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Spezial

Kleines Senfkorn Hoffnung

Internationale Arbeitnehmertagung in Schmochtitz

Die Preisträger des Senfkorn-Preises: Maria Kußtatscher Mayr, Luca Tescaro und Ivan Bonafé aus Südtirol, Gerd Stoppa aus Plauen, Herbert Kintscher aus Essen und Margret und Theo Berger aus Wipperfürth (von links)

Schmochtitz (mh) -In Zeiten allgemeiner Resignation und des Wehklagens wird der Ruf nach Visionen lauter. "Wir können unsere Aufmerksamkeit statt auf alles, was lähmt, auf das konzentrieren, was wunderbar läuft", sagten sich deshalb die Veranstalter der 18. Internationalen Arbeitnehmertagung (IKAT), die in diesem Jahr im Bischof-Benno- Haus in Schmochtitz und damit zum ersten Mal in den neuen Bundesländern stattfand. 70 Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Deutschland, Östereich und der Schweiz sowie der Partnerverbände in Luxemburg und Südtirol gingen fünf Tage lang auf die Suche nach "Visionen und Aktionen im politischen Alltag". Organisiert und finanziert wurde die Tagung von Katholisch-Sozialen Institut (KSI) Köln.

"Anliegen der IKAT war es zu zeigen, dass es innerhalb der Sozialverbände vielfältige Aktivitäten gibt", sagt Hansruedi Humm, einer der Moderatoren der Tagung. Dadurch sollte dann wiederum das Selbstbewusstsein und die Motivation der Teilnehmer gestärkt werden. "Wir wollten ihnen zeigen, dass Veränderungen möglich sind, wenn wir uns zusammen mit anderen zum Handeln entschließen."

Dieses Anliegen setzte die Tagung in mehreren Schritten um: Zunächst wurden 33 in der Praxis bereits bewährte und gelungene Projekte vorgestellt. Anhand dieser Beispiele wurde nach den Kriterien gefragt, die nötig sind, damit ein Projekt gelingen kann. Und mit Hilfe dieser Kriterien wurden schließlich aus den persönlichen Visionen der Teilnehmer neue Projekte und Aktionen entwickelt. Ein Teil von ihnen wird im Anschluss an die Tagung auch in der Praxis umgesetzt. "Arbeit für alle und Gerechtigkeit waren ein wichtiger Gegenstand der Diskussion", sagt Gerd Stoppa, ein Teilnehmer aus Plauen. Die Einbeziehung der osteuropäischen Länder in die Europäische Union, die Überwindung der Armut durch Solidarität, die Verantwortung der Deutschen gegenüber dem Osten Europas und Abstriche am eigenen Wohlstand, nennt er als weitere Gesprächspunkte, die sich aus den Projekten ergaben.

Besonders beeindruckt hat Gerd Stoppa das Engagement von KAB-Mitgliedern in der Schweiz. Sie hatten zusammen mit anderen Organisationen eine Volksabstimmung herbeigeführt, durch die ein Gesetz zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten abgelehnt wurde. Dass nicht immer große politische Aktivitäten nötig sind, zeigte ein anderes Beispiel aus der Schweiz: Die Initiatoren hatten den heute vorherrschenden Unwörtern ("unmöglich", "was das kostet", "man kann nichts machen") eine Liste von Mut-Mach-Wörtern entgegenzusetzen ("wo ein Wille ist ein Weg", "wer wagt, gewinnt" oder " Ausnahmen bestätigen die Regel").

"Der Bogen der vorgestellten Aktionen spannte sich von lokal begrenzten Projekten wie Essen für Bedürftige oder Treffs für Einsame bis zu sehr grundsätzlich angelegten Aktionen, die sich beispielsweise mit dem Abbau von Fremdenfeindlichkeit oder der Finanzierung von Ausbildungsplätzen beschäftigten", berichtet Werner Schmiedecke, ein Teilnehmer aus Dresden. Er selbst stellte sein ökumenisches Netzwerk "Christen streiten für eine gerechtere Verteilung von Erwerbsarbeit" vor. Die sich daraus ergebende Diskussion hatte für Werner Schmiedecke einen dreifachen Effekt: Er nimmt durch die kritischen Anfragen für sein Projekt etwas mit, die Zuhörer erhielten Anregungen für das eigene Engagement und gegenseitig fühlte man sich ermutigt. Ein besonderer Gewinn war für ihn auch das Kennenlernen von Methoden, die helfen können, dass soziale Projekte gelingen, denn: "Oft krankt die Umsetzung guter Ideen an zu geringer Professionalität." Schmiedeckes Fazit: "Die innere Kraft der Sozialverbände wurde spürbar, sozusagen als Gegenpol zu der um sich greifenden Lethargie."

In Gruppen wurden die Projekte besprochen und bewertet. Diese Wertung diente der Ermittlung des Gewinners des Senfkorn- Preises, der seinen Namen vom "kleinen Senfkorn Hoffnung" hat. Er ging an ein Projekt aus Südtirol. Hier verbinden einige junge Leute ihre Jugendgottesdienste mit konkreten Anliegen wie dem Zusammenleben der Religionen oder der Not in afrikanischen Entwicklungsländern. Unter dem Motto "Mit Osteuropa in eine friedvolle Zukunft" planen sie jetzt für den Sommer ein Jugendcamp, zu dem Jugendliche aus Polen nach Südtirol eingeladen werden sollen. "Bisher wurden wir mit unserem Engagement nicht besonders erst genommen", sagt der 22-jährige Ivan Bonafé. Mit der Verleihung des Senfkorn- Preises wird sich das jetzt hoffentlich ändern.

Die Ergebnisse der Tagung sollen auf CD-ROM veröffentlicht werden.

Kontaktadresse:
Katholisch-Soziales Institut,
Selhofer Str. 11,
53604 Bad Honnef;
Tel. 0 22 24 / 95 54 00.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.12.2003

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