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"Versuchen zu helfen, wo wir können"

Aus der Arbeit des Hilfswerkes Unsere kleinen Brüder und Schwestern

Karlsruhe (es) -Elternlosen Kindern ein liebender Vater zu sein, ist seit 50 Jahren die Lebensaufgabe von Padre William B. Wasson. Er und seine Mitstreiter nehmen Kinder auf, die keine Familie mehr haben, die für sie sorgt. Viele Kinder mussten unter den körperlichen und seelischen Misshandlungen der Eltern leiden.

Das Werk von Padre Wasson braucht engagierte Mitarbeiter. Einer von ihnen ist der 27-jährige Andreas Richter aus Dresden. Er hat seinen 15-monatigen Zivildienst im Kinderheim Rancho Santa Fé in Honduras geleistet. "Ich übte sehr verschiedene Tätigkeiten nebeneinander aus. Ich half eine Datenbank aller unserer Kinder zu erstellen, bemühte mich um ein Müllrecyclingprojekt und gab interessierten Jugendlichen und Betreuern Deutschunterricht. Meine Hauptaufgabe war jedoch, Nachhilfeunterricht für Schüler der dritten und vierten Klasse zu geben" berichtet Andreas Richter.

Unsere kleinen Brüder und Schwestern nahm 1954 durch einen Zwischenfall seinen Anfang. Padre Wasson war in seiner ersten Gemeinde in Cuernavaca, 110 Kilometer südlich von Mexiko- Stadt beschäftigt. Aus seiner kleinen Kirche "Jesus von Nazareth" wurde eines Tages das gesammelte Opfergeld aus der Sakristei gestohlen. Der Dieb konnte geschnappt werden und wurde ins Gefängnis gebracht. Stolz führte man ihn Padre Wasson vor, der einen erwachsenen Mann erwartete. Stattdessen fand er aber einen verwahrlosten, halb verhungerten kleinen Straßenjungen. "Padre, sollen wir ihn durch die Mangel nehmen, dass er redet?", fragte der Polizeichef. Von Mitleid erfüllt sagte Padre Wasson: "Nein, lassen Sie nur. Ich kümmere mich um ihn." Er nahm den Jungen bei der Hand und brachte ihn zu sich nach Hause. Zum ersten Mal war jemand freundlich zu ihm und jagte ihn nicht fort. Für Padre Wasson war klar, dass dieses Kind keine Strafe nötig hatte. Ihm fehlte Liebe, Geborgenheit und eine Person, die sich wirklich um ihn kümmert, eine Familie eben. Nach drei Tagen verriet der Junge von sich aus, wo er das Geld versteckt hielt. Selbst die Polizei war überrascht über seinen schnellen Sinneswandel und brachte noch weitere acht Jungen in die Obhut und Fürsorge von Padre Wasson.

Schon bald war ein Name gefunden: Nuestros Pequenos Hermanos, zu Deutsch: Unsere kleinen Brüder und Schwestern. Padre Wasson bezog sich dabei auf den Vers in der Bibel in Matthäus 25,40: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Heute leben in den Kinderheimen in Mexiko, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Haiti fast 3000 Kinder. Seit Gründung sind rund 15 000 Kinder in dieser riesigen Familie aufgewachsen. Finanziert wird das enorme Werk aus Spenden und privaten Zuwendungen. Die größte Hilfe kommt dabei von zahlreichen Förderern aus Deutschland und Institutionen wie beispielsweise dem Kindermissionswerk in Aachen.

Padre Wasson: "Alles, was wir haben, bekommen wir geschenkt: Grundstücke, auf denen unsere Heime stehen, Möbel, Nahrungsmittel, Kleider und Schulsachen. Pro Tag brauchen wir rund 3 000 Euro, nur um unsere hungrigen Schützlinge satt zu bekommen. Täglich werden es mehr Kinder. Wir versuchen zu helfen, wo wir können, doch unsere Kinderheime platzen aus allen Nähten."

Jedes Kind hat sein eigenes Bett und bekommt eine gute Schulausbildung. Einige schaffen es bis zum Studium. Nach der Ausbildung arbeiten die jungen Erwachsenen ein Jahr für die Gemeinschaft. Viele der ehemaligen Heimkinder leben jetzt selbstständig und haben sich eine eigene Existenz aufgebaut. Für andere bietet das Heim einen Arbeitsplatz in der Schule, Landwirtschaft oder in einer der Krankenstationen. In allen Heimen sieht und spürt man, dass die christliche Nächstenliebe gelebt wird. Eigen- und Mitverantwortung werden vermittelt und praktiziert. Dabei leisten Freiwillige aus Europa und Amerika einen wichtigen Dienst. Sie tragen als Betreuer, Erzieher, Logotherapeuten, Landwirtschaftsfachleute, Krankenschwestern, Apotheker und Ärzte zum Erfolg bei.

Informationen:
Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V
Ritterstr. 9
76137 Karlsruhe,
Tel.: 0721 - 40 74 35

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 17.11.2003

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