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Aus der Region

Gott und ein gestohlener Koffer

Assumpta Schenkl sprach in Berlin über ihren Glauben und christliche Mystik

Berlin / Helfta (mh) -"Es war wie ein Blitz", sagt Schwester Assumpta Schenkl. Und dieser Blitz -nämlich die Gewissheit, dass sie Ordensfrau werden soll -traf sie am 12. August 1951 um 16 Uhr. Bis heute kann sich die inzwischen 79-jährige Ordensfrau an dieses Ereignis ganz genau erinnern. Über 50 Jahre später sagt Assumpta Schenkl: "Ich bin mir sicher, dass es sich um eine echte Berufung gehandelt hat." Und: "Es gab Zeiten, in denen es mir schwer gefallen ist, im Kloster zu leben, aber ich habe nie gezweifelt und ich war nie unglücklich."

In der Katholischen Akademie in Berlin lauschten über 200 Zuhörer der Äbtissin, die heute das neu errichtete Kloster Helfta leitet. Am vergangenen Sonntagvormittag stellte sich die Ordensfrau den Fragen von Andrea Fischer. Die Journalistin und ehemalige Bundesministerin moderierte die inzwischen zweite Veranstaltung im Rahmen der Sonntags- Matineen unter dem Motto "Unglaubliche Fragen an gläubige Menschen".

Dass Assumpta Schenkl Ordensfrau geworden ist, hat sie einem Zufall zu verdanken (oder der Fügung Gottes). Angefangen hat alles mit einem gestohlenen Koffer. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam er ihr auf dem Münchner Hauptbahnhof abhanden. Assumpta Schenkl, damals eine junge Frau, war auf dem Weg zum Studium. Obwohl in einem gläubigen Elternhaus aufgewachsen, spielten Glaube und Kirche für sie keine Rolle mehr. Nach dem Kofferdiebstahl völlig mittellos, traute sie sich nicht mehr, das Studium aufzunehmen und entschied sich für eine Ausbildung zur Volksschullehrerin. In dieser Zeit musste sie eine Probestunde zum Thema "Jesus sendet den Heiligen Geist" halten. "Und bei dieser Gelegenheit ist Gottes Geist dann auch zu mir zurück gekommen". Nach den Erfahrungen der Unmenschlichkeit der Kriegsjahre spürt sie nun: Jetzt lebe ich wieder. Als Assumpta Schenkl dann -fünf Jahre später -die Berufung zum Klosterleben fühlt, dauert es noch zwei Jahre, bis sie mit sich selbst ("ich hatte ja meine Pläne für das Leben") und mit ihren Eltern ("ich bin ihr einziges Kind") im Reinen war. "Mir wurde deutlich: Wenn ich diesem Ruf nicht folge, komme ich innerlich nie zur Ruhe."

So einfach die Beschreibung dieses persönlichen Glaubensweges war, so schwierig wurde es bei der eigentlichen Frage der Veranstaltung: "Was ist eine mystische Erfahrung?" hieß das Thema und Moderatorin Andrea Fischer wollte von der Äbtissin aus Helfta, dem Kloster, in dem im Mittelalter drei bedeutende Mystikerinnen gelebt haben, natürlich eine Antwort. "Das Wesentliche ist schwer in Worte zu fassen", sagt die Ordensfrau. "Es geht um eine Erfahrung vom Wirken und Lieben unseres Gottes. Diese Erfahrung macht man aber weder mit den Sinnen noch kann man sie durch Nachdenken mit dem Verstand herbeiführen." Bernhard von Clairvaux beschrieb sie mit den Worten "Mein Herz ist bewegt ..." und er verglich sie mit dem Gefühl der Liebe zwischen Braut und Bräutigam.

Eine mystische Erfahrung lasse sich nicht erzwingen, sie bleibe in der freien Verfügung Gottes, sagt die Äbtissin. "Es gibt große Heilige, die keine solche Erfahrung gemacht haben. Andererseits kann Gott sie aber auch mitten in ein ungläubiges Leben hinein schenken." Für eine mystische Erfahrung kann man sich aber vorbereiten, sagt die Ordensfrau. Und hier hat sie auch für Menschen, die nicht in der Stille eine Klosters leben, sondern in einem hektischen und lauten Alltag zwei Ratschläge: "Setzen Sie sich nicht der ständigen Berieselung mit Lärm und Musik aus. Und nehmen Sie sich täglich etwas Zeit für Stille und Zurückgezogenheit."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.12.2003

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