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Bistum Magdeburg

70 Ehejahre voll Freude und Liebe

Theresia und Stefan Schneider aus Zeitz feiern Ende Januar ihre Gnadenhochzeit

Zeitz (mim) -Sie halten sich liebevoll bei der Hand, gehen sonn- und feiertags Arm in Arm in die heilige Messe und sind seit Jahrzehnten unzertrennlich. "Je älter man wird, umso größer wird auch die Liebe", sagen Theresia (90) und Stefan (94) Schneider aus Zeitz. Die Liebe der beiden ist so groß, dass sie am 28. Januar ihre Gnadenhochzeit feiern. 70 Jahre, in denen die beiden vieles miteinander erlebt haben, Höhen wie Tiefen geteilt und stets gemerkt haben: "Wie sehr man den anderen doch braucht."

Mit einem Brief begann die Liebesgeschichte

An den Tag, als er "seiner Theresia" die Liebe gestand, erinnert sich der 94-Jährige noch, als sei es erst gestern gewesen. Dabei sind seither 72 Jahre vergangen. "Ich war 22 und sie war 18 Jahre alt", sagt er. "Wir haben beide in Drexlerhau, einem 5 000-Seelen- Dorf in der Slowakei gelebt. Dort kannten wir uns schon vom Sehen. Irgendwann habe ich Theresia einen Brief geschrieben. Sie hat sofort darauf geantwortet und mir war klar: ,Sie hat auch Interesse'", sagt Schneider verschmitzt und lächelt seine Frau an. "Ich hatte ihn in der Kirche schon immer gesehen", gesteht Theresia Schneider.

Der tiefe Glaube an Gott war stets eine ihrer Gemeinsamkeiten. "Unsere ganze Ortschaft war katholisch", sagt Stefan Schneider. "Da ist es selbstverständlich, dass ein Ja-Wort für immer und ewig gilt." So trafen auch Theresia Mokosh und Stefan Schneider zwei Jahre nach dem ersten Brief -am 28. Januar 1934 -die Entscheidung, ihr Leben miteinander zu verbringen.

Einige Jahre später zog das Ehepaar aus der Slowakei nach Obergrund im Sudetenland. Dann ereilte auch sie das Schicksal, dass zur damaligen Zeit viele Familien trennte: Stefan Schneider wurde Ende Januar 1945 zum Kriegsdienst eingezogen. "Bei einer Granatübung wurde ich früh verletzt", erinnert er sich. "Als ich einige Wochen später an die russische Front geschickt werden sollte, konnte ich flüchten und habe mich Anfang Mai wieder auf den Weg nach Hause gemacht."

Das Wiedersehen nach dem Krieg hat Schneider noch immer bildlich vor Augen: "Ich ging eine Straße hinunter, auf der Suche nach meiner Frau. Dann schaute ich nach vorn und sah jemanden mit Milchkannen in der Hand. Es war meine Frau, die gerade Milch holen wollte und wir trafen uns nach der Trennung durch den Krieg mitten auf der Straße wieder." Theresia Schneider rühren diese Erinnerungen noch heute zu Tränen: "Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Seit er weg war, hatte ich angefangen, zu Gott zu beten. Und es hat geholfen -denn er kam wieder."

Eine Familie so groß wie ein Kirchenchor

Seither waren die gelernte Schneiderin und der Maurer nie wieder für längere Zeit getrennt. 1957 ging das Ehepaar nach Zeitz. Dort verbringen sie nun ihren Lebensalltag im Kreise ihrer Familie, die stetig weiter wächst: Sechs Kinder, die heute im Alter zwischen 50 und 70 Jahren sind, gingen aus ihrer Ehe hervor. Hinzu kommen 14 Enkelkinder und elf Urenkel. Leicht amüsiert zählen die beiden ihre große Familie auf. "Da kommen leicht 50 bis 60 Personen bei unseren Familienfeiern zusammen", scherzt Stefan Schneider. Und Theresia Schneider lacht: "Wenn wir gemeinsam singen, sind wir fast so gut wie ein Kirchenchor."

"Ich habe Freude in meinem Herzen" sei ihr Lieblingslied, sagt sie. Und diese Freude haben sich die beiden in all den 70 Ehejahren im Herzen bewahrt. "Und die Liebe", fügt Stefan Schneider mit erhobenem Zeigefinger hinzu.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 4 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.02.2004

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