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Bistum Erfurt

Die Menschen fuer sich gewonnen

Rumaenische Kolpingfreunde trauern um Pfarrer Norbert Iffland

Im Gedenken an Norbert Iffland: Die griechisch-katholischen Priester Ovidiu Nicolae, der Kolpingpräses im Banat, Daniel Sas, und sein Vorgänger Nicolae Teodoresu (von links) beim Gottesdienst für den deutschen Pfarrer.

Temeswar -Es ist an einem Samstagmorgen um 8 Uhr. In einer kleinen Kirche im Zentrum Temeswars, einer Stadt nahe der rumänisch-ungarischen Grenze, haben sich etwa 100 Menschen zusammengefunden. Es beginnt eine Messfeier für den am 29. Januar in Heiligenstadt verstorbenen Pfarrer Norbert Iffland. Als Diözesanpräses des Kolpingwerkes Erfurt hat er das Banat viele Male selbst besucht und sich dabei in Rumänien viele Sympathien erworben. So rief die Nachricht von seinem Tod auch hier Trauer und Bestürzung hervor, zumal sie unerwartet eintraf.

Schon seit 1996 unterhält Kolping Erfurt eine Partnerschaft zum hiesigen Kolping-Regionalverband Banat, der die Messe am Samstagmorgen organisiert hat. Marius Sabau, Regionalsekretär der Organisation, erinnert sich an die Anfänge der Partnerschaft: "Von Beginn an war Präses Iffland besonders engagiert und auf regelmäßigen Besuchen des Verbandes in Rumänien mit dabei. Das letzte Mal ist er im Jahr 1999 hier gewesen, die Jahre danach konnte er dann leider nicht mehr dabei sein." Trotzdem sind die Erinnerungen bei Sabau noch lebendig: "Ich weiß noch gut, wie er uns immer mit seinem Wissen über Rumänien überrascht und beeindruckt hat. Da kannte er die Geschichte des Landes oft besser als ich selbst! Aber auch um die Zustände, in denen ein großer Teil der Rumänen heute lebt, wusste er. Das war sicher mit ein Grund für sein großes Engagement."

Über die Partnerschaft hat Kolping Erfurt beim Aufbau vieler sozialer Projekte mitgewirkt. So unterhält der rumänische Partnerverband zwei Sozialküchen für die kostenlose Essensausgabe an Obdachlose, Arme und Alte, die ohne die Finanzierung aus Deutschland nicht denkbar wären. Aber auch die Jugendarbeit, der Aufbau von Jugendgruppen nach deutschen Maßstäben, wäre nicht ohne Unterstützung möglich. Sabau erklärt: "Nicht zuletzt Norbert Iffland ist es zu verdanken, dass wir durch die ständige Hilfe heute die Möglichkeiten für solche Projekte haben." Seit Jahren schon organisiert Kolping Erfurt kurz vor Weihnachten einen Hilfstransport nach Rumänien zum Partnerverband. Vor allem Lebensmittel und Kleidung, die vor Ort an die Bedürftigen weiterverteilt werden, gehen dann auf den Weg.

Für ein Mitglied der Kolpingsfamilie Temeswar war dies ganz persönlicher Grund, an der Messe teilzunehmen: "Immer wieder bekomme ich zu Weihnachten ein Hilfspaket aus Erfurt. Jetzt habe ich einmal Gelegenheit, etwas zurückzugeben, indem ich meine Verbundenheit mit ihnen zeige.”

Der gleiche Gedanke hatte den Regionalverband veranlasst, alle 17 Kolpingsfamilien aufzurufen, um an diesem Samstag Pfarrer Norbert Iffland besonders zu gedenken. So wurden auch in teils sehr abgelegenen Orten Messen, Andachten, Kreuzwege oder Rosenkranzgebete gehalten, an denen sich viele der örtlichen Kolpingmitglieder beteiligten.

Dass die zentrale Messfeier gerade in dieser Kirche Temeswars stattfindet, begründet der ehemalige Regionalpräses Nicolae Teodorescu: "Genau hier hat Pfarrer Iffland auf seinen Besuchen mit mir schon Messe gefeiert. Welcher Ort wäre also besser als dieser geeignet, um einen Gottesdienst für ihn zu halten?"

In der Predigt erwähnt Daniel Sas, jetziger Regionalpräses, noch eine andere Eigenschaft Ifflands, der auch einige Kolpingmitglieder nach der Messe zustimmen. "Auf all seinen Besuchen hat er es durch seinen Humor immer wieder geschafft, die Menschen für sich zu gewinnen."

Björn Boerger

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 14.02.2004

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