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Bistum Magdeburg

Kleine Gemeinde feierte große Tradition

750 Jahre Zisterzienserinnenkloster und katholische Gemeinde Hedersleben

Auf die Gemeinde ist Verlass: Diakon Jürgen Schmutzer (Foto halb links) mit engagierten Mitglieder der Pfarrei vor der Hederslebener Klosterkirche (Turm).

Hedersleben (ep) -Mit der Einweihung eines Gedenksteins, der Eröffnung einer ständigen Ausstellung und einem Festgottesdienst haben die katholischen Christen in Hedersleben das 750. Jubiläum der Gründung des Zisterzienserinnenklosters und der katholischen Gemeinde ihres Ortes gefeiert. Zudem fanden Begegnungstage mit evangelischen Christen und mit der Partnerund den Nachbargemeinden statt. Am eigentlichen Stiftungstag des Klosters, dem 17. Oktober, waren Äbtissin Assumpta Schenkel aus dem Zisterzienserinnenkloster Helfta und die Benediktiner der Huysburg eingeladen. Am Abend versammelte sich die Gemeinde zu einem so genannten Gertrudismahl, bei dem nach der Überlieferung Brot und Wein gereicht werden, wie der in Hedersleben verantwortliche Diakon Jürgen Schmutzer berichtete. Das Kloster wurde bei seiner Errichtung auf das Patronat der Ordensfrau und Äbtissin Gertrud von Nivelles († 17. März 659) geweiht.

Hedersleben ist einer der wenigen Orte im Bistum Magdeburg, an dem über viele Jahrhunderte hinweg und auch in nachreformatorischer Zeit immer katholischer Gottesdienst gefeiert wurde. Der alte Turm jedenfalls gibt Zeugnis davon.

"Das ist typisch Hirsauer Stil, der Turm stammt vermutlich aus dem 11. Jahrhundert, die Fundamente sind möglicherweise noch älter", sagt Diakon Schmutzer, der vor seinem geistlichen Amt Historiker war. Das Kirchenschiff jedoch wurde im 19. Jahrhundert -wenn auch fünf bis sieben Meter kürzer -auf Kosten des preußischen Königs vermutlich auf den alten Fundamenten neu aufgebaut. Grund: Nach der Aufhebung des Klosters durch Hyronimus Napoleon 1810 (Säkularisation) und Kauf des Klostergutes durch einen Halberstädter jüdischen Kaufmann wurde das Kirchenschiff abgerissen.

"Die katholischen Christen von Hedersleben sollten nach Adersleben zum Gottesdienst gehen, wo eine katholische Pfarrei bestehen gelassen wurde. Doch die Beamten, die diese Maßnahmen überwachten, irrten, weil sie annahmen, dass nur einen Kilometer entfernte Wegeleben sei Adersleben. In Wirklichkeit liegt Adersleben immerhin acht Kilometer von Hedersleben weg", weiß Diakon Schmutzer. Um diesen Irrtum wieder gutzumachen, lies Preußen auf Staatskosten den Katholiken vermutlich aus den alten Steinen wieder ein Kirchenschiff errichten. Das Gotteshaus wurde 1846 benediziert. Vorher wurde im Turm Eucharistie gefeiert. Die beiden letzten Zisterzienserinnen starben 1854/55 in Hedersleben.

"Zuvor hatten im 18. Jahrhundert die Zisterzienserinnen den evangelischen Christen im Ort auf dem Klostergelände eine eigene Kirche errichten müssen, nachdem in der Klosterkirche rund 150 Jahre beide Konfessionen Gottesdienst gefeiert hatten, was nicht ohne Spannungen ging. Der alte Turm wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, als die evangelische Kirche einen eigenen Glockenstuhl erhielt, von beiden Gemeinden zum Läuten genutzt.

Die Besitzer des dem Kirchengelände benachbarten Klostergutes haben seit der Säkularisation über die Jahrzehnte immer wieder gewechselt. Zu DDR-Zeiten befand sich in einem der Gebäude die Schule des Dorfes, Ställe und Land gehörten einer LPG. Heute ist dort eine Einrichtung für internationale Jugendbegegnung und -bildung eingerichtet.

Die Pfarrgemeinde von Hedersleben ist heute zwar relativ klein, aber lebendig, sagt Diakon Schmutzer. Zum Kern der Aktiven, die etwa die Jubiläumsfeier vorbereitet haben, zählen durchaus auch junge Leute. Zur Pfarrei gehören heute Gatersleben, Heteborn, Wedderstedt und Hausneindorf. Nach Angaben des Diakons sind 321 katholische Christen in der Gemeinde gemeldet. Sonntags kommen 60 zum Gottesdienst in Hedersleben und 20 in Gatersleben. Es gibt einen 20-köpfigen Seniorenkreis, der sich regelmäßig trifft, eine kleine Ministranten- und eine Jugendgruppe. Auch ein Familienkreis wurde gegründet, und ein Chor sorgt für die Gottesdienstgestaltung mit.

"Die Gemeinde ist immer bereit zu helfen", sagt der Diakon. Dies sei etwa bei den umfassenden Sanierungs- und Malerarbeiten an der Kirche deutlich gewesen und das war auch in der Festwoche anlässlich des 750-jährigen Jubiläums so.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 26.10.2003

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