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Auf zwei Minuten

Weihnachten ist Gottes Chefsache

Gedanken zum Fest

Pater Damian

Ein König hatte einen Minister, der Christ wurde und seinen Glauben vor dem ganzen Volk bekannte. Er erklärte, dass er an den Heiland glaube, der in diese Welt gekommen sei, um uns zu erlösen von Schuld und Tod. Dem König war das unverständlich. "Aber", sagte er, "wenn ich will, dass etwas geschehen soll, dann gebiete ich meinen Dienern, und das genügt. Warum sollte der König aller Könige selbst in diese Welt kommen?"

Der König wollte den Minister wegen seiner Bekehrung zum Christentum entlassen. Da er ihn aber sehr liebte, versprach er ihm Gnade, wenn er eine Antwort auf diese Frage wüsste. "Gewährt mir 24 Stunden, Majestät", erwiderte der Minister, "und ich will euch antworten." Er ließ einen geschickten Schnitzkünstler holen und trug ihm auf, eine Puppe anzufertigen und sie genau so zu kleiden wie das zweijährige Kind des Königs.

Am folgenden Tag machte der König im Boot eine Spazierfahrt. Der Schnitzkünstler war angewiesen, sich am Ufer des Flusses zu halten und auf ein vereinbartes Zeichen die Puppe ins Wasser zu werfen. Der König sah die Puppe fallen, und in der Meinung, es sei sein Kind, sprang er ins Wasser. Der Minister fragte ihn dann, warum er selbst sein Kind habe retten wollen, während doch ein Wort an seine Diener genügt hätte. "Es ist das Herz des Vaters, das so handeln musste!", erwiderte der König. Und der Minister antwortete: "So hat sich auch Gott nicht damit zufrieden gegeben, den Menschen nur eine Heilsbotschaft zu senden, sondern seine unendliche Liebe ließ ihn selbst vom Himmel herabsteigen, um uns zu retten" (nach Sadu Sundar Singh).

Wenn Politiker betonen wollen, eine Angelegenheit oder eine Maßnahme sei sehr wichtig, erklären sie sie zur "Chefsache". Sie geben sich dann besondere Mühe, das Problem zufriedenstellend zu lösen.

Was wir am Weihnachtsfest feiern, ist Gottes "Chefsache": Gottes Sohn wird Mensch und nimmt unsere Rettung, unser Glück und unsere ewige Zukunft selbst in die Hand. Er schickt keinen mächtigen Engel, der ihn vertreten könnte. So wichtig und angelegen ist ihm diese Sache, dass die ganze Schöpfung auf diese Menschwerdung Gottes und unsere Rettung hingeordnet ist: ,,In ihm (seinem Sohne) hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt ... Er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus", heißt es im Epheserbrief (1,4-5).

Warum? Kann die Antwort anders lauten als die des Königs? Es ist die brennende Liebe des Vater- und Mutterherzens Gottes, die Gott diesen Schritt tun lässt, in dem er sich selbst uns schenkt.

Pater Damian Meyer OP

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 19.12.2003

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