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Bistum Görlitz

Sonnenschein im tristen Klinikalltag

Mit viel Wärme steht Krankenhausseelsorgerin Martina Theiner Patienten in schweren Zeiten bei

Seelsorge am Krankenbett: Jeden Tag besucht Schwester Martina (links) einige Patienten in ihren Zimmern.

Görlitz (mim) -Vorsichtig öffnet Schwester Martina die Tür des Krankenzimmers, tritt ans Krankenbett und fragt die Patientin mit einem warmen Lächeln: "Wie geht es ihnen denn heute." Sanft nimmt sie die Hand der Frau, setzt sich auf einen Stuhl neben das Bett und beginnt ein Gespräch -über den Schnee, der gerade draußen gefallen ist, über den freudigen Besuch, den die Patientin gestern hatte, oder aber auch über ihre Ängste, die sie wegen der bevorstehenden Operation bedrücken.

"Die Themen der Gespräche reichen von kleinen Unterhaltungen bis zu ihren Lebensgeschichten, die die Patienten mir gern erzählen möchten", sagt Schwester Martina Theiner (55). Seit August 2000 arbeitet die gebürtige Südtirolerin als Krankenhausseelsorgerin im Städtischen Klinikum in Görlitz. "Schon im Alter von 18 Jahren hatte ich das Gefühl, dass ich mich in sozialen Berufen für andere Menschen einsetzen möchte -und ich bin von dem Gedanken bis heute nicht mehr losgekommen", sagt sie. "Das ist die Liebe Christi, die mich drängt", fügt sie mit sanfter Stimme hinzu.

Dieser Liebe folgte Schwester Martina und trat mit 20 Jahren nach zweijähriger Probezeit in die Schwesterngemeinschaft "caritas socialis" mit Hauptsitz in Wien ein. Gegründet wurde die caritas socialis 1919 von der gebürtigen Görlitzerin Hildegard Burjan. Ziel der Gemeinschaft: Die Liebe Gottes durch Tätigkei- Wittichenau (wm / tdh) -Am 20. Januar war das Fest des heiligen Sebastian -ein wichtiges Datum für die Mitglieder der Wittichenauer "St.-Sebastiani- Schützenbruderschaft", die diesen Tag jedes Jahr zu Ehren ihres Schutzpatrons mit einem Festgottesdienst in der Wittichenauer Pfarrkirche feiern. Ortspfarrer Thomas Thielscher erinnerte an das Leben des jungen Christen Sebastian, der ein hoher römischer Offizier war -zu einer Zeit, als der damalige Kaiser Diokletian Christen verfolgen ließ. Auch Sebastian sollte sterben, weil er immer mehr Römer zum Christentum bekehrte. Nachdem er den ersten Mordversuch durch unzählige Pfeilgeschosse wie durch ein Wunder überlebt hatte, nannte Sebastian den Kaiser öffentlich einen Christenverfolger. Der Legende nach starb er daraufhin am 20. Januar 288 den Märtyrertod im römischen Circus Maximus. Eine Bekennertat, die im Mittelalter auch in Wittichenau bekannt wurde, so dass im Jahre 1491 die St.-Sebastiani-Schützenbruderschaft gegründet wurde. Ihr Ziel: Die christliche Botschaft offen und mutig bekennen. "Heute kümmern sich die Schützenbrüder unter anderem um die Gemeinschaftspflege und stellen ihr Schützenhaus etwa für Veranstaltungen christlicher Kinder- und Jugendgruppen aus der Gemeinde kostenfrei zur Verfügung", so Pfarrer Tielscher. Den Schützenbrüdern wünschte er, dass sie "auch in Zukunft -wie der heilige Sebastian -mutig für die Belange der Kirche und die ihrer Kirchengemeinde eintreten." Alexander Retschke von der St.-Sebastiani-Schützenbruderschaft sprach wohl für alle weiteren 35 Schützenbrüder, als er sagte: "Der christliche Glaube, Sitte und Heimatverbundenheit sollen auch in Zukunft Hauptziele der Bruderschaft sein." ten im sozialen Dienst zu verkündigen. Mit etwa 130 Schwestern ist die caritas socialis eine eher kleine Gemeinschaft, die größtenteils in Wien, aber auch in Südtirol, in Ländern wie Brasilien und eben in Deutschland vertreten ist.

