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Bistum Erfurt

Behinderte Menschen wollen Teilhabe

Caritas-Fachtagung im europäischen Jahr der Behinderten

Die Zukunft der Schwächsten sichern: Thüringens Sozialminister Klaus Zeh (CDU), Dritter von links, im Gespräch mit Fachleuten in der Behindertenarbeit.

Erfurt / Heiligenstadt (cpd) -Unter dem Titel "Professionalität, Spiritualität, Ökonomie -Behindertenhilfe in Thüringen auf dem Prüfstand von Caritas und Wissenschaft" fand am 23. Oktober eine Fachtagung in den Eichsfelder Werkstätten statt, zu der knapp 100 Teilnehmer der Einladung von Caritas und Katholischem Forum nach Heiligenstadt gefolgt waren. Bei der Bildungsveranstaltung im "Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen" standen drei zentrale Forderungen im Mittelpunkt: Menschen mit Behinderung wollen Teilhabe, keine ausgrenzende Fürsorge. Sie wollen Gleichstellung, kein Mitleid. Sie wollen Selbstbestimmung, keine wohlwollende Bevormundung.

Den Auftakt bildeten Fachvorträge unter dem Leitwort: "Für eine Kultur der Achtsamkeit". Professor Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Fachhochschule Berlin widmete sich ethischen Fragestellungen und Professor Gerd Grapp von der Fachhochschule Jena hatte die Professionalität im Blick. Als guter Kenner der Ökonomiefragen erwies sich Bernhard Sackarendt vom St.-Vitus-Werk aus Meppen. Brisanz erhielt die Tagung auch durch das Gesetz zur Neustrukturierung der Sozialhilfe, welches vom Thüringer Landtag im Mai diesen Jahres beschlossen wurde. Zuständig für die Eingliederungshilfe sind nun die Kommunen, also Städte und Landkreise als örtliche Träger der Sozialhilfe. "Damit entsteht der Eindruck einer radikalen Veränderung in den finanziellen und sozialpolitischen Grundlagen", hieß es in der Einladung. In einer Zeit großer Verunsicherung erschien es den Veranstaltern sinnvoll, die eigene Arbeit auf den Prüfstand zu stellen und die Notwendigkeit von neuen Konzeptionen und langfristigen Planungen zu diskutieren.

Angst vor schlechterer Versorgung

Auf dem abschließenden Podium zu den Auswirkungen der Kommunalisierung stellten sich Sozialminister Dr. Klaus Zeh, Caritasdirektor Bruno Heller, der Eichsfelder Sozialdezernent Eberhard Liesaus und die Einrichtungsleiter Bernhard Sackarendt und Erhard Monecke den Fragen der Teilnehmer. Unter den Fachleuten gab es darüber Unzufriedenheit, dass sich gerade im Jahr der Behinderten im Land Thüringen scheinbar einiges zum Schlechteren wendet. Beispielsweise wurde seit Jahren an einer Landesrahmenvereinbarung über Standart und Qualität der Leistungstypen in der Behindertenhilfe verhandelt. Doch der hart errungene Kompromiss könnte schon bald Makulatur sein, weil die kommunalen Spitzenverbände diese Verhandlungsergebnisse als zu hoch erachten. Über die Auswirkungen der Kommunalisierung äußerten sich Caritasdirektor Heller und Vertreter der Einrichtungen insgesamt abwartend-kritisch. Heller fürchtet, dass es mittelfristig immer schwerer werden wird, engagierte, gut ausgebildete Mitarbeiter im Bereich der Behindertenhilfe zu beschäftigen. Hintergrund sind finanzielle Engpässe, die sich bundesweit auftun. Ziel der Tagung war die Förderung einer "Kultur der Achtsamkeit", denn die Schlagworte Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung können nur mit Leben erfüllt werden in einem Umfeld der Achtsamkeit.

Die Referate im Internet: www.dicverfurt.caritas.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 10.11.2003

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