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Bistum Magdeburg

Allen Menschen Hoffnung geben

Zum Liturgie-Papier des Pastoralen Zukunftsgesprächs in Magdeburg

Vikar Matthias Hamann "Die Gemeinden müssen sich auf Zeiten ohne eigenen Priester einstellen."

Im Februar sollen die Beschlüsse des Pastoralen Zukunftsgesprächs (PZG) im Bistum Magdeburg durch Bischof Leo Nowak in Kraft gesetzt werden. Sechs von neun Dokumenten sind bereits von der Bistumsversammlung verabschiedet worden. Eine der Vorlagen ist das Liturgie-Papier "Das Leben feiern". Es hat über die Bistumsgrenzen hinweg Beachtung gefunden. Der TAG DES HERRN sprach mit Vikar Matthias Hamann, der an der Theologischen Fakultät Erfurt promoviert und mit dem emeritierten Erfurter Liturgiker Franz Schneider den Text maßgeblich erarbeitet hat.

Herr Vikar Hamann, die von Ihnen geleitete PZG-Arbeitsgruppe Liturgie hat ein Papier vorgelegt, das für die nächsten Jahre richtungsweisend sein soll. Was empfiehlt das Liturgie-Dokument den Gemeinden?
Im Prozess des Pastoralen Zukunftsgesprächs ist deutlich geworden, dass wir als Kirche den Auftrag haben, allen Menschen Anteil an unserer christlichen Hoffnung anzubieten. Christen wie Nichtchristen suchen nach Deutung ihrer Lebenserfahrungen, was besonders in Krisen deutlich wird. In der Liturgie wird uns von Gott her Hoffnung und Sinn geschenkt. Unser Anliegen muss es sein, Liturgie so zu gestalten, dass Gottes Wort und Handeln bei den Menschen inner- und außerhalb der Kirche ankommt.
Das Dokument listet vorbehaltlos Stärken und Schwächen der Liturgiepraxis auf ...
Jeder Gottesdienst ist Lob Gottes und dankbares Gedächtnis seines machtvollen Handelns an den Menschen ö besonders in Jesus Christus. Wenn es gelingt, dies im Gottesdienst durch Wort und Zeichen erfahrbar werden zu lassen, ist Liturgie lebensnah und lebendig. Die Zusammenstellung der Stärken und Schwächen basiert fast ausnahmslos auf den PZG-Eingaben aus den Gemeinden. Da wird etwa ein Symbol- und Ritenreichtum festgestellt, zugleich aber beklagt, dass der Mitvollzug dieser nicht mehr jedem Gemeindemitglied gelingt und dass die Gebetssprache im Gottesdienst der heutigen Rede von Gott und vom Menschen nicht mehr gerecht wird. Zudem werde nicht selten die Chance vertan, Menschen über Gemeindegrenzen hinweg einzuladen. Hier ist ein großes Aufgabenfeld.
Was empfiehlt das Dokument?
Die Bistumsversammlung legt den Gemeinden nahe, an der Feier des Sonntages unbedingt festzuhalten. Dabei werden sich die Gläubigen stärker als bisher darum mühen müssen, dass sich in der Eucharistiefeier die vielgestaltige Zusammensetzung der Gemeinde widerspiegelt, was zu einer größeren Farbigkeit, Lebendigkeit und Vertiefung der geistlichen Dimension beitragen wird. Darüber hinaus gilt es, andere Gottesdienstformen wie Segensfeiern wieder zu entdecken und neue Rituale zu entwickeln und anzubieten, in denen Lebenssituationen von Menschen innerund außerhalb der Kirche vor Gott gebracht werden. Als Beispiel seien hier die Feiern der Lebenswende oder die Segnungsfeiern am Valentinstag genannt. Bei der Gestaltung können Liturgiekreise in den Gemeinden sehr hilfreich sein.
Das Liturgie-Dokument legt den Gemeinden in unseren Breiten erstmals die so genannten Wort-Gottes-Feiern ans Herz ...
Wo ein Priester ist, wird die Gemeinde am Sonntag Eucharistie feiern. Ist eine Pfarrei ohne Priester, sollen die Gläubigen zu einer Wort-Gottes- Feier zusammenkommen. So wird deutlich: Gott ist in seinem Wort gegenwärtig. Und: Wir können die Eucharistie nicht feiern, weil ein Priester fehlt. Das Aushalten dieses Mangels kann die Bedeutung der Eucharistiefeier stärken.
In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden Stationsgottesdienste mit Kommunionausteilung gehalten ...
Diese sind in der Diasporasituation der DDR-Kirche für die so genannten Außenstationen entstanden. Die Situation ist aber zunehmend anders: Die Außenstationen gehörten zu Pfarreien. Heute und noch mehr in nächster Zeit werden sogar Pfarreien ohne Pfarrer bleiben müssen. Deshalb ist es nötig, dass sich Gemeinden, die heute noch einen Priester haben, auf diese Situation vorbereiten.
Warum sagt das Dokument zum Beispiel nichts zu ökumenischen Gottesdiensten?
Das Papier musste überschaubar bleiben. Es gibt aber entsprechende Aussagen im Ökumene-Dokument des PZG. Wir haben der Eingliederung von Menschen in die Kirche (Katechumenat) und dem Komplex "Sensibilität für Zeiten und Gegebenheiten, in denen Menschen nach Deutung und ritueller Gestaltung suchen" Schwerpunkte eingeräumt. Aber es hätte noch viel mehr etwa über die Feier anderer Sakramente gesagt werden können. Ich erwarte dennoch, dass das Dokument in den Gemeinden Liturgie neu ins Gespräch bringt und daraus auch praktische Konsequenzen etwa für die Ökumene erwachsen.

Interview: Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 1 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.01.2004

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