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Bistum Erfurt

"Ein tolles Gemeinschaftswerk vieler"

Die Reformdiskussion in Deutschland war Thema beim Elisabethempfang des Bistums

Treffen mit Tradition: Bischof Joachim Wanke, Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht, Ministerpräsident Dieter Althaus und Erfurts Oberbürgermeister Manfred Ruge.

Erfurt (as) -Termine, Termine, Termine. Viel Zeit hat der Thüringer Ministerpräsident und derzeitige Bundesratspräsident Dieter Althaus (CDU) nicht. Aber immerhin. Er ist gekommen. Zum diesjährigen Elisabethempfang des Bistums Erfurt am 19. November im Bildungshaus St. Martin. Auch wenn der Landesvater gleich wieder weg musste, ist der Empfang für die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden mittlerweile zur "guten Tradition" geworden, wie die Thüringer Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht die Veranstaltung würdigte.

In diesem heißen politischen Herbst steht jeder politisch Verantwortliche unter Stress: Unter Reformstress. Veränderungen der sozialen Systeme, Stärkung der Familien, wirtschaftlicher Aufschwung. Dieter Althaus lässt keinen Zweifel daran, was ihn umtreibt. Besonders die Förderung der Familien und die wirtschaftliche Situation seien die Quellen für Freiheit und Gerechtigkeit, sagte er. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, "der größten Ungerechtigkeit", sei nach wie vor das Hauptproblem. "Der Erfolg der Demokratie wird an ihren sozialen Leistungen gemessen", ist der Ministerpräsident überzeugt und verweist auf die jüngsten Ergebnisse des "Thüringen Monitor", wonach der überwiegende Teil der Bevölkerung im Freistaat für allem die sozialen Leistungen als entscheidendste Voraussetzung für das Vertrauen in die Politik sieht.

Für den Katholiken Althaus nicht überraschend, aber politisch mutig waren die klaren Worte des Ministerpräsidenten zum Schutz des menschlichen Lebens. Die Grenzen der Freiheit lägen da, wo menschliches Leben bedroht sei. Der Mensch sei Mensch von Anfang, "von der Verschmelzung von Ei und Samenzelle bis zum Tod", so Althaus. Wer etwas anderes sage, begebe sich auf die schiefe Ebene, auf der er abrutsche. Politisch mutig war diese Aussage auch deswegen, weil das Europäische Parlament sich nach heftiger Debatte am selben Tag für die umstrittende Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen hatte.

Auch Bischof Joachim Wanke reagierte in seiner Ansprache auf die Signale aus Brüssel und forderte die Politiker auf, alles für den Schutz des menschlichen Lebens zu tun. "Die befruchtete Eizelle trägt von Anfang an das volle Lebensprogramm für die Entwicklung eines Menschen in sich", betonte der Bischof. "Helfen Sie mit, dass die Gesetze, die menschliches Leben schützen, nicht weiter aufgeweicht werden."

Wanke würdigte die Arbeit der Thüringer Enquetekommission "Wahrung der Würde des menschlichen Lebens in Grenzsituationen", die Ende des Monats ihren Abschlussbericht vorstellen wird.

Ausdrücklich begrüßte Bischof Wanke die Reformdiskussion in Deutschland. "Jetzt ist es aber Zeit, dass endlich gehandelt wird." Die Sorge des Bischofs gilt nach wie vor den Familien. Wanke: "Deutschland ist zu einem ärmsten Länder geworden. Es steht unter 191 Staaten an 180ster Stelle in der Skala der Kinderarmut." Angesichts der demografischen Entwicklung würden Staat und Gesellschaft mehr und mehr daran gemessen, was sie zur Entfaltung von Ehe und Familie beitragen. Bei einem Bündnis für die Familie müssten sich Land und Kommunen aktiv beteiligen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.12.2003

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