das Feiern eines Jubiläums zusammen mit der Verabschiedung aus einem aktiven ehrenamtlichen Dienst selten. Zwar diskutieren insbesondere Politiker leidenschaftlich über die Verschiebung des Renteneintrittsalters nach hinten, aber wo existieren schon reale Beispiele dafür?

Fast scheint es, als ob Georg Grieger seiner Zeit zwar im übertragenen, dafür aber im positiven Sinne weit voraus ist. Kürzlich feierte er mit seiner Gemeinde in Königsbrück seinen 80. Geburtstag und die Verabschiedung aus seinem ehrenamtlichen Dienst für die Kirchenmusik.

Antriebsmotor für Georg Griegers aktives Handeln über all die Jahre war immer die große Liebe zum Musizieren. Selbst wenn jemand nur wenige Stunden mit ihm zusammen arbeitete, wurde diese Liebe als spürbar, ja als greifbar nahe empfunden.

Darüber hinaus war Grieger ein ambitionierter Kirchenmusiker. Wer kann schon ermessen, wie viel Gottvertrauen, Zuversicht und Engagement notwendig sind, um fast 50 Jahre Sonntag für Sonntag und an den großen Feiertagen in der Kirche die Orgel zu spielen? Was für Überwindungen mag es wohl manches Mal gekostet haben, wöchentlich mit dem Kirchenchor zu üben, alle Mitglieder immer wieder vom Sinn einer stilvollen Musik zu überzeugen und außerdem Chorauftritte zu organisieren und zu leiten? Man nimmt es ihm hundertprozentig ab, wenn er zu seiner Motivation selber sagt: "Ich stellte mir stets die Aufgabe, das Wort Gottes in unserer Welt so zum Klingen zu bringen, dass die heilende Wirkung der göttlichen Worte in den Herzen der Menschen tatsächlich ankommt." Und dem Kirchenchor hat er ins Stammbuch geschrieben: "Man muss beim Singen unbedingt spüren, ob da nur etwas heruntergesungen wird, oder ob die Leute an das glauben, was sie singen."

Georg Grieger ist Jahrgang 1923 und hat schon in seiner schlesischen Heimat in der Kirche die Orgel gespielt. Nach dem Krieg und der Rückkehr aus russischer Gefangenschaft begann er in Cosel als Neulehrer und gehörte zur katholischen Pfarrei "Kreuzerhöhung" Königsbrück. Damals war Pfarrer Hermann Essel Seelsorger dieser Pfarrei, eine auch von ihm hoch geschätzte Persönlichkeit. Auf Drängen von Pfarrer Essel hat sich Georg Grieger dann im Jahr 1955 bereit erklärt, ehrenamtlich den gesamten Kantorendienst in Königsbrück zu übernehmen. Heute, nach fast 50-jähriger Erfahrung sagt er selbst dazu: "Diese Bürde war mitunter riesig schwer, sie war aber auch süß."

Insbesondere zu tiefsten DDR-Zeiten war es vor allem sein Verdienst, dass der Chor nicht nur als Singegemeinschaft funktionierte, sondern die Übungsabende auch ein Forum darstellten, wo man sich mit seinesgleichen unterhalten und den Frust des Alltags abladen konnte. Im Jahr 2000 hat ihn dann der "Cäcilienverband für Deutschland" (ACV) für über 40-jährige Mitgliedschaft im Kirchenchor mit der "Goldenen Nadel des ACV" geehrt.

Jetzt ist es nach manch überstandener Krankheit an der Zeit, etwas kürzer zu treten. Allerdings kann sich im Moment noch niemand vorstellen, dass Georg Grieger nicht als Organist oder Chorleiter in der Kirche ist, sondern als Zuhörer und Gemeindemitglied im Kirchenschiff sitzt. Chor und Gemeinde verabschieden sich nur ungern: Sie wünschen dem langjährigen Kantor, dass die Liebe zum Musizieren nie vergeht und sich die altersbedingten Beschwerden in Grenzen halten. Zwar mit einem weinenden Auge, aber von ganzem Herzen sagt die Gemeinde Dankeschön und "VergeltŒs Gott" für die treue Arbeit in Königsbrück.

Johannes Miosga / tdh

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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