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Bistum Erfurt

Maßlosigkeit und Egoismus beklagt

Männerwallfahrt nach Klüschen-Hagis

Klüschen Hagis (ep) - Zunehmende Maßlosigkeit und um sich greifenden Egoismus im Großen wie im Kleinen hat Bischof Joachim Wanke bei der diesjährigen Männerwallfahrt am Himmelfahrtstag beklagt. Es sei ein "typisches Kennzeichen unserer Zeit", dass das Gespür für das Einhalten von Grenzen immer mehr verloren geht. "Das fängt im Umgang der Einzelnen untereinander an, mit dem, was man das Einhalten guter Sitten und Gepflogenheiten nennt. Und das hört im Großen auf: mit dem Schutz des Lebens im Mutterleib und der Achtung des Lebensrechtes alter Menschen", so der Bischof vor gut 10 000 Wallfahrtsteilnehmern im eichsfeldischen Klüschen Hagis.

Der Bischof kam in seiner Predigt auch auf die in der Gesellschaft immer mehr verbreitete sexuelle Freizügigkeit zu sprechen: "Es ist für eine Gesellschaft und für die Beziehung der Geschlechter tödlich, wenn wir Sexualität von Verlässlichkeit, von Treue, von der Bejahung der Lebensweitergabe abkoppeln." Auch wenn beinahe jeder Fernsehfilm das Gegenteil propagiere, so der Bischof, sei es "noch immer richtig, dass die volle Geschlechtsgemeinschaft zwischen Mann und Frau in die Ehe gehört". Christen sollten in dieser Hinsicht ruhig ein bisschen "altmodisch" sein, weil das Festhalten an guten, bewährten Sitten das Leben "menschlicher" mache und "die angestrengte Jagd nach Lustgewinn um jeden Preis das Gesicht verzerrt". Der Bischof äußerte sich "bestürzt" da-rüber, dass unter Eichsfelder Jugendlichen, "auch aus unseren kirchlichen Familien, der Alkohol die Droge Nummer 1 ist". "Noch mehr bestürzt" sei er aber darüber, dass es "manchmal Eltern nicht mehr wagen, ihren Halbwüchsigen Grenzen aufzuzeigen, Grenzen, mit denen sie sich auseinandersetzen können, ein Maß, an dem sie wachsen könnten".

Ausdrücklich lobte der Bischof die kürzlich von Bundespräsident Johannes Rau gehaltene Rede zum Thema "Wird alles gut? Für einen Fortschritt nach menschlichem Maß". Der Bundespräsident habe darin angesichts der rasanten Fortschritte in den Bio-Wissenschaften klare Orientierungshilfen für den Umgang mit menschlichem Leben gegeben, die er nur unterstreichen könne. Fortschritt müsse an den Maßstäben des Menschlichen gemessen werden. Maß aller Menschlichkeit einschließlich des Fortschritts müsse es sein, "auf die Liebe zu setzen".

"Auf die Liebe setzen", so war auch die Wallfahrt als ganze überschrieben. "Auf die Liebe zu setzen, das heiße, "sich Grenzen setzen", "sein Gesicht zeigen" und "der Liebe Gottes trauen". Auf die Liebe zu setzen bedeute, sich dort, wo es auf tragfähige Brücken zwischen Menschen ankommt, ins Herz schauen zu lassen. "Spannend und letztlich menschlich wird Leben erst dort, wo ich mich auf Mitmenschen einlasse, auf Aufgaben und Ziele, die mich wachsen lassen, auf eine partnerschaftliche Liebe, die mich im anderen mich selbst, mein Glück finden lässt." Gesicht zeigen heiße aber auch, in einem Land wie Thüringen "lebendiges missionarisches Zeugnis" vom Glauben an Jesus Christus zu geben. All dies aber setze Vertrauen auf Gottes Liebe voraus. Wer mit Jesus um die Auferstehung weiß, werde sich auch von den schlimmsten Lebenslasten nicht fixieren und völlig unterkriegen lassen, sondern auf Ostern hoffen.

Musikalisch wurden Gottesdienst und Feierstunde vom Chor der Heiligenstädter Pfarrei St. Gerhard und der Kefferhäuser Blaskapelle gestaltet. Bei der Durchführung der Wallfahrt halfen Männer aus Beuren.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 22 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 31.05.2001

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