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Bistum Görlitz

Erneuerung trotz Gegenwind

Aus dem Fastenbrief von Bischof Müller

Görlitz (tdh) -Zu Besinnung und geistlicher Erneuerung ruft Bischof Rudolf Müller in seinem Hirtenwort zur österlichen Bußzeit auf, das am ersten Fastensonntag in den Gemeinden verlesen wird. "Besinnung tut jedem von uns Not. Sie soll zu geistlicher Erneuerung führen. Doch das ist nicht nur eine Privatangelegenheit im Hinblick auf unser persönliches Heil. Wir sind Glieder der großen Gemeinschaft, die sich Kirche nennt. So tut auch der Kirche insgesamt Erneuerung Not", schreibt Müller in dem Brief.

Was aber heißt Erneuerung für die Kirche? "Erneuerung bedeutet, dass wir das Christsein weder durch Starre noch durch Anpassung verkommen lassen dürfen, sondern dass wir das Evangelium Jesu Christi im Blick auf die ,Zeichen der Zeit' als befreiende, zukunftsweisende Botschaft den Menschen von heute vorleben. Dieses Zeugnis ist gefragt", so der Bischof. Und weiter schreibt er: "Solche Erneuerung kann man weder ,machen', noch durch irgend welchen Druck erzwingen. Kirchliche Erneuerung ist immer nur zugleich mit einem geistlichen Prozess möglich. Dessen Maß heißt: Mehr Glaube, mehr Hoffnung, mehr Liebe!"

Bischof Müller geht noch einen Schritt weiter, indem er auch von Erneuerung im Bistum spricht: "Wir haben keine Zeit zu verlieren. Bloße Durchhalteparolen helfen nicht, auch keine leeren Diskussionen, wie man alles besser machen könnte. Dass die Kirche vielerorts in einer ernsten Krise steckt wird heute keiner bezweifeln." Als Beispiele nennt er die geringe Zahl der Taufen und kirchlichen Trauungen, immer weniger Gottesdienstbesucher, Kirchenaustritte und zudem der wirtschaftlich bedingte Wegzug vieler Menschen aus der Region. "Aber wir können auch feststellen, dass es heute wieder vermehrt Suchende und Fragende gibt", so Müller und er betont: "Es gibt für die Kirche keinen Grund zur Resignation. Sie befindet sich mitten in einem geschichtlichen Gestaltwandel (...). Als Kirche müssen wir uns der Not der Menschen und ihren kritischen Aufgaben stellen, müssen uns ihren Fragen und Problemen aussetzen, den Wind ins Gesicht blasen lassen. Das macht uns zur Kirche im Sinne Christi."

Der Fastenbrief schließt mit dem Aufruf: "Befreien wir uns von aller lauen Bequemlichkeit. Billiger ist kirchliche Erneuerung nicht zu haben. "

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 26.02.2004

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