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Bistum Erfurt

Nur Streiflichter sind möglich

Das Erfurter Stadtmuseum zeigt eine Ausstellung über Meister Eckhart

Auf den Spuren Meister Eckharts: Für die Ausstellung im Erfurter Stadtmuseum muss man sich Zeit nehmen.

Erfurt (tj / tdh) -"Seit dem Kulturstadtjahr 1999 stellen wir in Erfurt kulturelle Ereignisse unter ein Jahresmotto", sagt Joachim Kaiser, ehrenamtlicher Beigeordneter für Kultur in Erfurt. In diesem Jahr war Meister Eckhart das Thema, der im Jahr 1303 als Provinzial des Dominikanerordens nach Erfurt kam. Unter dem Motto "Wege zu Meister Eckhart" gab es verschiedenste Veranstaltungen, unter anderem einen Mediävistenkongress, an dem beide Kirchen beteiligt waren.

Wenig Quellen über Eckharts Erfurter Zeit

Höhepunkt des Meister-Eckhart- Jahres ist eine Ausstellung, die zurzeit im Erfurter Stadtmuseum zu sehen ist. Die Schau mit dem Titel "Wer ist Meister Eckhart?" versucht dem Leben und Wirken des Mystikers nachzugehen.

Im Katalog beschreibt der Erfurter Kirchenhistoriker Professor Josef Pilvousek in seinem Beitrag "Erfurt zur Zeit Meister Eckharts" die besondere Problematik: "Das Thema kann suggerieren, man könne einen Zeitraum von zirka 40 Jahren gründlich darstellen. Favorisiert man eine seriöse Darbietung, muss man gestehen, dass es für eine solche Darstellung viel zu wenig Quellenmaterial gibt."

Dass die Erfurter Zeit Meister Eckhart beeinflusst habe, sei unbestritten. Aber welches Ereignis, welche Eindrücke, welche Begegnungen prägend waren, ist aus dem historischem Stoff allein nicht zu ergründen.

Wenn Hardy Eidam, Direktor des Erfurter Stadtmuseums, seine Besucher zu einem Ausstellungsrundgang empfängt, dann weist er auf dieses Problem hin. Dennoch wird die Schau zu einem besonderen Erlebnis. Sie ist ähnlich einem Kreuzgang angelegt und führt den Besucher an verschiedene Stationen im Leben Meister Eckharts..

Die Ausstellung selbst ist ein informativ-meditatives Gesamtwerk, das den Besucher verblüfft. Die Fußböden sind mit allegorischen Darstellungen bedruckt, es beginnt mit Tambach, dem Geburtsort Meister Eckharts, und der Darstellung eines Gebirgsbaches und reicht bis zu einem Kornfeld, das die reiche Ernte eines Lebens darstellt.

Die historischen Zeugnisse der Ausstellung sind beeindruckend, denn hier kann man neben Meister- Eckhart-Büchern auch alte Folianten von Thomas von Aquin und Albertus Magnus bewundern, Leihgaben aus den Vatikanischen Museen und der Erfurter Amploniana, die man so schnell nicht wiedersehen wird. An den Wänden findet der Besucher Sätze aus dem Werk Meister Eckharts, und in einem Meditationsraum kann man über eine Predigt des Theologen nachsinnen.

In Filmkabinen werden Eindrücke der Städte geboten, an denen Meister Eckhart wirkte. Vom Thüringer Wald über Erfurt, Paris, Straßburg, Köln bis Avignon. Diese Ausstellung wird zu einer Reise in die Vergangenheit, aber auch zu einer Reise in die Innerlichkeit eines jeden Besuchers, der sich darauf einlässt.

Wer sich von dieser Ausstellung führen lässt, der wird verstehen, was Josef Pilvousek zum Schluss seines Katalogartikels schreibt: "Streiflichter einer Epoche, die ganz anders als die heutige ist, wurden aufgezeigt. Manchmal scheint es, als ähnelten sich Verhältnisse und Abläufe, Situationen und Menschen. Es mag stimmen, dass Verhaltensmuster der damaligen Bewohner Erfurts sehr vertraut vorkommen, die Sorgen um die Existenz ähnlich sind."

Einigermaßem problematisch sind die Hörstationen der Ausstellung, die Interpretationen und Auszüge aus dem Werk Meister Eckharts bieten -schweres philosophisches Werk, das sich wohl erst nach längerer Beschäftigung damit erschließt. Hier hätte man sich eine verständlichere Vermittlung gewünscht. Das Meister-Eckhart-Jahr wird am 7. Dezember mit der Verleihung des "Meister-Eckhart-Preises" einen weiteren Höhepunkt finden. Dieser Preis wird von der "Identity-Foundation" an philosophische Autoren vergeben. Die Preisverleihung wird in der Thüringer Staatskanzlei stattfinden.

Die Ausstellung ist bis zum 11. Januar 2004 im Stadtmuseum "Haus zum Stockfisch" Johannesstraße 169, zu sehen.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr,
Donnerstag 11 bis 22 Uhr,
Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr,
Anmeldungen für Gruppenführungen unter
Tel. (03 61) 6 55 56 50

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 24.11.2003

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