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Aus der Region

Den Aufbruch wagen

Bistumsversammlung in Magdeburg

"Es war eine Stunde des Heiligen Geistes." "Lasst uns ein Danklied singen und eine Flasche Sekt öffnen." Diese Aussagen kennzeichnen die Stimmung unter den Mitgliedern der Bistumsversammlung in Magdeburg. 90 stimmberechtigte Frauen und Männer verabschiedeten in dritter Lesung wichtige Dokumente für die künftige Pastoral im Bistum Magdeburg.

Hinter den Abstimmungsergebnissen steht ein dreijähriger Prozess. Wir haben ihn das Pastorales Zukunftsgespräch genannt (PZG). Wir haben diskutiert, gestritten, gebetet, nachgedacht und miteinander gelernt. Ein guter Weg wurde zurückgelegt. Bischof Leo Nowak kommentierte: "Das PZG hat deutlich an Fahrt gewonnen. Wir dürfen mit Freude und Dankbarkeit feststellen, dass wir heute einen Höhepunkt gemeinschaftlichen Tuns für die Zukunft unserer Pastoral erlebt haben. Wir sind noch nicht über den Berg. Papier ist geduldig. Jetzt fängt es eigentlich erst an. Nicht Texte bewegen das Bistum, sondern ergriffene Menschen. Nach dem heute Erlebten dürfen wir die Hoffnung haben, dass die Bewegung Kreise zieht."

Als erste Vorlage wurde das so genannte Leitbild verabschiedet. "Der Hoffnung Raum geben" ist der verheißungsvolle Titel für alle Überlegungen, die künftig für die Seelsorge im Magdeburger Bistum leitend werden. Am meisten gerungen wurde um den so genannten "Kästchentext". Er sollte prägnant herausstellen, was künftig für das seelsorgliche Tun im Bistum Magdeburg zielführend sein soll. Die Positionen und Perspektiven der katholischen Kirche am Beginn des 21. Jahrhunderts für unseren Raum wurden so zusammengefasst:

"Wir wagen den Aufbruch. Wir wollen eine Kirche sein, die sich nicht selbst genügt, sondern die allen Menschen Anteil an der Hoffnung gibt, die uns in Jesus Christus geschenkt ist. Seine Botschaft verheißt den Menschen ,das Leben in Fülle', auch dann, wenn die eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Deshalb nehmen wir die Herausforderung an, in unserer Diasporasituation eine missionarische Kirche zu sein. Einladend, offen und dialogbereit gehen wir in die Zukunft."

Das ist die Zielaussage, auf die sich die Bistumsversammlung geeinigt hat. Zuvor wurde heftig gestritten um die Begriffe Mission und Diaspora. "Wir wagen den Aufbruch", oder wie es in der ursprünglichen Textvorlage hieß "Wir vollziehen eine Wende" -sollte das heißen, früher war alles falsch? Oder wir haben uns zu sehr selbst genügt? Oder wir haben das Geschenk des Glaubens zu sehr für uns selbst behalten? Was ist Diaspora- Mentalität? Was bedeutet Mission und Aufbruch? Diese Fragen erregten die Gemüter. Im Austausch der Argumente wurde klar: Die unter den Bedingungen des sozialistischen Staates gewachsene Mentalität eines Diaspora-Bistums birgt Chancen und Gefahren. Was dort für uns notwendig war, bleibt wertvoll, kann aber nicht für die Gestaltung der Zukunft genügen. Wir dürfen uns nicht auf ein binnen-kirchliches Milieu einengen. Wir haben einen Reichtum, der uns und anderen leben hilft. Das Evangelium ist sinnstiftend für alle Menschen in unserem Land.

Wer davon überzeugt ist, muss es auch bekannt machen. Es geht nicht um neue Mitglieder für die Kirche, es geht aber sehr wohl darum, dass möglichst viele Menschen eine Beziehung zu Jesus Christus finden können. Die "anderen", unsere Mitmenschen, müssen in den Blick kommen. Auch sie haben Sehnsucht nach erfülltem Leben. So müssen wir die Blickrichtung ändern. Verbunden mit Christus gilt es, auf den anderen zuzugehen. Das Evangelium und die Zeitumstände drängen uns, eine missionarische Kirche zu sein. Noch einmal: Das "Alte" war nicht falsch und behält seinen Wert. Zugleich dürfen wir es nicht beim "Alten" lassen. Mühsam wurde diese Veränderung der Blickrichtung von den Delegierten als notwendig erkannt. Zum Schluss gab es eine übergroße Mehrheit für den Leitbildtext.

Gottes Geist hat die Delegierten geführt. Wo erst Sorge aufkam, zwei Lager könnten entstehen, hat sich die Bistumsversammlung als Lerngemeinschaft im Heiligen Geist bewährt. Der Text des Leitbild- Dokumentes schließt: "Wir nehmen den Auftrag an. Als Kirche wollen wir den Menschen unserer Zeit Gott bezeugen. Bei allem Für und Wider menschlicher Existenz und menschlichen Handelns zwischen Zaghaftigkeit und Euphorie, Zukunftsangst und Hoffnung, Können und Unfähigkeit sind wir davon überzeugt: Gottes Geist wirkt auch heute und begeistert Menschen, das Reich Gottes mit zu gestalten."

Willi Kraning,
Leiter der Arbeitsgruppe Kommunikation des PZG

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 49 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.12.2003

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