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Bistum Erfurt

Damit trotz vieler Pflichten die Liebe lebt

Familie Schwarzbach aus Rudolstadt war beim Familientraining

Rudolstadt / Erfurt (ep) - Sie kümmert sich um die Kinder und den Großteil der Familienarbeit, geht vielleicht vier Stunden arbeiten, engagiert sich ehrenamtlich, hat zu tun, alles unter einen Hut zu bringen. Er ist 45 Stunden und mehr in der Woche beruflich eingespannt, hat nicht selten bis in den Abend hinein Termine wahrzunehmen. Die Kinder sehen den Vater nur ein paar Minuten am Tag. Abends besprechen die Eltern nur die wichtigs-ten organisatorischen Dinge. Für längere Gespräche, für gemeinsames Musikhören, Ausgehen, für Zärtlichkeit bleibt dem Paar kaum Zeit. Anforderungen und Pflichten beherrschen den Alltag. - So oder ähnlich sieht es in vielen Familien aus. Und die Gefahr besteht, einander fremd zu werden.

Um solcher Entwicklung bewusst entgegen zu steuern, haben Uta und Steffen Schwarzbach aus Rudolstadt an einem Familientraining teilgenommen. Dazu hatte unter dem Motto "Damit die Liebe lebt" die Familienseelsorge des Bistums Erfurt eingeladen. An diesem Sonntag nun wird der eineinhalbjährige Kurs mit einem letzten Wochenende abgeschlossen. In einem Gottesdienst werden die Teilnehmer Urkunden erhalten, die sie als Familientrainer ausweisen. Denn auch dies war eine Absicht des Angebotes: Paare zu befähigen, in Familienkreisen oder bei persönlichen Gesprächen anderen Eheleuten Anregungen für die Gestaltung von Partnerschaft und Familie geben zu können.

Uta und Steffen Schwarzbach haben es nicht bereut, an dem Kurs teilgenommen zu haben, selbst wenn es manchmal anstrengend war, mit inzwischen vier Kindern am Samstag / Sonntag nach Erfurt zu fahren. "Wenn man aus eingefahrenen Gleisen ein Stück herauskommen möchte, ist der Kurs genau das richtige", sagt Steffen Schwarzbach (39), der mit seiner Frau seit 13 Jahren verheiratet ist. "Ich erlebe Familie oft wie eine Maschine, die abends gegen 21.30 Uhr ausläuft und dann nur noch Ruhe braucht. Man redet nur über das Organisatorische, weil die Arbeitsbelastung enorm ist. Wenn man dagegen nichts tut, kann das eines Tages negative Folgen für die ganze Familie haben - ein Punkt, auf den wir jedenfalls als Familie achten müssen."

Weil in vielen Familien Zeit knapp ist, spielte das Thema "Zeitmanagement" bei einem der zehn Treffen eine zentrale Rolle. Uta Schwarzbach (35): "Es ist zum Beispiel wichtig, sich für jedes Kind täglich Zeit zu nehmen, sich trotz Müdigkeit gerade am Abend aufzuraffen, mit jedem Kind ein paar Minuten zu reden und den Kontakt zu pflegen, um auch in schwierigen Tagen eine Draht zueinander zu haben."

Gemeinsam nachgedacht wurde bei den Treffen etwa auch da-rüber, wie die Zeiten des Kirchenjahres bewusster in der Familie zum Tragen kommen können oder wie jeder Einzelne - in seiner Weise für sich - , aber auch die Familie als ganze den Glauben leben kann. Praktisch probiert wurde, wie man als Frau und Mann einander gut zuhört und wie es positiv gelingen kann, Konflikte zu bewältigen.

Zu jedem der Wochenenden - zweimal trafen sich die Familien auch für mehrere Tage - hatte ein Paar die Aufgabe, einen Einstieg zu geben. Schwarzbachs zum Beispiel übernahmen das Thema Taschengeld und waren erstaunt, was sich aus ihrem Impuls für ein intensives Gespräch entwickelte.

Um anderen Paaren ein paar Tipps geben zu können - ohne eine intensive Eheberatung ersetzen zu wollen und zu können - hätte sich Schwarzbachs ein wenig mehr psychologisches und soziologisches Rüstzeug gewünscht. "Es ist schließlich nicht unwichtig, zu beachten, aus welcher familiären Situation und welchem Umfeld man selbst kommt, denn vieles davon wird man unbewusst weitergeben", sagt der Sozialpädagoge. "Etwa ob die eigenen Eltern recht autoritär waren oder ob man selbst Geschwister hatte." Den Ansatz, vorbeugend etwas für das Gelingen von Ehen und Familien zu tun, halten Uta und Steffen Schwarzbach für ausgezeichnet. "Ehe braucht wegen der vielen negativen gesellschaftlichen Einflüsse, denen Familien ausgesetzt sind, dringend Unterstützung", ist der Referatsleiter im Saalfelder Jugendamt überzeugt. Frau Schwarzbach: "Heutzutage wird man ja schon zu den ganz Konservativen gezählt, wenn man mehrere Kinder hat, und die noch vom gleichen Mann." Das gemeinsame christliche Fundament der Kursteilnehmer haben die Schwarzbachs als gute Voraussetzung erlebt, überhaupt über Fragen von Partnerschaft und Familie intensiver ins Gespräch zu kommen. Hilfreich sei auch das unterschiedliche Alter der Eheleute und ihrer Kinder gewesen.

Für die Kinder, die immer mitkommen konnten, gab es während der insgesamt zehn Treffen stets ein eigenes Programm. Unter Eltern und Kindern sei in den eineinhalb Jahren eine gute Gemeinschaft entstanden, sagt Frau Schwarzbach. "Deshalb sind wir auch ein bisschen traurig, dass es nun zu Ende ist."

Als Musterehepaar verstehen sich die Schwarzbach nach dem Training aber ganz und gar nicht. "Uns Paaren wurde empfohlen, wir sollten uns jede Woche, mindestens aber aller 14 Tage Zeit für ein Ehegespräch nehmen, um uns über unsere Beziehung auszusprechen, Konflikte anzuschauen, Lösungen in Augenschein zu nehmen, vor allem einander zuzuhören", sagt Steffen Schwarzbach. "Obwohl wir das für ganz wichtig halten, müssen wir uns noch ganz schön anstrengen, es selbst zu tun." Ein wenig aus eingefahrenen Gleisen he-raus kommen wollen die Schwarzbach auf jeden Fall. "Man kann in Sachen Ehe durchaus noch dazulernen", sind sie überzeugt.

2002 soll es einen weiteren Kurs Familientraining geben. Bei einem Einführungstag am 27. Oktober in Erfurt wird den Teilnehmern das Programm vorgestellt. Familien, die an einem solchen Kurs teilnehmen möchten, melden sich im Seelsorgeamt Erfurt, Regierungsstraße 44a, 99096 Erfurt, Tel. (03 61) 6 57 23 10.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 07.06.2001

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