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Bistum Erfurt

Jedem kann geholfen werden

Caritas-Selbsthilfegruppe in Erfurt beging zehnjähriges Bestehen

Den Alkohol besiegt: Heute hilft Siegfried Langenberg anderen Menschen, abstinent zu leben.

Erfurt (as) -Vor elf Jahren begann für Siegfried Langenberg ein neues Leben. Damals bekam er eine Organtransplantation, denn seine Leber war ruiniert vom Alkohol -Diagnose Leberzirrhose. Der Arzt hatte ihm prophezeit, dass er sein 40. Lebensjahr nicht erreichen werde, wenn er so weitermacht.

Das war der Wendepunkt: Heute ist Siegfried Langenberg 14 Jahre "trocken", wie es in der Sprache der Alkoholkranken heißt -und mit jedem Tag spürt er das Leben neu, das ihm geschenkt wurde. Durch die Transplantation ist er zwar erwerbsunfähig, engagiert sich aber ehrenamtlich, besonders in der Selbsthilfe, und leitet eine Gruppe des Caritas-Suchtberatungszentrums "S 13" in Erfurt-Melchendorf, die jetzt ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Zur Feier des Tages gab es Kaffee und Kuchen, auch deswegen, weil einer seine einjährige Abstinenz begehen konnte.

Alkohol: Legale Droge und Suchtmittel Nummer eins in Deutschland. Und das Einstiegsalter wird immer geringer, weiß Juliana Kraus, Suchtreferentin bei der Diözesancaritas für das Bistum Erfurt. Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg, Zukunftsangst. All das trägt zur Verbeitung der Alkoholkrankheit bei. Juliana Kraus warnt aber davor, das Problem Akohol nur auf die sozial Schwachen zu beschränken. "Alle Bevölkerungsschichten sind betroffen, vom Arbeiter bis zum Arzt, und gefährdet kann jeder sein", ist ihre Erfahrung.

Die Arbeit in der Gruppe hat dem Alkoholkanken Siegfried Langenberg aber gezeigt, dass es "keine hoffnunsglosen Fälle" gibt. "Jedem kann geholfen werden", ist er überzeugt, "den ersten Schritt muss man aber selbst tun." Wie schwer es fällt, diesem Teufelskreis zu entrinnen, weiß er aus eigener Erfahrung nur zu gut. "Das so genannte Feierabendbier, die berühmten Anlässe oder das ausgeprägte Vereinsleben in Deutschland -all das ist der Nährboden für die Krankheit", meint der gelernte Maurer, "Alkohol ist eben gesellschaftsfähig."

Sozialarbeiterin Juliana Kraus ist deshalb froh, dass die geplanten Einsparungen der Landesregierung für die Caritas-Suchtberatungsstellen in Erfurt und Leinefelde wieder rückgängig gemacht wurden -denn der Bedarf steigt. Besonders liegt ihr aber die Selbsthilfe am Herzen, ohne die eine dauerhafte Abstinenz der Betroffenen so gut wie unmöglich ist. Nach Angaben des Freistaates gibt es in Thüringen 111 Selbsthilfegruppen, die von Suchtverbänden wie Kreuzbund, Blaues Kreuz, Freundeskreis der Suchtkrankenhilfe oder Guttempler- Orden in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.02.2004

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