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Bistum Magdeburg

Die Impfung muss die Caritas bezahlen

Die allerorten schlechte Finanzlage hat Folgen für das Magdeburger Contact-Café für Arme

Magdeburg (ep) -"Wenn man am Boden ist, bekommt man hier Hilfe", sagt Karin Hannemann. Die 44-jährige allein erziehende Witwe besucht regelmäßig das Contact-Café im Magdeburger Sozialzentrum Mutter Teresa. "So gut, wie die Frauen hier sind, so liebevoll und sorgfältig sie ihre Arbeit tun -ich komme gern hierher", ist die Mutter von fünf Kindern über die Mitarbeiterinnen der Caritas-Einrichtung des Lobes voll. Auch Klaus Werner besucht das Contact-Café regelmäßig. "Vor allem bin ich froh, hier Leute zum Reden zu finden", betont der 58-jährige, der keinerlei Angehörige hat, wie er sagt. "Zu DDR-Zeiten war ich Heizer und Betriebshandwerker und nach der Wende habe ich fünf ABM gehabt, war zum Beispiel Pflasterer und im Zoo tätig", sagt Werner. Nun habe er seit 1998 "nichts mehr gefunden". "Ich lebe in meiner Wohnung, erhalte Sozialhilfe", so Werner. "Ich gehe seit fünf Jahren jeden Mittag hierher."

Täglich 60 Betreuungen im Caritas-Contact-Café

Wie Karin Hannemann und Klaus Werner kommen täglich etwa 25 Personen zum Mittagessen, berichtet Mitarbeiterin Ingrid Matthias. Mit Frühstück und Abendbrot seien es täglich 60 Betreuungen, wobei manche Besucher auch zwei oder gar alle drei Mahlzeiten wahrnehmen. "Viele von ihnen leben allein und suchen den Kontakt", so Frau Matthias. "Es sind vor allem Männer, aber auch allein stehende Muttis mit Kindern. Das Altersspektrum reicht von jungen Menschen bis hoch in die 70. Vielleicht die Hälfte hat keine eigene Wohnung. "Viele nutzen neben den Mahlzeiten auch unsere anderen Angebote wie Duschmöglichkeit oder Kleiderkammer", sagt Frau Matthias.

Kritik übt Frau Hannemann am halbjährlichen Wechsel des Café-Personals: "Wenn Neue kommen, ist man doch erstmal abwartend", sagt sie. Die Mitarbeiterinnen kümmern sich täglich -auch sonntags, Heiligabend oder Neujahr -im Zweischichtsystem um die Besucher. Sie sind weitgehend über Fördermittel wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) angestellt. "Seit diesem Jahr werden die ABM nur noch ein halbes Jahr bewilligt, andernfalls müssten wir als Caritas einen wesentlich höheren Eigenanteil leisten. Dazu sind wir nicht in der Lage", sagt die für das Contact-Café verantwortliche Fachbereichsleiterin Adelheid Bornholdt. "Für unsere Klienten ist es jedoch schwierig, immer wieder Vertrauen zu fassen, und auch jede Mitarbeiterin braucht Zeit, sich mit der Situation der Besucher und auch mit ihren Kolleginnen vertraut zu machen."

Neben öffentlichen Fördermitteln erhält die Einrichtung am Charlottentor 31 zum Beispiel von der Kolping-Ausbildungsküche Lebensmittelspenden. Aber auch Pfarrgemeinden und Privatleute bringen Lebensmittel und gut erhaltene Kleidung kostenlos in die Einrichtung .

Probleme gibt es in anderen Bereichen: Die Mitarbeiterinnen brauchen einen Gesundheitspass und müssen sich zur Vorsorge gegen Hepatitis B impfen lassen und Tuberkulose-Tests unterziehen. "Die Kosten dafür trägt weder das Sozialamt noch eine andere Stelle. Diese müssen wir als Caritas übernehmen. Da kommen bei dem häufigen Personalwechsel große Summen zusammen", so Frau Bornholdt. Zudem fehle es auch am Geld für genügend Hausrats-, Verbrauchs- und Reinigungsmittel. "Wir benötigen dafür dringend Spenden. Eine herzliche Bitte also auch an Ihre Leser!" sagt Frau Bornholdt.

Bei Veranstaltungen werde sie oft damit konfrontiert, die Obdachlosen und sozial Schwachen würden ihr Geld doch in Alkohol umsetzen. Frau Bornholdt: "Ich kann nur sagen: Viele unserer Besucher sind unter anderem auch alkoholkrank, und wir haben nicht das Recht zu richten. Niemand weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn er erlebt hätte, was viele von ihnen hinter sich haben. Die Biografien, die ich höre, lassen mich manchmal erschauern. Man kann Gott nur danken, aus geordneten Verhältnissen zu kommen."

Einsatz für die sozial Schwachen muss bleiben

Sorgen machen der Fachbereichsleiterin nicht zuletzt die allgemeinen Sparzwänge. "Die Unzufriedenheit und Agressivität unserer Klientel nimmt angesichts der Reformen bei der Arbeitslosen- und Sozialhilfe und anderer Maßnahmen zu", beobachtet Frau Bornholdt. "Das darf man nicht unterschätzen." Und auch im Blick auf die direkte Zukunft des Contact-Cafés ist sie besorgt: "Das Café, aber auch die Bahnhofsmission, für die ich ebenfalls zuständig bin, werden auch über eine Komplementärförderung von Arbeitsamt, Land und Kommune sowie Caritas finanziert. Beschließt eine Stelle Kürzungen, kann dies zum Aus für das Ganze führen. Ein Szenario, dessen Folgen nicht absehbar wären und das der Verwirklichung unseres christlichen Auftrages entgegen stehen würde", sagt Frau Bornholdt.

Wer sich informieren und die Arbeit mittragen möchte:
A. Bornholdt, Tel. (0391) 5493310

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 49 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.12.2003

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