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Auf zwei Minuten

Geistlicher Putz im Frühjahr

Die Wochen vor Ostern sind eine gute Gelegenheit, bei sich selbst einen inneren Hausputz zu halten

Pater Damian

Manche Hausfrauen -auch wenn sie regelmäßig die Wohnung sauber halten -führen im Frühjahr den großen Hausputz durch: Es wird sorgfältiger abgestaubt, die Fenster werden gründlicher geputzt, manchmal auch die Möbel verrückt. Wahrscheinlich ist den Jüngeren dies vertrauter: Wer einen PC hat, weiß, dass man das System pflegen muss. Die Festplatte wird auf Fehler überprüft und gegen Datenverlust gesichert, und durch Defragmentieren wird die Festplatte reorganisiert und zusammenhängende Datenduster werden nacheinander abgelegt.

Die Wochen vor Ostern, die österliche Bußzeit, ist eine gute Gelegenheit, bei sich selbst einen inneren Hausputz zu halten: Aufräumen und Ordnung schaffen, Überflüssiges und Hinderliches hinauswerfen, sich neu ausrichten, Kurskorrekturen vornehmen nach neuen Prioritäten. Frei und gelassen werden durch neues Denken und Handeln. Das Schott-Messbuch beschreibt sehr gut den Sinn dieser Tage: "Fastenzeit heißt nicht nur, weniger essen und trinken, überhaupt weniger für sich selbst fordern und verbrauchen. Der Sinn: Der ganze Mensch soll frei und gesund werden; sich selbst wiederfinden; das einüben und verwirklichen, was wir durch die Taufe geworden sind: Der neue Mensch, in dem Christus sichtbar wird. Das Gesetz Christi: nicht fordern, sondern schenken; loslassen und wie durch den Tod hindurch das neue, größere Leben gewinnen."

So ein geistlicher Hausputz ist zunächst schwere Arbeit und erfordert große Anstrengung. Bei der Neueinrichtung einer Wohnung geht es ähnlich zu: Die alten Möbel auf den Sperrmüll zu schaffen, die neuen aufzustellen, Bilder aufzuhängen, Teppiche zu verlegen, all das kann schweißtreibend sein. Aber hier kann man sich dann über den Erfolg, nämlich eine schöne Wohnung mit neuen Möbeln, freuen. Unsere Anstrengungen, unser Leben zu verändern, schlechte Gewohnheiten abzulegen und "eingefleischte" Sünden zu vermeiden, laufen oft ins Leere. Wir sind einfach überfordert und schaffen es nicht, den geistlichen Müll in uns auszukehren.

Kann aber Gott etwas anfangen mit unseren Fehlern und Sünden? Sieht er Müll und Abfall in uns mit anderen Augen? Kann er ihn vielleicht doch noch zu unserem Guten verwenden? Johannes Tauler OP, einer der großen Mystiker des Mittelalters, gibt in einem recht drastischen Bild Antwort auf diese Frage: ,,Das Pferd macht den Mist in dem Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Gestank an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst, die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld, daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit, edle, wonnigliche Frucht auf."

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 26.02.2004

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