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Bistum Görlitz

Bonifatius gegen Harry Potter

Görlitzer Kinder erfuhren, "wie der Glaube zu uns kam"

Bonifatius und seine kleinen Gefährten: Spielerisch lernten die Kinder das Leben des Apostels der Deutschen kennen.

Görlitz (mh) -Einer harten Konkurrenz musste sich am 8. November der heilige Bonifatius in Görlitz stellen. Während die Innenstadt am Erscheinungstag des fünften Harry-Potter- Bandes ganz im Zeichen des jugendlichen Zauberlehrlings stand, hatte sich Bonifatius im Saal der Jakobusgemeinde eingefunden und immerhin rund 40 Mädchen und Jungen angelockt. Gemeinsam wollten sie Antworten auf die Frage suchen, "wie der Glaube zu uns kam". So hieß das Thema des inzwischen traditionellen Schülertags, der um das Fest Allerheiligen herum stattfindet und zu dem die Kinder der Görlitzer Pfarrgemeinden und ihre Freunde eingeladen sind.

"Wir wollen an diesem Tag jeweils einen besonderen Menschen kennen lernen", sagt Gemeindereferentin Gabriele Kretschmer, die den Schülertag zusammen mit einem kleinen Team vorbereitet hat. Nach der heiligen Hedwig, dem heiligen Philipp Neri oder dem Görlitzer Mystiker Jakob Böhme stand in diesem Jahr Bonifatius, der Apostel der Deutschen, im Mittelpunkt. Für die Kinder hieß das, eine Zeitreise 1250 Jahre zurück zu unternehmen. Dort begegneten sie Bonifatius, der eigentlich Winfried hieß, aus England stammt und mit zahlreichen, teilweise auch gescheiterten missionarischen Aktivitäten im Gebiet des heutigen Mitteldeutschlands den Grundstein für den christlichen Glauben legte. Am 5. Juni 754 erlitt er mit seinen Gefährten in Friesland den Märtyrertod.

Mit viel Engagement spielte Klaus Zielonka den Bonifatius. Er ist selbst Vater und deshalb ist es ihm wichtig, dass den Kindern aus christlichem Geist heraus Alternativen zu den sonst oft flachen Freizeitbeschäftigungen angeboten werden. Genau das will Gabriele Kretschmer. Allerdings bedauert sie, dass das offenbar nicht alle Eltern so sehen. "Wir könnten heute viel mehr sein", sagt sie. "150 Einladung haben wir verschickt, aber nicht immer sind wir bei den Eltern auf offene Ohren gestoßen", bedauert sie.

Die Kinder, die dabei waren, haben es nicht bereut, so wie der siebenjährige Lennard, der am nächsten Tag getauft wurde. Ihm haben am besten die Puzzle- Spiele zwischendurch gefallen. Hier mussten die Kinder Bilder beziehungsweise Briefe zusammensetzen, in denen Bonifatius über seine Erfolge und Misserfolge nach Hause berichtete. Schließlich stand Lennard dann auch mit anderen Kindern und mit Bonifatius auf der Bühne. Zusammen spielten sie die Ermordung des Missionars in Friesland. Dass Lennard dabei einen ebenfalls ermordeten Gefährten des Heiligen spielen musste, machte ihm nichts aus.

Die Spielszenen ließen nicht nur die historische Gestalt des Bonifatius lebendig werden, sie vermittelten den Kindern auch allgemeines und christliches Grundwissen: Was bedeutet Mission? Was ist ein Märtyrer? Wie sah das Leben im Mittelalter aus? Welche Bedeutung hatten die Klöster damals?

Am Nachmittag ließen die kleineren Kinder die Welt des Bonifatius noch ein bisschen lebendiger werden: Aus Karton und Naturmaterialien bastelten sie eine kleine Welt, in der Bonifatius lebte. Die Größeren erfuhren, was nach 1250 Jahre aus dem geworden ist, was Bonifatius grundgelegt hat. Sie lernten die Struktur der Kirche in Deutschland kennen, beschäftigten sich mit den einzelnen Bistümern und ihren Bischöfen, besonders natürlich mit dem Heimatbistum Görlitz und seinen Besonderheiten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 17.11.2003

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