Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Magdeburg

Nirgends zwei gleiche Teile zu sehen

KEB-Abend: Architektin stellte Konzept für Hundertwassers Grüne Zitadelle von Magdeburg vor

Die grüne Zitadelle von Magdeburg: So nannte Hundertwasser selbst das Gebäude. Ein Blick auf das Modell aus der Vogelperspektive macht klar, warum.

Magdeburg (rlo) -Im Rahmen der Dienstagsreihe der Katholischen Erwachsenenbildung fand am 25. November der zweite Vortrag innerhalb der Hundertwasser- Architekturausstellung im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg (TAG DES HERRN berichtete) statt. Vor gut 170 interessierten Zuhörern präsentierte Heike Thal das in Magdeburg geplante Hundertwasser Architekturprojekt: Die Grüne Zitadelle. Frau Thal ist Projektleiterin im "Architekturbüro Assmann. Beraten und Planen", das das Vorhaben vor Ort in Magdeburg konkretisiert. Hier entstanden auch die Genehmigungsund Ausführungsplanungen.

In ihrem Vortrag stellte Frau Thal den konkreten Standort und die Pläne für die Grüne Zitadelle vor. Hundertwasser war zwar selbst nicht in Magdeburg, entwarf das rosa Unikat aber nach Luftaufnahmen und Plänen speziell für diesen Standort am Breiten Weg 8-10. Auf insgesamt 11 295 Quadratmetern vermietbarer Fläche werden 55 Wohneinheiten sowie Büro- und Gewerbeflächen entstehen, die zum Teil auch der Gastronomie vorbehalten sind. Den Mix ergänzen ein Ausstellungs- und Galeriebereich im Untergeschoss, ein Hotel mit 42 Zimmern und ein Kindergarten der Evangelischen Stadtmission mit Spielfläche auf dem begrünten Dach. Jede Wohnung hat einen individuellen Grundriss und eine eigene Grünfläche als Balkon, Terrasse oder Dachgarten.

Frau Thal ging auch darauf ein, was das typisch Andere an einem Hundertwasserhaus ist: Äußerlich und auf den ersten Blick auffällig sind die farbigen Keramiksäulen und die vergoldeten beziehungsweise steinfarbenen Kugeln. Im Innenbereich schaffen die unregelmäßig verlegten Fliesen am Fußboden und an den Wänden im Bad oder die Glasziegel, die vom Bad zum Wohnraum eingebaut werden -damit immer ein Schimmer Tageslicht bis ins Bad dringen kann -eine besondere Atmosphäre. Der Putz wird nicht glatt gezogen, sondern natürlich uneben gelassen; sämtliche Innenkanten sind als Hohlkehle (abgerundete Kanten) auszuführen.

Im Blickbereich werden verschiedene Türen, Türgriffe, Treppenhauslampen, Wasserhähne undsoweiter verwendet, so dass nie zwei gleiche Teile zu sehen sind. Gewollt sind auch "natürliche" Alterserscheinungen wie die Treppenstufen, die ausgetreten gestaltet werden, um das Gehgefühl alter Treppen zu vermitteln. Ebenso die unregelmäßig und wellig verlegten Fußböden.

Und schließlich gehören zu den Besonderheiten begrünte Dächer mit mindestens 60 Zentimeter starker Humusschicht, damit auch Sträucher und Bäume hier Wurzeln schlagen können. Außerdem gibt es die sogenannten Baummieter, die wie die 13 Baummieter in der Grünen Zitadelle von Nischen und Fenstern aus direkt neben den Menschen "wohnen".

Bei den anschließenden Nachfragen verwies Frau Thal darauf, dass die Konzeption für die Umsetzung des Projektes in den Händen der Gero Beteiligungsgesellschaft, einer Tochter der GERO AG, liegt. Deren Aufgabe besteht unter anderem darin, Investoren zu finden und zu bündeln. Den Bau und die Vermietung begleiten dann die anderen Töchter; die beiden Siedlungswerk St. Gertrud GmbHs.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 11.12.2003

Aktuelle Buchtipps