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Bistum Magdeburg

Ein Tag voller Aufbrucherfahrungen

Neugetauftentag in Helfta

Im Mai fand in Helfta ein Treffen der erwachsenen Neugetauften des Bistums Magdeburg statt. Dazu der folgende Gastbeitrag:

Eingeladen waren die Tauf-Jahrgänge 1999 und 2000. Der Einladung waren 35 Personen gefolgt: Neugetaufte, auch Konvertiten und Revertiten - die als Erwachsene erst zum Glauben gefunden haben, das heißt, als Kinder nur getauft worden sind - mit Taufpaten und Partnern. Gestaltet wurde der Tag von der Arbeitsgruppe Erwachsenenkatechumenat im Bistum Magdeburg unter Leitung von Pfarrer Dr. Gerhard Nachtwei aus Burg.

Pfarrer Christian Vornewald aus Genthin leitete den Tag meditativ ein mit dem Gebet der liebenden Aufmerksamkeit. Zwar wurde die Stille etwas beeinträchtigt durch den gleichzeitig stattfindenden Volkswandertag mit über 4000 Teilnehmern; doch gleichzeitig war dadurch auch die Nähe zur konkreten Umgebung unseres Glaubens immer spürbar. Der Schwerpunkt des Tages lag auf den Begegnungen in Kleingruppen, die von Pfarrer Nachtwei, Pfarrer Vornewald, Pater Josef-Maria Merkl aus Dessau und Gemeindereferentin Erika Günther aus Mieste moderiert wurden. In ihnen geschah ein intensiver persönlicher Austausch über Erfahrungen, die die Neugetauften auf dem Weg zur Taufe und in der Zeit danach gemacht haben.

Auf die Frage, was sich durch die Taufe für sie geändert habe, gab es ermutigende Antworten: "Ich habe im Familienkreis und in der Gemeinde die Erfahrung von Gemeinschaft gemacht, die mich trägt". "Mein Leben hat mehr Inhalt und Kraft bekommen." "Ich weiß jetzt, was Sonntag ist. Ein Sonntag ohne den Gottesdienst ist für uns kein Sonntag mehr. Der Sonntag ist uns heilig." "Im Gebet erfahre ich Ermutigung". "Mein Glaube ist lebendiger geworden". Diese Aussagen wurden immer mit ganz konkreten persönlichen Erinnerungen verbunden.

Eine Teilnehmerin etwa schilderte ihr Leben als das einer typischen DDR-Bürgerin. Sie wurde von ihren Eltern systemkonform erzogen. Als sie nach dem Tod ihres ersten Mannes einen Katholiken heiratete, stand die ganze Familie Kopf. Der Weg von einer Konfessionslosen zur gläubigen Christin sei schwer und lang. Das könne wohl nur jemand verstehen, der diesen Weg selbst gegangen ist. Und auch der könne wohl nur richtig nachvollziehen, was der Unterschied zwischen dem Leben als Ungläubige und Gläubige ist. Vorher wäre sie im Letzten immer allein gewesen. Jetzt habe sie das Gefühl, dass Gott immer bei ihr sei. Sie habe jemand, mit dem sie alles bereden kann, auf dessen Beistand sie allezeit hoffen kann. Das helfe ihr besonders bei ihrer oft nicht leichten Arbeit mit den alten und kranken Menschen.

Nach dem Mittagessen vermittelte die Äbtissin des Klosters Helfta, Assumpta Schenkl, den Teilnehmern und interessierten weiteren Gästen einen Einblick in den Neuaufbruch Klosters und die Neugestaltung der alten Klosterkirche. In einer zusammenfassenden Gesprächsrunde, bei der auch der Magdeburger Bischof Leo Nowak die Neugetauften nach ihren Erfahrungen fragte, wurde zwar davon gesprochen, dass man als Neugetaufter mit dem Unverständnis und den kritischen Fragen von Kollegen, Verwandten und Nachbarn konfrontiert wird. Aber es überwog die befreiende Erfahrung, liebevoll in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen worden zu sein und den Glauben als Kraftquelle und Bereicherung zu erleben.

Pfarrer Nachtwei regte die Teilnehmer an, mit dafür zu sorgen, dass die Gemeinden offener werden für andere, so dass sich Kontaktstellen für Begegnungen ergeben. Könnte man nicht in den Gemeinden Gruppen initiieren, die darüber nachdenken, wie man auf Ungetaufte zugehen kann? Gemeindereferentin Erika Günther beschloss die Runde mit dem Hinweis dass die Neugetauften eine Chance sind für die Zukunft der Kirche, wie man vom Glauben Zeugnis geben kann.

Zum Abschluss des Tages feierten die Teilnehmer mit Bischof Nowak, den Schwestern von Helfta und vielen Gästen des Klosters die heilige Messe. Mit den Symbolen der Kerze, des Taufwassers und des Glaubensbekenntnisses wurde die Tauferinnerung und Tauferneuerung eindrücklich gefeiert. Die Teilnehmer gingen auseinander in der Freude über den ermutigenden Austausch unter Gleichgesinnten und mit dem Wunsch, den Tag der Neugetauften zu einer regelmäßigen Einrichtung im Bistum werden zu lassen.

Michael Kauer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 07.06.2001

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