Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Görlitz

"Glaube beginnt schon im Elternhaus"

Nach Aufgaben in Polen und Italien ist Przemyslaw Krysztof Slyszko als Stadtkaplan in Görlitz tätig

Kaplan Przemyslaw Krysztof Slyszko: Seit Juli ist er in den Görlitzer Gemeinden unterwegs.

Görlitz (rs / tdh) -"Ohne Gott ist alles nichts", sagt Kaplan Przemyslaw Krysztof Slyszko, der seit dem 15. Juli vergangenen Jahres in Görlitz als Stadtkaplan tätig ist. Auf den Monat genau 36 Jahre zuvor, am 12. Juli 1967, wurde er in der schlesischen Stadt Schweidnitz (Swidnica) geboren. Aufgewachsen ist Slyszko in einer katholischen Familie. Sein Vater war Bauingenieur, seine Mutter war 43 Jahre lang Erzieherin in einem staatlichen Kindergarten, davon lange Zeit Leiterin dieser Einrichtung. Slyszko wuchs zusammen mit seiner sieben Jahre älteren Schwester auf. Wie allgemein in Polen üblich, ging er acht Jahre lang in die Grundschule. Von dort machte er eine fünfjährige Ausbildung im Technikum in Striegau (Strzegom) -eine Berufsausbildung mit Abitur, Berufsbereich Mechaniker.

Kaplansjahre in Polen, Italien und Deutschland

"Schon seit der fünften Klasse war ich Ministrant in der St. Peter und Paul-Basilika in Striegau", sagt Slyszko. "Diesen Dienst habe ich sehr gern und mit viel Freude gemacht." Fasziniert von den Priestern seiner Gemeinde und der Nachbargemeinden wurde in ihm der Wunsch laut, selbst Priester zu werden. "Ich wollte ebenso wie sie im Glauben für die Menschen da sein", sagt der Kaplan.

Es folgten fünf Jahre im Seminar in Breslau (Wroclaw), das sechste Jahr Seminar in Liegnitz (Legnice). "Anfangs hatte ich etwas Sorge vor dem Studium, weil es eine schwierige und besondere Sache ist. Aber mit Gottes Hilfe habe ich es geschafft", so Slyszko. Am 28. Mai 1994 war es dann soweit: Slyszko wurde im Liegnitzer Dom von Bischof Tadeusz Rybak zum Priester geweiht. Damit wurde er der 21. Priester, der nach dem Krieg aus seiner Heimatgemeinde hervorging. Die erste Kaplansstelle führte den Neupriester ins polnische Hirschberg (Jelenia Gora), wo er fünf Jahre lang blieb. Von dort schickte Bischof Rybak den jungen Kaplan ein Jahr lang nach Polkowice. Neben der Gemeindearbeit und der Lehrtätigkeit in einer Schule erlangte er dort sein Licenciat.

Von 1999 bis 2000 entsandte ihn der Bischof als Kaplan nach Modena, im Norden von Italien. "Als ich nach Italien kam, konnte ich kein Wort Italienisch, noch nicht einmal ,Guten Tag' auf Italienisch sagen", erinnert er sich. Das änderte sich in dem einen Jahr Gemeindearbeit in Italien jedoch grundlegend. Zurückgekehrt von dort folgte ein Jahr Kaplanstätigkeit in Bunzlau (Boleslawiec). Während dieser Zeit promovierte Slyszko an der Päpstlichen Fakultät Breslau. Das Thema der Arbeit: "Religiöse Traditionen junger Menschen im Kirchenjahr am Beispiel des katholischen Elternhauses". "Kindern schon in der Familie den Glauben an Gott näher zu bringen, das halte ich für sehr wichtig", sagt Slyszko.

Zwei weitere Jahre Kaplanstätigkeit schlossen sich in Polkowice und anderen umliegenden Gemeinden an, bis ihn dann Bischof Tadeusz Rybak zu sich rief und ihn bat, nach Görlitz zu gehen, um der Nachbardiözese auf Grund des Priestermangels auszuhelfen. "Die deutsche Sprache war mir zum Glück nicht so fremd wie zuvor die italienische", sagt er. Neben dem Deutschunterricht in der Schule verbrachte er drei Jahre lang seinen Jahresurlaub in Deutschland und vertrat einen Pfarrer in der Diözese Augsburg für jeweils vier Wochen.

Neben der Freude an seiner Gemeindearbeit blieben Slyszko aus dieser Zeit besonders die Schwäbische Alb und der Bodensee in Erinnerung. "Ich liebe das Meer und die Berge." Früher war Slyszko begeisterter Reiter, heute kommt er dazu nicht mehr. In seiner Freizeit liest er gern oder schaut sich den Sport im Fernsehen an. So dauerte es auch nicht lang, und am Pfarrhaus in Görlitz Rauschwalde wurde ein Satellitenempfänger angebracht. "Neben dem Telefon die einzige Verbindung in meine Heimat", sagt Slyszko lächelnd.

Familien sollen im Glauben zusammenwachsen

Bei seiner Arbeit als Seelsorger hat der 36-Jährige in den letzten Jahren bei den Menschen beiderseits der Neiße festgestellt: Das materielle Denken tritt mehr und mehr in den Vordergrund. "Immer weniger Menschen brauchen Gott und vertrauen auf ihn." Ein möglicher Ausweg laut Slyszko: "Familien müssen im Glauben zusammenwachsen und sich dadurch gegenseitig stärken. Das Vorbild der Eltern und gute religiöse Traditionen in den Familien sind dafür wichtige Voraussetzungen."

Wie lange Kaplan Slyszko den Görlitzer Katholiken erhalten bleibt, "das weiß nur mein Bischof", sagt der Seelsorger. "Ich bleibe gern, denn ich fühle mich hier wohl." Derzeit wohnt Slyszko im Pfarrhaus in Heilig Kreuz und unterstützt den dortigen neuen Pfarrer Alfred Hoffmann bei seinen Aufgaben in der Gemeinde. Und nebenher ergänzen sich die beiden auch noch hervorragend bei der Völkerverständigung. Schmunzelnd verrät Slyszko: "Ich lerne von Pfarrer Hoffmann, noch besser Deutsch zu sprechen, und helfe ihm, sein Polnisch zu verbessern."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 8 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 23.02.2004

Aktuelle Buchtipps