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Bistum Erfurt

Die freiwillige Arbeit bricht nicht weg

Ehrenamtliche in der Caritasarbeit trafen sich beim Elisabethtag in Erfurt

Informationen sind für Ehrenamtliche wichtig: Der Bücherstand war deshalb gut besucht.

Erfurt -Unter dem Motto "Zuschauen hilft nicht -Verantwortung ist weltweit" fand am 22. November in der Erfurter Erwachsenenbildungsstätte St. Martin der Elisabeth-Tag statt. Bischof Joachim Wanke eröffnete den Tag für die Ehrenamtlichen in der Diaspora des Bistums Erfurt mit einem Pontifikalamt. Domkapitular Christoph Hübenthal griff in seinem Vortrag die Frage auf, wie "wir die anderen sehen und wie das Bistum weltweit helfen kann". Das internationale Thema sei etwas schwieriger zu vermitteln, meinte Alois Wolf, beim Caritasverband zuständig für die allgemeine soziale Beratung und Gemeindecaritas. Missio und Adveniat seien zwar bekannt, aber für viele doch weit weg. Aus diesem Grunde wurden im Tagesprogramm neben Berichten über Venezuela und Honduras auch regionale Initiativen wie die Tansania- Hilfe Erfurt vorgestellt. Christa Seeboth, Referentin bei der Caritas, betonte, wie wesentlich es sei, die Situation der Menschen plastisch zu sehen. Ohne dabei den Blick für die eigene Umgebung zu verlieren, müssten sich auch die Helfer fragen: "Geht es uns wirklich schlecht?" So sei es gut, den Blick zu erweitern und Projekte wie die Adventsaktion der Caritas in Russland zu unterstützen. Für das Caritas-Sozialzentrum in Omsk spendeten sie während der Tagung 500 Euro und 80 Cent.

Bei den Ehrenamtlichen gab es aber auch kritische Nachfragen, ob denn das Geld und die internationale Hilfe auch immer so ankomme wie gewünscht. Für die meisten der 108 Frauen und zwei Männer stehen ohnehin die Aufgaben in ihrer Gemeinde im Mittelpunkt. Deswegen ist es ihnen wichtig, dass der Bischof kommt, das zeigt ihnen Anerkennung. Der Bischof lobte denn auch ihre Arbeit und verwies auf das Beispiel der heiligen Elisabeth. Die Einstellung der ehrenamtlichen Helferinnen kam in einem Liedtext zum Ausdruck "Dass ich nicht für mich auf Erden bin, dass ich die Liebe, von der ich leb, liebend an andere weiter geb."

Das Ehrenamt ist erstmal Frauensache

Aktiver als manch Junger sind so einige im Saal. Auch wird deutlich, dass Ehrenamt vor allem Frauensache ist: Elisabeth Credo, sammelt seit 15 Jahren in Erfurt auf der Straße und an Haustüren Spendengelder für die Caritas. "Die Frauen engagieren sich in den Gemeinden am meisten", kommentiert sie den Mangel an ehrenamtlichen Männern beim Elisabethtag. "Auch die jungen Leute müssten sich mehr beteiligen. Aber es sind eben die Alten, die Jungen haben keinen Elan. Ich tu das eben, ich muss auch den Mut dazu haben, wenn ich die Leute um Geld für die Sammlung bitte."

Elisabeth Oeser ist eine von fünf "Grünen Damen" an der Zentralklinik in Bad Berka. Der ökumenische Helferkreis kümmert sich um die Patientenbetreuung des Krankenhauses. "Ich versuche eine Brücke zu schlagen zu den anderen Frauen." Das Ehrenamt ist für sie daher auch eine Möglichkeit, Infos aus der Kirche zu bekommen. Ihr ist es ebenfalls wichtig, sich über die Hilfe in anderen Ländern zu informieren. "Dabei bekomme ich Anregungen, wie die Menschen sich einbringen und in welcher Art und Weise sie tätig sind." Zu Hause kümmert sie sich vor allem um Krebspatienten und Herzkranke. "Das Gespräch wird gut angenommen und auch von den Leuten gesucht", beschreibt sie die Notwendigkeit ihres Einsatzes.

Alois Wolf sieht im hohen Altersdurchschnitt kein Grund zur Besorgnis. "Als ich angefangen habe, dachte ich noch drei, vier Jahre, dann haben wir einen Altersdurchschnitt von 80. Ich habe immer das Gefühl gehabt, es überaltert, aber es bricht nicht weg, es kommen immer wieder neue Ehrenamtliche dazu", meint der stellvertretende Caritasdirektor. "Es stirbt seit 20 Jahren nicht aus, das ist ein Phänomen."

Reiner Just

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.12.2003

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