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Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Die Krippe ist zur Weihnachtszeit aus dem christlichen Wohnzimmer nicht wegzudenken

Faszination Weihnachtskrippe: Ausschnitt aus einer Hauskrippe aus der Sprachinsel Iglau (Sudetenland). Durch Zukauf hat die Krippe heute etwa 500 Figuren.

Sie soll auf den heiligen Franziskus zurückgehen, der im Jahr 1223 in einer Höhle bei Greccio das Weihnachtsfest als Theaterstück inszenierte. Für den einen ist es eine Marotte, für den anderen gehört sie so selbstverständlich zum Fest wie der Braten. Aus dem christlichen Wohnzimmer ist sie während der Weihnachtszeit allerdings kaum wegzudenken: Die Weihnachtskrippe.

Wann die Darstellungen der heiligen Familie am Weihnachtsabend tatsächlich angefangen haben, ist heute schwer zu sagen. Fest steht: Die Bewegung der Krippenverehrer ist global. Sie ist in den chinesischen Missionen ebenso zu finden wie in Afrika, in Spanien, Frankreich und Italien, in Deutschland genauso wie in Österreich. Ganze Industriezweige sind um den Krippenund Figurenbau entstanden: Teure und preiswerte Exemplare sind gleichermaßen erhältlich. Es ist alles zu haben, was das Krippenherz begehrt. Dabei sind die handwerklichen Produkte so bunt und vielfältig wie die christliche Völkerfamilie.

Die Krippe des Asiaten zum Beispiel wird aus Bambusrohr bestehen, diejenige des Peruaners wird die ganze Farbenfreude seines Volkes widerspiegeln. Und der Tiroler wird seine Gestaltungskraft in schmucke, kleine Häuschen, wie sie in der Region üblich sind, legen. Allen gemeinsam ist aber die Idee, das Wunder der Geburt Christi bildlich erlebbar zu machen. Dabei ist es nicht nur die Freude am Gestalterischen oder am handwerklichen Geschick, sondern die Hingabe an jenes Ereignis, die den Erlösungsgedanken in den Mittelpunkt stellt.

Die größten Förderer der Krippenkunst waren die Jesuiten. 1560 erscheint in Coimbra (Portugal) die erste Krippe des Ordens. 1562 stellten sie zum ersten Mal nördlich der Alpen ihre Weihnachtskrippe aus. So legten sie den Grundstein für plastische Kirchenkrippen in Deutschland. Diese Art der Krippen breitete sich in den folgenden Jahrzehnten weiter aus.

Weihnachtskrippen müssen nicht teuer sein

Krippen waren bis zu dieser Zeit ausschließlich Angelegenheit der Kirche, jedoch wurden sie auch immer mehr in Privathäusern, zumeist in führenden Familien des Landes, aufgestellt. Auf ihrem Weg über Residenzen der Könige, Fürsten und des Adels fand sie schließlich auch Einzug in die Bauern- und Bürgerhäuser. Und heute ist die Verehrung der Krippe eher eine Familienangelegenheit. Schon beim Aufbau des Stalls und der Figuren haben sich beeindruckende Rituale entwickelt.

Und eine Krippe muss nicht teuer sein. Einen einfachen Wurzelstall zu bauen, ist nicht besonders schwer. Die ganze Familie kann dabei mithelfen und ihre Phantasie spielen lassen. Idealerweise kauft man die Figuren vor dem Bau der Krippe. Dann kann die Größe der Krippe exakt auf die Figuren abgestimmt werden. Die Höhe der Stalldecke sollte etwa die anderthalbfache Größe der Figuren haben. Zu berücksichtigen sind auch die Platzverhältnisse zu Hause. Entsprechend bemisst sich die Größe der Bodenplatte. Wichtig ist das Licht am Aufstellort. In einer dunklen Ecke kommt die Krippe nicht zur Geltung. Schön und effektvoll wirkt eine elektrische Beleuchtung im Innern des Stalls, die die Figuren gut ausleuchtet. Kabel und Stromquelle (Trafo, Batterie) sollten verdeckt verlegt werden.

Für den Bau einer Krippe braucht man nicht viel -etwas Zeit, eine Grundplatte je nach Platzbedarf, Axt oder Säge, Hammer, Nägel und Holzleim. Die Kinder sollte man von Anfang an mit einbeziehen.

Die Arbeit beginnt mit einem Waldspaziergang, denn das Material sind knorpelige Wurzelstöcke. Sie sollten weder zu frisch noch zu alt sein. Vergessen sollte man auch nicht die Gestaltung der Krippenumgebung: Mit Flechten oder Rindenstücken lassen sich die genagelten Verbindungsstellen der Wurzeln, falls nötig, kaschieren. Moos kann als Bodenabdeckung dienen. Mit Moos bewachsene, kleinere Steine sind sehr dekorativ. Aus kleinen Ästen lassen sich Zäune oder Stege bauen, Sand dient als Streubelag für Wege. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Andreas Schuppert

Buchtipp:
Nenna von Mehart / Walter Spörr:
Weihnachtskrippen bauen;
Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien,
ISBN 3-7022-1580-8;
Preis: 14,90 Euro

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.12.2003

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