Startschwierigkeiten in der Diaspora

Schwester Martina hat zunächst in Freiburg im Breisgau ihre Ausbildung in einer Alten- und Familienpflegeschule gemacht und einige Jahre in dem Bereich gearbeitet. "Ich habe gespürt, wie die Menschen mich brauchen, dass meine Arbeit einen Sinn hat und sie mir gleichzeitig große Freude bereitet", sagt sie. "Doch schon in meiner Jugendzeit hatte ich den Wunsch, eines Tages Aufgaben im Bereich der Krankenpastoral zu übernehmen." Als dann das Angebot kam, als Krankenhausseelsorgerin nach Görlitz zu gehen, musste Schwester Martina "doch im ersten Moment schlucken", denn nie hätte sie damit gerechnet, einmal so weit von ihrer Heimat wegzuziehen. Nach einer Umschulung in Salzburg zur Krankenhausseelsorgerin entschied sie sich für diesen neuen Aufgabenbereich und den Umzug nach Görlitz. "Es war ja Hildegard Burjan, die mich dorthin zog, und deshalb bin ich gern gegangen", sagt sie.

Der Start in die katholische Krankenhausseelsorge inmitten der Diaspora war jedoch nicht gerade einfach: "Erst dachte ich, ich sei in Görlitz fehl am Platze, denn niemand wollte im Krankenhaus die Seelsorge in Anspruch nehmen", gesteht Schwester Martina. Doch so schnell wollte sie ihren Auftrag in Namen des Herrn nicht aufgeben: "Ich habe immer mehr den Kontakt zu den Stationsschwestern und zum evangelischen Krankenhausseelsorger gesucht und die Ökumene als ein neues, wichtiges Feld entdeckt."

Zusammenarbeit mit dem Krankenhauspersonal

Ihr Engagement war erfolgreich: "Bis heute hat sich vieles geändert, denn auch die Schwestern geben mir nun des Öfteren einen Tipp, wer aufgrund seiner momentanen Verfassung ein Gespräch gebrauchen könnte. Das ist eine große Hilfe und eine tolle Zusammenarbeit."

So hat Schwester Martina mittlerweile im Durchschnitt 15 Patienten auf ihrer Liste stehen, die sie ein- bis zweimal wöchentlich besucht. Eine dieser Patientinnen ist Eva-Maria Kling. Gern nahm die 62-Jährige das Angebot der Krankenhausseelsorge während ihres Klinikaufenthalts vor einigen Wochen in Anspruch. "Ich war angenehm überrascht, als Schwester Martina schon kurz nach meiner Einlieferung zu Besuch an mein Bett kam", sagt Kling. "Sie hat eine bewundernswerte Ausstrahlung, so dass man sich ihr gern öffnet. Dabei bezieht sie auch den Bettnachbarn mit ins Gespräch ein. Das hat mir im Städtischen Klinikum alles sehr gut gefallen."

Bei all ihren Wegen von Zimmer zu Zimmer liegt der katholischen Krankenhausseelsorgerin stets eines am Herzen: "Nicht die Konfession ist wichtig, sondern der Mensch steht im Mittelpunkt." Und so möchte sie auch weiterhin für die Kranken im Görlitzer Klinikum da sein und ihnen Zeit zum Reden und Zuhören schenken. "Sicherlich ist die dauernde Konfrontation mit Krankheit, Verzweiflung und Tod eine Belastung. Aber mein Glaube macht mich für diese Arbeit stark", sagt Schwester Martina mit einem Lächeln auf den Lippen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.02.2004

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