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Bistum Dresden-Meißen

Gemeinsam jeden Tag erleben

Das Ehepaar Helmut und Maria Scheibe in Gera freuen sich auf die neue Elisabethkirche

Von Südtirol nach Ostthüringen: Helmut Scheibe lernte seine Frau während des Zweiten Weltkrieges in Südtirol kennen. Nach der Hochzeit schenkt er ihr ein Bild, das ihre Heimat zeigt.

Gera (jak) -Eine gute Ehe führt immer nur ein Mann, der zu Hause etwas liederlich ist, meint Helmut Scheibe schelmisch -so hatte es ihm jedenfalls einmal ein Arbeitskollege geraten -,denn der "Liederliche" ist zufrieden mit dem, was seine Frau tut, ein Ordnungsfanatiker hingegen kann nie von seinen Vorstellungen lassen -Streit ist vorprogrammiert. Über 50 Jahre sind sie nun schon verheiratet: Helmut und Maria Scheibe, die zum Urgestein der Pfarrgemeinde St. Elisabeth Gera zählen. Sie haben zwei Kinder und sieben Enkel -drei in Gera und vier in Bayern. Die Scheibes prägen bis zum heutigen Tag das Leben der Pfarrei mit. Maria Scheibe ist im Caritashelferkreis tätig, bis nächstes Jahr zumindest, dann werden die 40 Jahre voll. Sie erinnert sich noch an die Anfangszeit bei den Elisabethfrauen: Über 100 Leute wollten damals beim Seniorentreffen versorgt werden. Dazu kam ihr jahrzehntelanges Engagement für ältere Menschen in der Nachbarschaft, denen es oft am Nötigsten fehlte. Die Liste der Aktivitäten von Helmut Scheibe ist lang: Unter anderem war er lange Jahre im Pfarrgemeinde- und im Kirchenrat tätig. Und im Ruhestand dann einige Zeit im Caritaskreis.

Kennen gelernt haben sich die Eheleute in Südtirol, der Heimat von Maria Scheibe. Ihr heutiger Mann war damals als Soldat auf einen Außenposten versetzt worden. Dort nahm er den Kontakt zum katholischen Pfarrer auf, dem Bruder von Maria, die mit 17 Jahren als Pfarrhelferin zu ihrem Bruder gekommen war. Helmut Scheibe lernte sie näher kennen und lieben, Maria ging es ebenso. Und die vielen Gespräche mit dem Pfarrer und später mit dem Seelsorger im Kriegsgefangenlager führten dazu, dass sich Helmut Scheibe entschloss, katholisch zu werden.

Bis zur Hochzeit sollte aber noch einige Zeit vergehen. Bis 1947 dauerte die Kriegsgefangenschaft und geheiratet wurde 1950. Zur Hochzeitsreise machte sich das junge Paar auf nach Rom. Wohnung fanden die Eheleute im mütterlichen Haushalt in der Geraer Wiesestraße -Helmut Scheibes Vater starb bereits im Ersten Weltkrieg. Rückblickend erinnert sich Maria Scheibe: "Ich habe mich eigentlich nie fremd gefühlt, auch mit den Kontakten ging es sehr schnell." So wurde die Gemeinde St. Elisabeth beiden zur geistigen Heimat. Nach den vielen Festen, die sie hier in der Gemeinschaft der Gläubigen gefeiert haben, freuen sie sich jetzt auf die Weihe der neuen Elisabethkirche am 15. November durch Bischof Joachim Reinelt. Diesen Tag bewusst zu begehen, passt zu ihrem Leben: "Das Wichtigste und Schönste ist es, gemeinsam alt zu werden, gemeinsam jeden Tag zu erleben."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 17.11.2003

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