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Bistum Dresden-Meißen

An Weihnachten konkret helfen

Menschen in Lateinamerika brauchen Unterstützung / Ein Besuch von Bischof Jorge Casaretto

Werben für Adveniat: Weltkirchenbeauftragter Ulrich Clausen und Bischof Jorge Casaretto bei einem Pressegespräch.

Dresden (meu / jak) -Schaut auf die Bedürftigen in eurem Land und fühlt euch nicht zu sicher", mahnte Bischof Jorge Casaretto aus Argentinien im Rahmen eines Pressegesprächs angesichts der derzeitigen Diskussionen um geringes Wirtschaftswachstum und die Agenda 2010 in Deutschland. Das Beispiel Argentinien habe gezeigt, wie schnell ein ehemals reiches Land in eine tiefe Krise stürzen kann. Zudem betonte der Bischof -wieder mit Blick auf den Westen -, dass die Politik eines Landes nicht ohne Wirkung auf andere Länder bleibe. So würden Subventionen in der Landwirtschaft beispielsweise verhindern, dass arme Länder Zugang zum europäischen Markt hätten.

Auf Initiative des Bischöflichen Hilfswerkes Adveniat besuchte Bischof Casaretto einige Gemeinden im Bistum Dresden-Meißen, um über sein Land und über Adveniat zu berichten. Jorge Casaretto ist in Argentinien als "Mann der offenen Worte, dessen Kritik auch vor hohen Persönlichkeiten nicht Halt macht", bekannt, wie Adveniat im Vorfeld des Besuchs mitteilte. Er prangert die sozialen Missstände an, die in seinem Land die Kluft zwischen Armen und Reichen immer weiter vergrößert haben. Argentinien stand einst an zehnter Stelle der Industriestaaten -und wachte dann, nachdem alle Reichtümer vergeudet waren, wie aus einem Traum auf: Weite Teile der Bevölkerung verarmten, ohne dass es zuvor jemand zur Kenntnis genommen hatte. Heute leben 57 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze, 20 Prozent sogar unterhalb der Elendsgrenze. Bischof Casaretto sieht die Gründe dafür unter anderem in einem vom Neoliberalismus geförderten extremem Individualismus. Zudem fehle der argentinischen Politik der Kontakt zum Volk, sie müsse effektiver, beweglicher werden und näher an den Menschen, aber auch transparenter sein, damit die Politiker leichter kontrollierbar werden. Bischof Jorge Casaretto berichtete weiter von den Diskussionen in Argentinien, die nicht direkt von der Politik ausgingen. Im Rahmen eines Runden Tisches, der die verschiedenen Gruppen der argentinischen Gesellschaft vereint, wurden Dokumente erarbeitet, die den Politikern vorgestellt werden und zur Umsetzung einladen. Die Kirche stehe in diesem außerparlamentarischen Prozess ganz vorn.

In der jetzigen Krisensituation genieße die katholische Kirche, der zirka 90 Prozent der Argentinier angehören, eine hohe Glaubwürdigkeit. Bereits vor 15 Jahren hatte sich die argentinische Bischofskonferenz hinter die Armen gestellt; dieses Dokument hat sie jetzt neu als ihren "Kurs" bestätigt. Sie engagiert sich in karitativen Projekten, arbeitet mit Hilfsorganisationen zusammen und kontrolliert staatliche Sozialprojekte.

Mit Hilfe von Spendengeldern unterstützt Adveniat unter anderem die Ausbildung von Ansprechpartnern für die Stadtviertel, die nicht nur Katechesen halten können, sondern auch bei sozialen Problemen kompetent sind und helfen können. In katholischen Kirchen wird in allen Gottesdiensten am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag Geld für das Hilfswerk Adveniat gesammelt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 19.12.2003

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