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Bistum Görlitz

Zur Freundschaft kam die Aufbauhilfe

Cottbus: Seit mehreren Jahrzehnten engagiert sich Rudolf Schirmer für Menschen in Afrika

Fünf neue Brunnen spenden gesundes Wasser: Nicht nur die Anschaffung, sondern auch die Instandhaltung liegt Rudolf Schirmer am Herzen.

Cottbus (ks) -"Mir wurde richtig warm ums Herz als ich sah, wie meine Kleinarbeit in Cottbus einen tiefen und großen Sinn in Afrika macht", erzählt Rudolf Schirmer (71) begeistert nach seinem dreiwöchigen Aufenthalt in Ghana. Und er zählt auf: "In der Grundschule und im Gymnasium von Accra-Dansoman, einem Ort in Ghana, sind die 17 ausgedienten Computer aus Cottbus den ganzen Tag ausgelastet. In der Buschklinik in Ntobroso brennt dank der von Cottbus aus beschafften Photovoltaikanlage die ganze Nacht in allen Räumen Licht."

Im November war Schirmer zum vierten Mal in Accra, wo er in der Gemeinde St. Margaret- Mary als alter Bekannter stets freudig begrüßt wird. Im Bistum Görlitz ist er in einigen Gemeinden durch Vorträge über seine Afrikareisen und Spendenprojekte für das Entwicklungsland bekannt.

Angefangen hatte alles zu DDR-Zeiten: Afrikanische Studenten kamen nach Cottbus, um sozialistische Staatsformen kennen zu lernen. Als katholische Christen besuchten sie die heilige Messe in der Cottbuser Marienkirche. Rudolf Schirmer konnte ihnen damals mit seinen Schul-Englisch-Kenntnissen bei der Verständigung behilflich sein. Daraus entwickelten sich Freundschaften, die noch immer Bestand haben und die es ihm heute ermöglichen, in afrikanischen Familien und Kirchengemeinden eingebunden zu sein. "Ich erlebe die afrikanischen Menschen in ihrer Lebensart und ihren Verhaltensweisen ganz anders als jeder Tourist", sagt er.

Gute Zusammenarbeit mit Organisationen

Hilfe für Afrika wurde jedoch erst nach der Wende möglich. Auf Schirmers ehrenamtliche Initiative hin ist die Partnerschaft zwischen der Mariengemeinde in Cottbus und der Gemeinde St. Margaret-Mary in Dansoman entstanden. Rund 7 000 Brillen, viele Nähmaschinen, etwa 40 Schreibmaschinen und eben die 17 Computer, die Cottbuser Betriebe ausmusterten, gingen in den letzten Jahren auf die Reise nach Ghana. Sein Hauptanliegen gilt aber dem Brunnenbau. "Sauberes Wasser ist die Grundlage zur Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen", so Schirmer.

Die Zusammenarbeit mit Misereor Aachen und anderen internationalen Organisationen bis hin zur deutschen Botschaft in Ghana macht diese Hilfe erst möglich. Fünf Brunnen, finanziert von Spenden aus ganz Deutschland und Zugaben von Misereor versorgen mehrere Tausend Menschen mit sauberem Wasser. Besonderen Wert legt der Cottbuser bei seiner Arbeit auf die sachgerechte Einsetzung der Spendengelder, aber auch auf die Instandhaltung der angeschafften Gerätschaften.

Viele Tage war Schirmer bei seinem letzten Ghana-Besuch mit Pfarrer Emmanuel Tabi, dem Vorsitzenden des Wasserkomitees des Erzbistums Kuimasi in den Dörfern unterwegs. "Ich wollte alle Brunnen sehen, und ich habe aus allen fünf Brunnen getrunken", berichtet er stolz.

Beeindruckt vom Gottvertrauen

Wohnen konnte er im Pfarrhaus der Partnergemeinde bei Pfarrer John Straathof. Sowohl werktags als auch sonntags ist die Begeisterung, mit der afrikanische Christen Gottesdienst feiern, verblüffend. Fürbitten in persönlichen Anliegen werden spontan der Gemeinde vorgetragen, ebenso Gebetserhörungen und der damit verbundene Dank, dass die ganze Gemeinde sich der Bitte um das Gebet angenommen hat. "Wir Europäer kommen ins Staunen über soviel Gottvertrauen", sagt Schirmer.

Sein Resümee der Reise: "Ich bin dankbar für die Zeit in Ghana. Wenn wir im reichen Norden alle ein bisschen über den Tellerrand hinaus schauen, könnte die Hilfe noch größer sein."

Weitere Informationen über geplante Projekte und Vorträge von Rudolf Schirmer gibt es bei der:

Cottbuser Propsteigemeinde
St. Maria Friedenskönigin,
Tel. (03 55) 38 06 70.
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 4 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.02.2004

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