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Bistum Magdeburg

Postkarten für faires Spielzeug

Ein Magdeburger Bündnis kämpft für bessere Bedingungen in der chinesischen Spielzeugindustrie

Nachdenkliche Barbie-Puppe: Eines der Postkarten-Motive der Magdeburger Aktion

Magdeburg (mh) -Mit einer in Magdeburg gestarteten Postkarten- Aktion soll die deutsche Spielwarenindustrie gedrängt werden, sich für die Einhaltung der Menschenrechte in den chinesischen Spielwarenfabriken einzusetzen. Unter dem Motto "Spielzeug darf niemanden unglücklich machen" knüpfen die Initiatoren an die Aktion "Fair spielen" des katholischen Hilfswerkes Misereor an (TAG DES HERRN berichtete in der letzten Ausgabe auf Seite 1). Die Magdeburger Aktion wird getragen vom Referat Weltkirche des Bistums, von der Eine-Welt-Arbeitsstelle der Kirchenprovinz Sachsen, von Attac und dem Eine-Welt-Laden Magdeburg sowie dem Ökumenischen Tagungszentrum Mauritiushaus in Niederdodeleben.

Das Besondere der Aktion ist eine Serie von acht Postkarten, erklärt Mitinitiatorin Karin Rohr. Auf der Vorderseite informieren Zeichnungen und Texte über die Situation der Arbeiterinnen in den chinesischen Spielzeugfabriken. Auf der Rückseite findet sich die Adresse einer deutschen Spielwarenfirma sowie ein kurzer Text mit den Forderungen. Anliegen ist es, den 2001 verabschiedeten Verhaltenskodex des Weltverbandes der Spielzeugindustrie (ICTI) auch in China durchzusetzen. Wer dabei helfen will, muss die Postkarte nur noch unterschreiben, frankieren und abschicken. Die Karten können kostenlos bei den Organisatoren angefordert werden. Außerdem werden sie in Kirchen und durch kirchliche Stellen und Eine- Welt-Läden in der Landeshauptstadt sowie unter anderem auch in Halle, Torgau, Zeitz und Burg verteilt.

Dass die Aktion gerade jetzt gestartet wurde, hängt mit dem Spielzeug-Weihnachtsgeschäft zusammen: Etwa die Hälfte des Spielzeugs auf dem Gabentisch stammt aus China. Unter welchen Bedingungen dieses dort hergestellt wird, beschreibt Karin Rohr: Ausbeutung und Gesundheitsgefährdung sind üblich, hinzu kommt noch der Zeitdruck. Spielzeug ist Saisonware und weil die Firmen an der Lagerhaltung sparen, müssen zwischen Mai und Oktober häufig in Doppelschichten die erforderlichen Mengen hergestellt werden. Dann werden die Arbeiterinnen gekündigt. Doch häufig führen vorher Erschöpfung und Übermüdung zu Unfällen, und mitunter fallen die Arbeiterinnen dem so genannten "Überarbeitungstod" zum Opfer.

Die Misereor-Aktion zeige inzwischen erste Wirkung, berichtete Karin Rohr: In die Branche kommt Bewegung. Mehrere deutsche Spielwarenfirmen haben sich bereit erklärt, Schritte zur Durchsetzung des ICTI-Kodexes zu gehen. Diesem Vorhaben müsse jetzt mit der Postkarten- Aktion Nachdruck verliehen werden. Die Magdeburger wollen deshalb ihr Engagement zunächst noch bis zur Nürnberger Spielwaren-Messe im Februar 2004 fortgesetzen.

Dass das Wissen über die Bedingungen, unter denen das Spielzeug hergestellt wird, natürlich das Kaufverhalten der Kunden mitbestimmt, ist den Magdeburgern klar, aber: "Wir rufen nicht zu einem Kaufboykott auf", betont Harald Rohr. Das würde nur dazu führen, dass die Frauen in den chinesischen Spielzeugfabriken ihre Arbeitsplätze ganz verlieren.

Kontakt:
Edith Giebson,
Referat Weltkirche
Bischöfliches Ordinariat,
Max-Josef-Metzger-Straße 1, 39104 Magdeburg;
Tel. 03 91 / 5 96 11 84.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 11.12.2003

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