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Bistum Görlitz

Guter Geist im Pfarrhaus

Carola Ringelhann ist seit über zehn Jahren Pfarrhaushälterin in Guben / Beruf hat sich gewandelt

Eine Hilfe für den Pfarrer: Als Pfarrhaushälterin macht Carola Ringelhann alles, was im Haushalt anfällt.

Guben (mim) -Als unsichtbares Bindeglied zwischen Pfarrer und Pfarrei werden sie oft bezeichnet, als guter Geist im Pfarrhaus oder als Mädchen für alles -die Pfarrhaushälterinnen. Noch vor einiger Zeit waren sie in jedem Pfarrhaus anzutreffen. Doch der Beruf ist im Wandel. Längst ist die Pfarrhaushälterin nicht mehr diejenige, die im Pfarrhaus arbeitet und auch wohnt. Immer mehr von ihnen haben Familien und üben den Pfarrhaushälterinnenberuf nebenher als Teilzeit- oder Vollbeschäftigte aus.

Pfarrhaushälterinnen sind bundesweit organisiert

Carola Ringelhann aus Guben ist eine dieser Frauen, die gleich zwei Haushalte zu führen haben. Als die 44-Jährige im April 1989 die Stelle bei Pfarrer Uwe Aschenbrenner annahm, war sie noch die Ausnahme unter den Pfarrhaushälterinnen im Bistum Görlitz, weil sie eine Familie zu versorgen und zwei Haushalte zu führen hatte. "Damals kam der Pfarrer zur Haussegnung zu uns und erwähnte, dass er eine Haushälterin suche", erinnert sich die gelernte Erzieherin. "Mit Be- Ein eingespieltes Team: Siegfried Fietz (links) mit seinem Gitarristen Gerhard Barth. kannten habe ich dann überlegt: Würde das etwas für mich sein? Aber jeden Tag kochen?" Sie entschied sich dafür -wenn auch zunächst mit gemischten Gefühlen, was sie im neuen Beruf alles erwarten würde.

Heute bezeichnet sie es als "göttliche Fügung", dass sie die Stelle angenommen hat und kann sich "kaum einen anderen Beruf vorstellen". Denn Carola Ringelhann merkte schnell, dass ihre Aufgaben bei weitem nicht nur das Kochen umfassen. "Eigentlich mache ich alles, was im Haus so anfällt", sagt sie. "Näharbeiten für die Sternsinger, neue Sitzkissen für die Gubener Kapelle, sogar die Fensterläden habe ich mal gestrichen, als sie es nötig hatten", fügt sie schmunzelnd hinzu.

Derzeit üben bistumsweit 20 Frauen den Dienst im Pfarrhaus aktiv aus. Sie alle treffen sich zwei mal im Jahr zu Gemeinschaftstagen in Begleitung des geistlichen Beirats der Pfarrhaushälterinnen -im Bistum Görlitz ist das Pfarrer Aschenbrenner. Carola Ringelhann ist seit sieben Jahren die stellvertretende Vorsitzende dieses Bistumsverbandes. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem, das Bistum Görlitz bei den bundesweiten Treffen der Pfarrhaushälterinnen zu vertreten. "Oft tauschen wir dann Erfahrungen untereinander aus, geben einander Tipps und diskutieren über unsere derzeitige Situation", sagt Ringelhann.

Bei stetig neuen Kürzungen seitens der deutschen Bistümer müssen die Pfarrer immer mehr selbst für eine Haushälterin bezahlen. Denn: Das Arbeitsverhältnis besteht zwischen Pfarrer und Pfarrhaushälterin, wobei der Pfarrer lediglich einen Teil der Ausgaben vom Bistum erstattet bekommt. Auch im Bistum Görlitz wurden zum Jahresanfang diese Zulagen gekürzt und werden auch in den kommenden zwei Jahren weiter reduziert werden. Ob der Beruf der Pfarrhaushälterin in Zukunft ganz aussterben wird, ist ungewiss.

"Unverzichtbare Ergänzung zur Seelsorge"

Aus ihren Erfahrungen empfindet Carola Ringelhann diesen Beruf jedoch als unverzichtbare Ergänzung zur Seelsorge. "Es ist wichtig, dass jemand im Pfarrhaus ist und beispielsweise Anrufe entgegennehmen kann, während der Pfarrer seinen Aufgaben in der Gemeinde nachgeht." Ein Pfarrhaus solle doch immer auf irgendeine Art belebt sein und ein Ansprechpartner sollte stets erreichbar sein, so Ringelhann. "Denn wer möchte seine Anliegen schon auf einen unpersönlichen Anrufbeantworter sprechen?"

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2004).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.02.2004

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