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Bistum Görlitz

"Die Insel" wird zum neuen Paradies

Caritas übernimmt die Trägerschaft eines Jugendzentrums in Lübben

Das Team: Susanne Nomine, Ivonne Lindemann, Monika Brunkhorst, Eileen Löbens, Carola Hanschke und Nancy Schrab (von links) -nicht auf dem Bild Sebastian Philipp.

Lübben -"Manchmal wünschte ich, ich wäre auf einer Insel" -In Lübben hat dieser Satz seit Anfang des Jahres eine neue Bedeutung bekommen. Dort füllt sich "Die Insel" langsam wieder mit Leben, wird fester Treffpunkt für Kinder- und Jugendliche und entwickelt sich stetig zu einem kleinen Paradies, in dem sich viele junge Menschen wie Zuhause fühlen. Die Lübbener Insel ist ein Jugendzentrum, das vor einigen Jahren geschlossen werden musste. Seit Januar hat nun der Caritas-Verband der Diözese Görlitz die Trägerschaft der Insel übernommen.

Bandbreite an Angeboten, Projekten und Beratung

Das siebenköpfige Team aus Sozialarbeitern hat sich viel vorgenommen, um die Jugendarbeit in der Spreewaldstadt wieder anzukurbeln: "Lübben ist stark auf Tourismus ausgerichtet, aber für die Kinder und Jugendlichen der Stadt gibt es keine Angebote", sagt Susanne Nomine (42), Leiterin der Insel und Mitarbeiterin der Caritas-Kreisstelle in Lübben. "Wir wollen die jungen Menschen wieder integrieren, Anlaufstelle für sie sein und sinnvolle Freizeitgestaltung bieten."

Allgemein richten sich die Angebote der Insel an Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 25 Jahren und sind bewusst niederschwellig angelegt. "Sitzund Spielmöglichkeiten sowohl im Außengelände als auch in unserem Jugendcafé mit Billardtisch laden ohne jede Verbindlichkeit dazu ein, die Einrichtung zu betreten, andere Besucher zu treffen, Musik zu hören oder gemeinsam zu spielen", erklärt Diplom- Sozialarbeiterin Ivonne Lindemann (28).

Neben dieser so genannten "offenen Kinder- und Jugendarbeit" sind im Konzept noch weitere Unterbereiche vorgesehen: So könnten in Zukunft zusätzlich zu bereits bestehenden Sportund Spielgruppen auch Computer-, Tanz-, Modellbau- und Bastelgruppen statt finden. Aber auch die Beratung soll in der Insel nicht zu kurz kommen. "Im Moment ergibt sich eine Art Beratung eher aus Gesprächen heraus", sagt Sozialarbeiterin Carola Hanschke (26). "Noch stehen wir mit unserer Arbeit am Anfang. Da wollen wir unsere Besucher nicht gleich überfallen, sondern sie erst einmal ankommen lassen und ganz allmählich eine Vertrauensbasis aufbauen." Für die Zukunft sei aber eine regelmäßige Beratung zu Jugendthemen, wie etwa Streit mit den Eltern angedacht, so die Sozialarbeiterin. "Und dann sind wir auch Vermittler zwischen den jungen Leuten und speziellen Beratungsstellen."

Vermittlerin soll auch eine so genannte Streetworkerin sein -eine Sozialarbeiterin, die ausgehend von der Insel Jugendliche in der Öffentlichkeit und an Treffpunkten auf der Straße aufsucht. "Alle Jugendlichen von Lübbens Straßen in die Insel zu bringen ist jedoch unrealistisch", sagt Ivonne Lindemann. "Viel mehr geht es darum, für sie Dolmetscher in der Öffentlichkeit zu sein, sei es bei Beratungsfällen oder Polizeiproblemen." So wünscht sich Leiterin Susanne Nomine durch die Insel wieder eine Lobby für Jugendliche zu schaffen, so dass eines Tages eventuell auch Erwachsene das Jugendzentrum als Anlaufstelle sehen, um für junge Menschen der Stadt etwas zu tun.

Derzeit sind es noch überwiegend die Jugendlichen, die ins Jugendzentrum hinein schnuppern. "Die Arbeit ist gut angelaufen in den bisherigen zwei Monaten und es haben sich sogar schon feste Gruppen gebildet, die regelmäßig zu uns kommen", sagt Carola Hanschke.

Einer von ihnen ist Chris Waltereit: Nach seiner Ausbildung schlitterte der 21-Jährige gleich in die Arbeitslosigkeit. "Hier gibt es einfach nichts für junge Leute. Die einzige Chance ist wegzuziehen", sagt er frustriert. "Auch die Stadt macht nichts für uns. Das ist einfach Langeweile pur. Und dann regen sie sich auf, dass wir auf der Straße sitzen." Seit die Insel wieder eröffnet ist haben Chris und seine Freunde immerhin hier einen kleinen Beschäftigungsbereich gefunden. Derzeit basteln sie gemeinsam an einem der etwa zehn kleinen Räume in der Insel, die für Jugendgruppen zur Verfügung stehen. Ihren Raum nennen sie den "Dark Room" -Dunkler Raum. "In Absprache mit den Sozialarbeiterinnen dürfen wir einen Raum nach unseren Wünschen gestalten", sagt Chris. "Dann treffen wir uns hier jeden Tag nach der Schule und spielen Videospiele. Das ist immerhin besser als allein Zuhause zu sitzen oder Blödsinn zu bauen."

Das Team des Jugendzentrums hofft, dass mit der Zeit immer mehr Jugendliche die Insel für sich entdecken. "Das Schönste ist, wenn Lübbens Kinder und Jugendliche auf der Insel das Gefühl bekommen, sinnvoll ihre Freizeit zu verbringen und sie auch zu ihren Freunden sagen ,da geh' ich gern hin'", wünscht sich Leiterin Susanne Nomine.

Offizielle Einweihung für Anfang Mai geplant

Bereits in zwei Monaten werden erste Ergebnisse der neuen Lübbener Jugendarbeit unter Trägerschaft der Caritas erkennbar werden: Denn am 5. Mai findet die offizielle Einweihung der Insel mit erstem Resümee statt -"Wenn die Arbeit genügend Anlaufzeit hatte, Jugendliche in die Feierlichkeiten integriert werden können und hoffentlich auch das Wetter gut mitspielt", sagt Susanne Nomine schmunzelnd.

Michaela Mürmann




CARITAS UND JUGENDARBEIT

Die Kinder- und Jugendarbeit ist einer der wichtigsten Schwerpunkte des Caritasverbandes der Diözese Görlitz. In einem 1997 verfassten Beschluss des Caritasrates -ein innerverbandliches Gremium -heißt es dazu: "Der Diözesancaritasverband soll seine Arbeit im Bereich der Jugendhilfe verstärken. Die gegenwärtige Situation macht insbesondere Projekte notwendig, in denen Jugendliche lernen und ermutigt werden, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden." Um die Arbeit der verschiedenen Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit im Bistum untereinander noch besser zu vernetzen wurde kürzlich ein Arbeitskreis "Offene Kinder- und Jugendarbeit" gegründet. Dem Kreis gehören Mitarbeiter der Caritas-Jugendeinrichtungen in Hoyerswerda, Peitz und Lübben an, sowie der Cottbuser Jugendtreff 111 und das Jugendhaus der Pfarrei Hoyerswerda. Besonders der Erfahrungsaustausch, aber auch Fort- und Weiterbildung stehen im Mittelpunkt der regelmäßigen Treffen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.03.2004

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