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Bistum Dresden-Meißen

Wieder ein Stück Heimat zurückgegeben

In Dresden finden allein erziehende Mütter Zuspruch, Anerkennung und Hilfe

Dresden -Ziemlich antiquiert wirkt heute der Begriff "gefallene Mädchen". Kurz nach 1945, erzählt Brigitte Görner, war für eine katholische Gemeinde ein solcher Personenkreis kaum existent. Drei Mitarbeiterinnen der Katholischen Fürsorge -Fräulein Lamert, Fräulein Petersmann und Fräulein Eichner -nahmen sich der ledigen Mütter und ihrer Kinder an. Anfang der 70er Jahre ging dieses weite Betätigungsfeld in jüngere Hände über. Es wurde ins Caritassekretariat Dresden integriert. Der damalige Caritasdirektor Hellmut Puschmann betraute Brigitte Görner mit dieser Arbeit an der Basis des Dekanats. Inzwischen hatte sich der Personenkreis gewandelt: Immer mehr allein erziehende Mütter waren geschieden. Auch die Probleme waren andere. Viele Pfarrer waren unsicher im Umgang mit diesen Frauen. Zu Beginn der Arbeit hieß es erst einmal anfragen, wo Betroffene lebten, aus 18 Pfarreien Anschriften sammeln, Hausbesuche machen. Dann folgten Einzelfallhilfe, Erholungs- und Kurangebote, oft auch Hilfe bei der Wohnungssuche und vieles mehr. Außerdem sollte Brigtte Görner unter der fachlichen Anleitung von Diözesanfürsorgerin Margot Stache versuchen, zusammen mit ehrenamtlichen Helferinnen eine Gruppenarbeit für diese Frauen aufbauen. Diesbezügliche Erfahrungen gab es kaum.

Die geschiedenen Frauen fühlten sich in den Gemeinden oft allein gelassen und hilflos. Ihr Selbstvertrauen hatten sie zum Teil verloren. Es galt, ihnen einen Lichtblick und wieder ein Stück Heimatgefühl zu geben. Gemeinsame Treffen, zu denen manch eine anfangs wieder und wieder eingeladen wurde, sollten etwas davon vermitteln. Einmal im Monat konnten sich dabei die Frauen, die daheim und auf Arbeit immer funktionieren mussten, am Samstag an einen gedeckten Tisch setzen. Sie fühlten sich erwartet und angenommen. Themen, die ihnen unter den Nägeln brannten, wurden behandelt. Ehrenamtlich haben viele Jahre lang Studenten aus der Katholischen Studentengemeinde, später Familienväter und ganze Familien sich mit den Kindern beschäftigt, damit die Mütter einmal unter seelsorgerlicher Leitung zu sich selbst kommen konnten. Die vaterlosen Kinder waren von den männlichen Betreuern begeistert. Auch von der gemeinsamen Ferienfreizeit der Gruppe. Nach fünf Jahren war der Kreis so fest und groß, dass ein zweiter aufgebaut werden musste.

Die neue Gruppe blieb offen für alle und ein Durchgang für die Rückkehr in die Gemeinde. Sie verjüngte sich immer wieder. Nun blickt auch dieser Kreis Alleinerziehender schon auf 25 Jahre zurück, eine lange Lebensphase, aus der diese Treffen, die gegenseitigen Gespräche, die gemeinsamen Erlebnisse und die erfahrene Hilfe nicht wegzudenken sind. Viel hatten ihnen die Monatstreffen gegeben: Rat bei Erziehungsproblemen und psychischer Belastung, Anleitung zur Meditation oder Freude bei Spiel und Bastelei. Bilder von zusammen verbrachten Ferientagen sind in ihnen lebendig. Gemeinsam mit Kindern und inzwischen schon Enkeln feiern die Frauen nun ihr Jubiläum in Dresden-Johannstadt, wo am 16. Dezember 1978 alles angefangen hat. Der heutige Kreis hat alle Ehemaligen, alle Gemeindereferentinnen und die geistlichen Begleiter und Begleiterinnen, sofern sie noch am Leben sind, zum Fest eingeladen. Hellmut Puschmann, einer der fördernden Caritasdirektoren der Anfangszeit, betont in seinen Grüßen, wie sehr dieses Projekt Schule gemacht hat. Das Fest -das am 29. November begangen wurde -war auch ein großes Dankeschön, ein Tag mit vielen Gesichtern, mit Musik, Gesprächen, Gedenken und Fröhlichkeit.

Ursula Wicklein

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 11.12.2003

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