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Aus der Region

Theologie leistet an der Uni ihren Beitrag

Erfurter Theologen feiern Patronatsfest / Zisterzienserin erhält Preis

Begrüßung per Handschlag: Prodekan Professor Michael Gabel (Mitte) und Fachschaftssprecher Sebastian Berndt (links) heißen die neuen Studenten willkommen. Erfurt (ep) -Ein positives Resümee der bald einjährigen Zugehörigkeit der Theologischen Fakultät Erfurt zur Universität der thüringischen Bischofsstadt hat der Dekan der Fakultät, Professor Benedikt Kranemann, gezogen. Beim traditionellen Patronatsfest Albertus Magnus sagte der Hochschullehrer, die Fakultät sei "auf einem guten Weg, ihre eigenen wissenschaftlichen Ambitionen in der Universität zur Sprache zu bringen und ihren Beitrag zu leisten zum Campus Erfurt". So sei im Sommer das Interdisziplinäre Forum Religion an der Universität aus der Taufe gehoben worden.

Interdisziplinären Dialog aufgenommen

Es soll Lehrenden und Studierenden ein Plattform bieten, gemeinsam an Fragen der Religion arbeiten zu können. Die Ringvorlesung "Religion und Gewalt" des letzten Wintersemesters und die jetzige Ringvorlesung "Heilige Schriften" seien erste Ergebnisse der Zusammenarbeit. Bereits weithin gelungen, so Kranemann weiter, sei die Überführung der theologischen Bibliothek in die Universitätsbestände.

Mit dem Präfekten der vatikanischen Bildungskongregation, Erzbischof Zenon Kardinal Grocholewski, nahm am Patronatsfest ein hoher Gast teil, der sich in den letzten Jahren in Rom sehr für die Integration der Theologie in die Erfurter Universität engagiert hat, wie Kranemann und auch der für die Fakultät verantwortliche Ortsbischof Joachim Wanke betonten. "Wir wären heute nicht da, wo wir stehen, wenn Sie nicht maßgeblich dazu beigetragen hätten", so Kranemann zu Grocholewski.

Kardinal erinnert an Demütigungen

Der Kurienkardinal, der am Morgen der Eucharistiefeier zum Patronatsfest im Dom vorgestanden hatte, erinnerte daran, wie zu kommunistischer Zeit in den Ländern des Ostens die Theologischen Fakultäten "gedemütigt und verletzt" wurden. "Gedemütigt", so der Präfekt der Bildungskongregation, indem sie "von den Universitäten verbannt" und als angeblich "wissenschaftsfeindlich der Lächerlichkeit preisgegeben" wurden, "verletzt", in dem man versuchte, sie zu instrumentalisieren, und sie in ihrer Handlungsfähigkeit etwa im Blick auf wissenschaftliche Arbeit in ausländischen Forschungszentren massiv beschnitt. "Ich bin überzeugt", so der Präfekt, "dass die Theologische Fakultät der Universität Erfurt angesichts der noch nicht überwundenen geistigen Verwüstungen besonders in diesem Teil Deutschlands nicht enttäuschen" und ihren Beitrag leisten wird, damit sich Europa wieder auf seine christlichen Ursprünge besinnt.

Den diesjährigen Förderpreis der Fakultät von 500 Euro für eine hervorragende Diplomarbeit erhielt die Zisterzienserin Elisabeth Gäbler aus der Abtei St. Marienstern. Der Preis wurde vom designierten Vorsitzenden des Förderkreises der Fakultät, Ralf Schwenken, überreicht. "In überzeugender Weise" habe die Schwester mit Hilfe vorhandener Quellen des Klosters zisterziensische Osterprozessionen hinsichtlich ihrer Struktur, Bedeutung und Überlieferung untersucht und dabei "wissenschaftliches Neuland" betreten.

Die am 4. Dezember vor 40 Jahren verabschiedete Liturgiereform kann und muss im Kontext mehrfacher neuzeitlicher Reformen des Gottesdienstes betrachtet werden. Darauf wies im Festvortrag, den traditionell der amtierende Dekan (der Rektor) der Fakultät hält, der Liturgiker Kranemann hin. Liturgiereform sei ein Vorgang, der den Gottesdienst von seinen Anfängen an begleite. Auch heute müssten neue kulturelle Phänomene, aber auch "ein gewandeltes rituelles Verhalten, das nicht nur das tradierte, sondern auch das kreierte Ritual pflegt, als Herausforderungen wahrgenommen werden". Zudem müsse mehr denn je an der muttersprachlichen Liturgie gearbeitet werden, die "immer auch ein Übersetzen des Evangeliums" sei.

"Bachelorisierung" der Theologie

Kritik an praktischen Konsequenzen aus der Integration der Fakultät in die Universität kam von Fachschaftssprecher Sebastian Berndt. Der Diplomtheologe im 9. Semester bedauerte es, dass in den Räumen der Fakultät in der Domstraße nun nicht einmal mehr ein Lexikon für Theologie und Kirche greifbar sei. Sämtliche Bücher, und zwar nicht nur aus der früheren Hochschulbibliothek, sondern auch aus den bisherigen Seminarräumen, seien in den Fundus der Universität auf dem Campus übergegangen. Wie Dekan Kranemann dem TAG DES HERRN dazu sagte, soll nach notwendigen Umbauarbeiten eine neue Handbibliothek in der Fakultät eingerichtet werden. Kranemann wies auch Berndts Kritik zurück, eine zunehmende "Bachelorisierung" (Bachelor -akademischer Grad) des Theologiestudiums weg vom Diplom-Abschluss werde zu einer unzureichenden wissenschaftlichen Ausbildung führen, zumal sich ein Magisterstudium anschließen könne. Zugleich bestätigte der Dekan, dass der Vatikan dem Bologna- Prozess beigetreten ist, der eine Vereinheitlichung der Studienabschlüsse in Europa anstrebt.

Derzeit studieren 175 Frauen und Männer an der Fakultät im Diplom-Studiengang, in der Ausbildung zum Religionslehrer oder als Doktoranden. 33 der 175 Studierenden haben neu begonnen, darunter in diesem Jahr nur ein Priesteramtskandidat.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 24.11.2003

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