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Bistum Erfurt

Den Menschen gedient

Roswitha Hellmich, Leiterin des Altenpflegeheimes in Bad Langensalza, geht in den Ruhestand

Zeit und Aufmerksamkeit schenken: Roswitha Hellmich (Mitte) sitzt gern bei den Heimbewohnern.

Bad Langensalza (as) -Wäre der 13. August 1961 nicht gewesen, wäre das Leben von Roswitha Hellmich vermutlich ganz anders verlaufen. Die junge Studentin der Landwirtschaft in Halle hatte schon eine Delegierung ihrer Hochschule an eine westfälische Universität in der Tasche und wollte eigentlich für ihre geistliche Gemeinschaft, dem "Missionsbenediktinischen Säkularinstitut St. Bonifatius", in Guatemala arbeiten. Bevor es richtig losgehen sollte, machte sie noch mit ihrer Freundin Urlaub -gerade in dieser Zeit wurde die Mauer gebaut und aus war der Traum.

Aber eigentlich ein Glück für die Seniorenarbeit in Bad Langensalza, denn hier ist Roswitha Hellmich seit 1987 Leiterin des Caritas-Altenpflegeheimes. An diesem Freitag wird sie von Diözesan- Caritasdirektor Bruno Heller in den Ruhestand verabschiedet und macht Cordula Seiwert, einer jüngeren Kollegin Platz.

Roswitha Hellmich macht nicht viel Worte um sich. Ihre Arbeit verstand sie immer als ein Dienst am Nächsten, sie wollte in der Nähe von Menschen sein, die sie brauchen und die mit ihren Sorgen und Problemen zu ihr kommen konnten. Die Sozialarbeit ist eigentlich ihr zweites Berufsleben. Viele Jahre arbeitete die studierte Landwirtin in "Volkseigenen Betrieben" in leitender Position. Nach dem Studium 1962 war sie zunächst Abteilungsleiterin in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) in Köthen in Sachsen-Anhalt. Als Katholikin kam sie jedoch bald in Schwierigkeiten: Sie war in keiner Partei, keiner Gewerkschaft. Ihre Vorgesetzten übten politischen Druck aus. Zum großen Knall kam es, als sie nicht zu den Volkskammerwahlen ging. Roswitha Hellmich wurde zurückgestuft und nach Halle versetzt, war von nun an Meisterin, eine Arbeit, die unter ihrer Qualifikation lag. "Trotzdem war es eine schöne Zeit", sagt sie heute rückblickend. 18 Jahre verbrachte sie in Halle, engagierte sich nach Feierabend in der katholischen Pfarrgemeinde St. Norbert, saß im Pfarrgemeinderat, sang im Kirchenchor und kümmerte sich um die vielen kleinen Dinge, die so selbstverständlich hingenommen werden.

Aber: Der politische Druck wurde größer, das Volkseigene Gut in Halle wurde direkt dem DDR-Ministerium für Landwirtschaft unterstellt. In Absprache mit ihrer Gemeinschaft, der sie seit 1961 angehörte, gab Roswitha Hellmich schweren Herzens ihre Arbeitsstelle auf und widmete sich von nun an der Sozialarbeit. Zunächst im staatlichen Paul-Ribeck-Stift in Halle, in dem psychisch Kranke betreut und behandelt wurden. In Berlin lernte sie dann den Beruf der Altenpflegerin und kam 1985 nach Bad Langensalza. Auf Grund ihrer beruflichen Erfahrung als leitende Angestellte, wurde sie schon 1987 Leiterin des kleinen Caritas-Altenpflegeheimes mit damals 25 Bewohnern. "In dieser Tätigkeit war ich in den letzten Jahren vor allem mit Baumaßnahmen beschäftigt", erzählt sie. Sanierungen und Umbau waren nach der Wende auch in Bad Langensalza dringend nötig. Das 270 Jahre alte Haus entsprach nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Die Leiterin packte die Aufgaben mit Zuversicht und Tatendrang an. 57 Bewohner verbringen heute im Pflegeheim in Bad Langensalza ihren Lebensabend.

Und immer wieder war es die Gemeinschaft des Missionsbenediktinischen Säkualarinstitutes St. Bonifatius, die Roswitha Hellmich auch über die schwierigen Zeiten ihres Lebens hinweghalf. "Gott verherrlichen und den Menschen dienen", erläutert sie das Anliegen des Institutes, dem 15 Frauen im Bistum Erfurt angehören. Sie arbeiten in den verschiedensten Berufen und treffen sich in kleinen Gruppen zum Gebet, zu Exerzitien oder Gemeinschaftstagen. Für andere Menschen da zu sein, ihre Sorgen und Probleme, ihre Freude und ihre Ängste zu teilen, sah Roswitha Hellmich immer als ihre dringendste Aufgabe an, besonders auch für die, "die keinen Glauben haben".

Was wird sie in ihrer vielen freien Zeit, die sie jetzt zur Verfügung hat, tun? "Es wird auf keinen Fall ein Ruhestand", lächelt sie. Sie wird sich jetzt stärker für die Gemeinschaft und im kirchlichen Bereich engagieren und auch weiterhin für die Menschen in ihrer Umgebung da sein, die sie brauchen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 4 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.02.2004

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