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Aus der Region

Ein Leben im Mitteldeutschen Raum

Besuch im Novalishaus Weißenfels

Die Familien von Hardenberg ist in Weißenfels immer eine Insel geblieben, so schätzt es Ingo Bach vom Literaturbüro NOVALIS ein. Zum einen war es die streng pietistische Prägung der Familie, die sie von den sonstigen Weißenfelsern isolierte, und zum anderen das staatliche Amt, das Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg vertrat. Als Salinendirektor zog er 1785 mit seiner Familie von Schloss Oberwiederstedt bei Mansfeld in das damals kursächsische Weißenfels. Der Grund dafür: Er sollte seinen Wohnsitz in der Nähe der Salinen Dürrenberg, Kösen und Artern nehmen. Friedrich von Hardenberg, der später unter dem Namen Novalis als Romantiker berühmt wurde war zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwölf Jahre alt.
Eine Heimat fanden die Hardenbergs im Haus "Am Kloster" - der Name weist auf die Weißenfelser Klarissinnen hin, die bis zur Reformation an diesem Ort ihr Kloster hatten. Das barocke Gebäude - an das einst die Kirche der Ordensfrauen heranreichte - ist um das Jahr 1700 erbaut worden, berichtet Ingo Bach. In den folgenden Jahren wurde Weißenfels der Ort, von dem Novalis ausging und wohin er immer wieder zurückkehrte.
Sein ganzes Leben spielte sich im mitteldeutschen Raum ab, nie ist er aus diesem Landstrich herausgekommen: Das Luthergymnasiim Eisleben; Studien in Jena, Leipzig, Wittenberg später dann in Freiberg; Besuche in Dresden, Meißen, in der Oberlausitz, im böhmischen Teplitz; geologische Untersuchungen in der Gegend zwischen Borna, Zeitz, Gera und Leipzig; Dienstverhältnisse in Tennstedt, Artern und in Weißenfels selbst ... Dort, in der Stadt an der Saale sollte er schließlich sterben. Nach der Rückkehr von einer Reise nach Dresden - die ihm die letzte Kraft nahm - erholte sich Novalis nicht mehr. Am 23. März besuchte ihn letztmalig sein Freund Friedrich von Schlegel, zwei Tage später, am 25. März 1801 war Novalis tot.
Ingo Bach führt in das vermutliche Sterbezimmer im zweiten Obergeschoss des Hauses. Noch verweist auch hier wenig auf die seit dem 21. März geöffnete Gedenkstätte, in der jetzt eine Büste an den Mann erinnert, der zum Synomym für die romantische Bewegung in Deutschland geworden ist. Für Ingo Bach wird dies Novalis jedoch nicht voll gerecht. Auf der einen Seite steht sein dichterisches Schaffen auf der anderen sein beruflicher Werdegang. So erinnere sich beispielsweise die Mitteldeutsche Braunkohlen AG (Mibrag) mit einem Novalisjahr an Friedrich von Hardenberg, wie Bach berichtet. Seine geologischen Untersuchungen hatten den späteren Abbau im Raum Leipzig erst möglich gemacht. Ob Novalis aber mit den Folgen einer rücksichtslosen industriellen Förderung hätte leben können, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Weitere in der Weißenfelser Gedenkstätte gezeigte Stücke sind unter anderem der Verlobungsring mit Sophie von Kühn - die 1797 starb - sowie Handschriften des Dichters, Philosophen und Naturwissenschaftlers. Im Ring ist die Inschrift "Sophia sey mein Schuz Geist" eingraviert. Er und die Handschriften kamen 1930 nach Weißenfels, als sich die Nachkommen aus finanziellen Gründen vom Novalis-Nachlass trennten. Den Weißenfelser Literaturfreunden geht es vor allem darum, Novalis den heute lebenden Menschen zu erschließen. Eine Aufgabe, der sich auch die Internationale Novalis-Gesellschaft mit Sitz in Oberwiederstedt gestellt hat. Dort wie in Weißenfels finden die Freunde der Romantik heute Orte vor, deren Besuch den Zugang zur Zeit der Romantik erleichtern kann. Zudem soll eine mögliche Aktualität der Romantik für die moderne Welt vermittelt werden. Diese war auch Thema einer Tagung, zu der das Weißenfelser Literaturbüro in dieser Woche eingeladen hatten. In ihr wurde unter anderem seine Bedeutung für das Zusammenwachsen Europas beleuchtet - ausgehend von seiner Schrift "Die Christenheit und Europa".

Bei allen derzeitigen Aktivitäten soll es nach dem 200. Todestag in Weißenfels nicht wieder stumm um Novalis werden. Ingo Bach berichtet, dass es Ziel des Literaturbüros ist, das Haus "Am Kloster" in Etappen zu einem Ort der Literatur und Kultur zu machen. Dass es heute dazu kommen kann, ist auch dem Engagement vieler zu danken, die während der DDR-Zeit die Erinnerung an Novalis lebendig hielten. Insbesondere durch die Ausstellungs- und Sammeltätigkeit des Stadtmuseums war es möglich, beispielsweise den Oberwiederstedt-Hettstedter Novalis-Fundus vor einer möglichen Vernichtung zu bewahren.

Dem 200. Todestag des großen Romantikers ist derzeit auch eine Ausstellung der Leipziger Universitätsbibliothek gewidmet. Zusammengestellt wurde sie von Sophia Manns und Petra Löffler. Ihr Ziel ist es, Novalis im Kreis der Romantiker zu zeigen. "Aus dem umfangreichen historischen Bestand wurden Titel ausgewählt, die Leben, Werk und Zeit des Dichters widerspiegeln", berichtet Sophia Manns. Der Besucher wird in chronologischer Reihenfolge mit Novalis bekannt gemacht. So ist beispielsweise seinen Jenaer Studentenjahren und seiner Beziehung zu Schiller eine gesonderte Vitrine gewidmet, in der unter anderem die Werke Schillers gezeigt werden, mit denen sich Novalis besonders beschäftigte.

Öffnungszeiten:

Novalis-Gedenkstätte Weißenfels:

Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr

und am Wochenende von 10 bis 12 und

von 13 bis 17 Uhr

Schloss Oberwiederstedt bei Hettstedt: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, die Sonderausstellung "Kinder und Kindheit im 18. Jahrhundert läuft noch bis zum 31. Juli.

Universitätsbibliothek Leipzig mit der Sonderausstellung "Novalis im Romantikerkreis" bis 23. Juni:

Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr

Romantikerhaus Jena: Dienstag bis Samstag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr

Das Grab der Familie von Hardenberg befindet sich im Weißenfelser Stadtpark.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 23.03.2001

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