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Aus der Region

Etwas Einmaliges

Die Laien in der deutschen Kirche

Dr. Stefan Vesper: Generalsekretär des ZdK

Am 21. und 22. November tagt in Bonn das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Der TAG DES HERRN sprach aus diesem Anlass mit dessen Generalsekretär, Dr. Stefan Vesper:

Frage: Herr Dr. Vesper, regelmäßig begegnen die Leser unserer Zeitung in der Berichterstattung dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Nach wie vor gibt es eine gewisse Unwissenheit, was sich dahinter verbirgt. Was ist das ZdK?

Vesper: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist die Stimme der katholischen Laien, in der Öffentlichkeit und in der Kirche. Zweimal im Jahr kommt unser oberstes Gremium, die Vollversammlung, zusammen. Dazu gehören knapp 100 Vertreter katholischer Verbände, Organisationen, Werke und geistlicher Gemeinschaften sowie jeweils drei Vertreter aus allen Diözesanräten, insgesamt 84 Personen. Außerdem sind 40 Vertreter -meist Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens -hinzugewählt. Das ZdK ist im Vergleich zu anderen Ländern etwas Einmaliges. Eine solch repräsentative Organisation der katholischen Laien gibt es nur in Deutschland. Jeder Katholik bestimmt bei der Wahl des Pfarrgemeinderats die Zusammensetzung der Dekanats- und Diözesanräte und so auch des ZdK mit. Wer außerdem noch zu einem Verband gehört, nimmt auch dort Einfluss auf die Zusammensetzung des ZdK.

Frage: Schlagzeilen macht das ZdK häufig dann, wenn es sich kritisch mit Äußerungen von Bischöfen oder aus dem Vatikan beschäftigt. Sehen Sie hier eine Ihrer Hauptaufgaben?

Vesper: Dieser Eindruck ist falsch und beruht auf einem verzerrten Bild, das wir selbst bedauern. Der weitaus größte Teil unserer Arbeit findet in den Medien weniger Beachtung. Von den etwa 420 schriftlichen Äußerungen des ZdK in den letzten zehn Jahren beschäftigte sich mehr als die Hälfte mit gesellschaftspolitischen Fragen. Themen waren Familie, Bildung, Umwelt oder Wirtschaft. Dann gibt es Äußerungen, die das ZdK selbst oder die von uns veranstalteten Katholikentage betreffen. Und erst dann folgen die Äußerungen zu den von Ihnen angesprochenen Themen. Aber auch diese sind überwiegend positiv, beispielsweise Glückwünsche an den Papst oder positive Erklärungen zu seinen Enzykliken. Neben den etwa 20 positiven Stellungnahmen finden sich dann auch zwei, drei kritische Erklärungen. Diese stehen dann sofort in der Zeitung. Wir bedauern das. Aber hier handelt es sich wohl um ein Gesetz unserer Mediengesellschaft.

Frage: In der katholischen Kirche gibt es ja den Papst und die Bischöfe. Warum müssen sich darüber hinaus noch die Laien zu Wort melden?

Vesper: "Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie das Salz der Erde werden kann." Dieser sehr wichtige Satz ist ein Zitat aus "Lumen gentium" (Nr. 33), der Kirchenkonstitution des letzten Konzils. Papst und Bischöfe sind für unsere Kirche unverzichtbar, aber auch die Laien haben ihre besondere Aufgabe. Für das ZdK ist das eine Verpflichtung und eine ungeheure Chance. Das Konzil spricht den Laien dabei sogar eine Eigenständigkeit zu: In "Gaudium et spes" (43) heißt es, die Laien "mögen aber nicht meinen, ihre Seelsorger seien immer in dem Grade kompetent, dass sie in jeder ... Frage ... eine konkrete Lösung schon fertig haben könnten oder die Sendung dazu hätten. Die Laien selbst sollen vielmehr im Licht christlicher Weisheit und unter Berücksichtigung der Lehre des kirchlichen Lehramtes darin ihre eigene Aufgabe wahrnehmen." Ein Bereich, in dem sich diese Verantwortung der Laien und ihre Eigenständigkeit besonders darstellt, ist die Arbeit in den Parlamenten.

Frage: Können Sie dafür ein Beispiel nenne?

Vesper: Ich erinnere an die Debatte um den Schutz embryonaler Stammzellen. Der Gesetzesantrag, der vor zwei Jahren im Bundestag verabschiedet wurde, ist nur deswegen zustande gekommen, weil sich katholische Laien aus dem Zentralkomitee stark dafür eingesetzt haben, dass man verantwortlich mit embryonalen Stammzellen umgeht.

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 24.11.2003

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